Die israelische Armee attackierte zwölf Ziele im Gazastreifen

Israel und Hamas vereinbarten nach Eskalation Waffenruhe

Donnerstag, 09. August 2018 | 22:58 Uhr

Unter Vermittlung Ägyptens haben die Hamas und Israel nach der jüngsten Eskalation der Gewalt rund um den Gazastreifen nach Palästinenserangaben einen Waffenstillstand vereinbart. Die Waffen würden ab Donnerstag 22.45 Uhr MESZ schweigen, berichteten zwei Palästinenservertreter. Von israelischer Seite gab es dazu zunächst keine Bestätigung.

Viele Gemeinden und Dörfer in Südisrael lagen seit Mittwoch unter Beschuss mit Mörsern und Granaten aus dem Gaza-Streifen. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte wurden seit Mittwochabend über 180 Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Luftwaffe reagierte mit zahlreichen Vergeltungsangriffen auf Einrichtungen der im Gaza-Streifen seit mehr als einem Jahrzehnt herrschenden Hamas. Armeeangaben zufolge wurden mehr als 150 “Terrorziele” in dem von Israel und Ägypten weitgehend abgeriegelten Küstenstreifen angegriffen.

Dabei wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums eine schwangere Frau und ihre 18 Monate alte Tochter sowie ein Mitglied des militanten Arms der Hamas getötet. 27 weitere Palästinenser wurden demnach insgesamt verletzt, davon 18 bei den Angriffen auf ein Gebäude in Gaza am Donnerstagabend. In Israel wurden nach Angaben der Armee durch Beschuss aus dem Gazastreifen sieben Menschen verletzt.

Noch am Donnerstagmittag hatten militante Palästinenser die Gewalt für beendet erklärt. “Diese Eskalation ist aufgrund von internationaler und regionaler Vermittlung vorbei”, teilte die Vereinigung für den bewaffneten Widerstand am Donnerstagmittag mit. Zu der Gruppe gehören unter anderem die radikalislamische Hamas und die militante Palästinenserorganisation Islamische Jihad. Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov hatte zuvor alle Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert und vor einer weiteren Zuspitzung der Situation gewarnt.

Trotzdem schlug am Donnerstagnachmittag eine Rakete aus dem Gazastreifen nördlich der Stadt Beersheva ein, wie die Polizei bestätigte. Nach Medienberichten war dies das erste Mal seit dem Gaza-Krieg 2014. Beersheva liegt rund 40 Kilometer von dem Küstengebiet entfernt.

Die israelische Armee zählte bis Donnerstagmorgen rund 150 Raketen, die aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert wurden. Das israelische Sicherheitskabinett wurde nach Medienberichten zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen.

Mehr als 30 palästinensische Raketen wurden abgefangen, der Rest schlug meist auf freiem Gelände ein, wie die Armee mitteilte. Sie attackierte nach eigenen Angaben daraufhin mehr als 150 militärische Ziele im Gazastreifen – unter anderem Trainingscamps, Lagerstätten und eine Waffenfabrik.

“Wir haben (…) nur militärische Ziele angegriffen, die eindeutig von der Hamas genutzt wurden”, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. “Wir sehen, dass die Hamas diese letzte Runde der Gewalt begonnen hat.” Die Truppen im Süden des Landes würden verstärkt.

Das deutsche Auswärtige Amt zeigte sich besorgt über die jüngste Konfrontation. “Die alarmierende Eskalation der Gewalt vergangene Nacht, bei der mehrere Menschen getötet und zahlreiche verletzt wurden, gibt uns Anlass zu größter Sorge”, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Freitag). “Den massiven Raketen- und Mörserbeschuss auf israelische Städte und Dörfer aus Gaza heraus verurteilen wir auf das Schärfste.”

Frankreich verurteilte den Abschuss von Raketen auf Israel ebenfalls und forderte, “dass die Waffenruhe von allen Parteien respektiert wird, um neue zivile Opfer zu vermeiden”. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas bat um internationale Unterstützung, um die israelischen Angriffe zu stoppen.

Israelische Medien berichteten am Donnerstag von Verhandlungen über eine langfristige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas unter ägyptischer Vermittlung. Die Hamas hatte am Montag Gespräche mit Ägypten über eine Waffenruhe bestätigt. Von Israel gab es dafür keine offizielle Bestätigung.

