Auch syrische Truppen rücken vor

“Islamischer Staat” gerät in Syrien immer weiter unter Druck

Sonntag, 10. September 2017 | 18:27 Uhr

Die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” gerät in Syrien weiter in Bedrängnis: Die von den USA unterstützte kurdisch-arabische Allianz der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) startete am Samstag eine neue Offensive auf Deir ez-Zor, die letzte weitgehend vom IS kontrollierte Provinz im Osten des Landes. Auch syrische Regierungstruppen befinden sich in der Region im Vormarsch.

Die SDF-Einheiten rückten von Osten her auf Deir ez-Zor vor. Mit dem Kampfeinsatz solle der IS aus dem Gebiet östlich des Euphrat verdrängt werden, sagte der Kommandant der SDF-Einheit, Ahmed Abu Kholeh. Die SDF werden von den USA unterstützt. “Wir sind auf mehreren Kilometern vorgedrungen, dank der Luftunterstützung der internationalen Koalition”, sagte Kholeh.

Der IS wird auch von der syrischen Armee bekämpft, die die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Deir ez-Zor zurückerobern will. Die SDF-Kräfte erklärten jedoch, es gebe keine Abstimmung mit den syrischen Regierungstruppen oder dem russischen Militär, das die Truppen von Syriens Machthaber Bashar al-Assad unterstützt.

Bei russischen Luftangriffen sind am Sonntag nahe der Stadt Deir ez-Zor nach Angaben von Aktivisten mindestens 34 Zivilisten getötet worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, russische Kampfjets hätten dort Fähren bombardiert.

Wie die syrische amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, konnte die syrische Armee den IS vom Militärflughafen der Stadt Deir ez-Zor vertreiben. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London teilte mit, durch die Beendigung der Belagerung des Flughafens hätten die syrischen Streitkräfte auch die westlichen Viertel der Großstadt befreit.

Der Westen der Stadt, die seit fast drei Jahren vom IS eingekesselt war, war am Samstag wieder für Hilfslieferungen erreichbar. Hunderte Menschen scharten sich um einen Hilfskonvoi des syrischen Roten Halbmonds. “Ich bete zu Gott, dass niemand auf der Welt das erleben muss, was wir erlebt haben”, sagte eine Bewohnerin.

Deir ez-Zor ist die letzte syrische Provinz, die weitgehend vom IS kontrolliert wird. Die Extremistengruppe hat inzwischen im Irak und in Syrien den Großteil der Gebiete verloren, die sie im Sommer 2014 erobert hatte. Etwa 60 Prozent der Regionalhauptstadt Deir ez-Zor sind noch in der Hand des IS.

Bei einem Luftangriff der US-geführten Militärkoalition auf ein Gefängnis des IS in der ostsyrischen Stadt Abu Kamal an der Grenze zum Irak wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mindestens 23 Menschen getötet. Unter den Opfern seien 18 Gefangene – darunter zehn Iraker – und fünf Kämpfer der Jihadisten. Das US-geführte Bündnis gab dazu zunächst keine Stellungnahme ab. In den vergangenen Monaten wurde den USA immer wieder vorgeworfen, bei Luftangriffen in Syrien oder im Irak Zivilisten zu töten.

Von: APA/dpa