Hauptstadt des sogenannten Islamischen Staates steht vor dem Fall

IS-Miliz kurz vor Verlust von einstiger Hauptstadt Raqqa

Mittwoch, 20. September 2017 | 13:15 Uhr

Die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) steht nach Angaben von Aktivisten kurz vor dem Verlust ihrer einstigen syrischen Hauptstadt Raqqa. Die kurdisch dominierte Milizenallianz Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kontrollierten 90 Prozent der Stadt, die Jihadisten hielten nur noch das Zentrum, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch.

Die SDF sprach von 80 Prozent der Stadt, die ihre Kämpfer unter Kontrolle gebracht hätten. Der Kampf um die einstige IS-Hochburg stehe “kurz vor dem Ende”, hieß es. In den vergangenen 48 Stunden hätten sich die Jihadisten aus mindestens fünf Vierteln zurückgezogen, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle. Grund seien die intensiven Luftangriffe der US-geführten Anti-IS-Koalition. Das größte Problem seien die zahlreichen Minen, die die Islamisten auf ihrem Rückzug gelegt hätten.

Laut den für Medien nur schwer überprüfbaren Angaben der Beobachtungsstelle, die ihre Angaben aus einem Netz von Informanten vor Ort bezieht, hat die IS-Miliz damit den ganzen Norden der Stadt einschließlich der dort gelegenen Getreidesilos verloren.

Die SDF-Einheiten teilten ihrerseits mit, bei einem “Überraschungsangriff” im Norden mehrere Gebiete von den Jihadisten erobert zu haben. Das kurdisch-arabische Bündnis hatte Anfang Juni nach monatelanger Vorbereitung ihre Offensive auf Raqqa begonnen. Von den USA wurden sie dabei mit Luftangriffen und Eliteeinheiten am Boden unterstützt.

Laut der Beobachtungsstelle steht der Widerstand der Jihadisten nach dem Verlust hunderter Kämpfer vor dem Zusammenbruch. Ihre Vorräte an Essen, Waffen und Munition neigten sich dem Ende zu, auch könnten sie ihre Verletzten kaum noch versorgen, so dass sie sich auf das Zentrum zurückgezogen hätten, erklärte die in Großbritannien ansässige Aktivistengruppe.

Die Jihadisten hatten Raqqa im Jänner 2014 unter ihre Kontrolle gebracht und später zu ihrer inoffiziellen Hauptstadt in Syrien gemacht. Seit vergangenem Jahr ist die sunnitische Extremistengruppe jedoch in der Defensive und hat den Großteil der Städte und Gebiete unter ihrer Kontrolle verloren. In Syrien hält sie neben Raqqa nur noch Teile der östlichen Provinz Deir ez-Zor.

Von: APA/ag/dpa