Seit Ende März sind bei Protesten und Zusammenstößen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 160 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Ein israelischer Soldat wurde erschossen.

Die Palästinenser fordern ein Ende der Gaza-Blockade und ein Recht auf Rückkehr in ihre frühere Heimat oder die ihrer Eltern und Großeltern. Diese Dörfer oder Städte gehören heute zum israelischen Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender Menschen im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Israel lehnt die Forderungen ab.

Die radikalislamische Hamas wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben.

Kolumbien erkannte indes Palästina nach Angaben der palästinensischen Botschaft in Bogota als unabhängigen Staat an. Israel forderte die Rücknahme der Entscheidung. “Dies belohnt die Palästinensische Autonomiebehörde dafür, Terrorismus zu unterstützen, den Holocaust zu verleugnen und Friedensgespräche zu verweigern”, kritisierte der stellvertretende Minister für Diplomatie, Michael Oren, auf Twitter.

Mittlerweile haben mehr als 130 Länder Palästina anerkannt. Länder wie Deutschland, Israel und die USA vertreten dagegen die Linie, ein souveräner Palästinenserstaat könne erst nach dem Abschluss von Friedensverhandlungen mit Israel ausgerufen und anerkannt werden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Israel und Hamas vereinbarten nach Eskalation Waffenruhe"


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Protler
Protler
Grünschnabel
5 Tage 21 h

“Die Hamas wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation
eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne
geschrieben.” ICH stufe die israelische Regierung als Terrororganisation ein.

p.181
p.181
Grünschnabel
5 Tage 10 h

@Protler

Schaugsch woll zu viel Flunker TV?

real1st
real1st
Tratscher
4 Tage 21 h

@protler jetzt mal ohne Wikipedia, zu welchem untergegangenen LandReich gehörten die Ortschaften die jetzt Israel bilden? sag nicht Palestina sonst muss ich lachen

Protler
Protler
Grünschnabel
4 Tage 20 h

@p.181 Ich habe meine Masterarbeit zum Konflikt geschrieben und mich sicher nicht “Flunker TV” in die Fußnote gesetzt.

Protler
Protler
Grünschnabel
4 Tage 20 h

@real1st Das entzieht sich mitlerweile jeder Relevanz. Eine aufgeklärte Gesellschaft – die wir vorgeben zu sein – sollte nicht vorsätzlich einem Volk seine Lebensgrundlagen entziehen. Genau das aber macht Israel.

real1st
real1st
Tratscher
4 Tage 15 h

@Protler du kritisierst also einen Staat der sich verteidigt? dir sind die vielen Attentate auf Zivilisten vor der Abschottung des Gazastreifens bekannt? zusätzlich ist zu bedenken dass auch Ägypten die Grenzen zum Gazastreifen geschlossen hält, es ist also nicht so dass nur Israel der böse ist. versteh mich nicht falsch die Siedlungspolitik Israels ist an erster Stelle wenn es was zu ändern gibt aber einen Staat zu verurteilen weil er sich verteidigt ist doch etwas zu einfach

Protler
Protler
Grünschnabel
4 Tage 12 h
@real1st Verstehe ich vom Grundgedanken her schon. Ein Staat hat, wie ein Mensch auch, einen Überlebenstrieb der mit sich bringt sich bei Gefahr zu verteidigen. Der Politik wurde nichts anderes beigebracht. Sie hat sich hier bis heute an die Theorie des Realismus angepasst. Und da ist ja auch das Problem. Israel lebt diesen Überlebenstrieb bis aufs äußerste aus, mit allen Vorteilen die sie als souveräer Staat hat. Die Palästinenser können auf die Vorteile eines souveränen Staates nicht zurückgreifen d.h. sie finden nicht die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft wie Israel. Terrorismus ist zudem kein Begriff der Schwachen. Auch ein Staat wie… Weiterlesen »
m69
m69
Universalgelehrter
5 Tage 22 h

wenn hier nicht mal der 3. WK. beginnen wird wo sonst????

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 21 h

immer mit der ruhe, israel wurde jetzt jahre lang von europa und amerika bis an die zähne mit waffen vollgepumt, sie müssen nur die alten raketen jetzt entsorgen.

luis p
luis p
Grünschnabel
5 Tage 14 h

@typisch und die werden immer noch weiter unterstützt und alle halten den Mund. die Amis haben überall ihren Rüssel drin nur zu Hause kriegen sie nichts auf die Reihe….

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