Syrische Armee nahm die Stadt Albu Kamal ein

Islamischer Staat verliert letzte Bastion in Syrien

Donnerstag, 09. November 2017 | 14:32 Uhr

Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre letzte Bastion in Syrien verloren: Die syrische Armee meldete am Donnerstag, die nahe der irakischen Grenze gelegene Stadt Albu Kamal sei mit Hilfe verbündeter Truppen zurückerobert worden. Der sunnitischen Extremistengruppe bleiben damit in Syrien vor allem noch einige Gebiete in der zentralen Provinz Homs sowie im Irak die Ortschaft Rawa.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 ein “Kalifat” in großen Teilen Syriens und des Irak ausgerufen, nachdem sie in einer Blitzoffensive die irakische Armee und die kurdischen Truppen bis vor Erbil und Bagdad zurückgedrängt hatte. Seit 2015 sind die Jihadisten aber auf dem Rückzug, und zuletzt wurden sie im Irak und Syrien aus einer Stadt nach der anderen vertrieben.

Nach Tikrit, Ramadi und Falluja verlor die Extremistengruppe im Juli auch die nordirakische Großstadt Mosul. In kurzer Folge fielen danach die irakischen Städte Tal Afar und Hawija an die Regierungstruppen, und im Oktober nahm ein kurdisch-arabisches Bündnis nach viermonatiger Belagerung auch die syrische IS-Hochburg Raqqa ein.

Die Kämpfe verlagerten sich daraufhin auf die syrisch-irakische Grenzregion, wo die IS-Miliz ihre letzten Rückzugsgebiete hatte. Nachdem vergangene Woche die ostsyrische Großstadt Deir ez-Zor (Deir al-Zor) an die syrische Armee gefallen war, nahm sie Albu Kamal ins Visier und schloss die Stadt am Mittwoch ein. Unterstützt wurde sie dabei durch Angriffe der russischen Luftwaffe.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien sind auch die libanesische Hisbollah-Miliz, die iranischen Revolutionsgarden sowie irakische Milizen an der Offensive beteiligt. Sie hätten das Rückgrat der Regierungstruppen gebildet, erklärte die oppositionsnahe Organisation, die über zahlreiche Quellen vor Ort verfügt.

“Die Befreiung von Albu Kamal ist von großer Bedeutung, da sie das Scheitern des Projekt der IS-Terrorgruppe in der Region bedeutet”, erklärte die syrische Armee am Donnerstag. Die irakischen Regierungstruppen haben der IS-Miliz kürzlich auch den nahegelegenen Grenzübergang Al-Qaim abgenommen, womit die Gruppe auf die Ortschaft Rawa zurückgeworfen ist.

In Syrien ist die IS-Miliz noch in den Vierteln Yarmouk und Hajar al-Aswad am Rande von Damaskus und in einigen Gebieten der zentralen Provinz Homs und der südlichen Region Deraa präsent. Der Islamische Staat ist damit in der Defensive, doch warnen Experten, dass IS-Zellen auch nach dem Verlust der letzten Gebiete weiter eine Bedrohung darstellen werden.

Aus Sicht der NATO könnte nach den Gebietsverlusten für den IS nun die Gefahr von Anschlägen in Europa wachsen. “Unsere Arbeit ist nicht getan”, warnte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Auftakt eines Treffens der Anti-IS-Koalition am Donnerstag in Brüssel. “Während der IS Gebiet verliert, könnte er versuchen, seine Bedeutung zu beweisen, in dem er Terrorangriffe in der Region und darüber hinaus verstärkt, auch hier in Europa.”

Die Koalition müsse wachsam bleiben und zusammenarbeiten, um neuen Herausforderungen entgegenzutreten. Auch US-Verteidigungsminister James Mattis warnte die Verbündeten: “Trotz der Erfolge ist unser Kampf nicht vorbei. Auch ohne physisches Kalifat bleibt der IS eine Bedrohung zur Stabilität der befreiten Gebiete und in unserer Heimat.” Das werde ein langer Kampf.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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4 Kommentare auf "Islamischer Staat verliert letzte Bastion in Syrien"


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denkbar
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Universalgelehrter
9 Tage 10 Min

Eine Tragödie ohne Ende. Schwer zu begreifen, dass die internationale Gemeinschaft das nicht beendet.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Grünschnabel
8 Tage 20 h

Nur blöd dass da einige von der sogenannten “internationalen Gemeinschaft” da fleissig mitgeholfen haben dass es zum Chaos in der Region gekommen ist (Saddam musste unbedingt weg, der Assad gleich mit und der Ghedaffi sowieso!)

traktor
traktor
Superredner
8 Tage 22 h

keine gefangenen…

zombie1969
zombie1969
Superredner
8 Tage 18 h

 Den Daesh (IS) kann man militärisch nur teilweise schlagen. Genausowenig wie Al-Kaida, die Taliban und andere Terrorgruppen. Den Terrorismus muss man auf verschiedenen Wegen besiegen. Natürlich darf man es den Terrorgruppen nicht erlauben, ganze Landstriche zu erobern und muss ihnen das geraubte Territorium wieder abnehmen. Aber das kann nur der Anfang der Terrorismusbekämpfung sein. Die grösste und wichtigste Schlacht beginnt erst danach. 

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