Zwischen den Golanhöhen und Syrien wachen die Blauhelme

Israel und Jordanien griffen Kämpfer an syrischer Grenze an

Donnerstag, 02. August 2018 | 17:59 Uhr

Israel und Jordanien haben an der Grenze zu Syrien mutmaßliche Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert, die sich ihrem Gebiet näherten. Die israelischen Streitkräfte töteten nach eigenen Angaben vom Donnerstag an den Golanhöhen sieben Bewaffnete, während Jordanien den Tod von mehreren IS-Kämpfern meldete, die sich der Grenze genähert hätten.

Israel und Jordanien sind seit Wochen wegen einer syrischen Regierungsoffensive gegen die Rebellen und Jihadisten in Südsyrien in Alarmbereitschaft. Der russische General Sergej Rudskoj sagte in Moskau, die syrische Armee habe mit Unterstützung der russischen Luftwaffe die vollständige Kontrolle über die jordanische Grenze und die südsyrischen Provinzen Kuneitra, Deraa und Suwaida zurückerlangt.

Das syrische Staatsfernsehen meldete dagegen weiter heftige Kämpfe mit den letzten verbliebenen IS-Einheiten im Süden der Provinz Deraa. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, rund hundert Kämpfer des IS-Verbündeten Jaish Khaled bin al-Walid seien nahe der Grenze zu Jordanien von der Armee umzingelt. Die jordanische Armee erklärte, eine Gruppe IS-Kämpfer sei im Jarmuk-Becken eingeschlossen.

Ihren Angaben zufolge näherten sich Jihadisten im Gebiet an den Golanhöhen der Grenze zu Jordanien, woraufhin jordanische Soldaten sie unter Beschuss genommen und mehrere getötet hätten. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, ein Kampfflugzeug habe sieben mutmaßliche IS-Kämpfer getötet, die offenbar in den von Israel besetzten und annektierten Teil der Golan-Höhen eindringen wollten.

Syriens Machthaber Bashar al-Assad hatte am Mittwoch erklärt, seine Truppen stünden kurz vor dem Sieg. Tatsächlich hat die Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe und Milizen aus dem Libanon, dem Iran und Afghanistan den Großteil Syriens zurückerobert. Neben den Kurdengebieten im Nordosten und türkisch besetzten Gebieten im Nordwesten entzieht sich nun vor allem noch die Provinz Idlib der Kontrolle Assads.

Dort verkündeten am Mittwoch die islamistischen Rebellengruppen Tahrir al-Sham und Nur al-Din al-Sinki, sie hätten sich mit vier weiteren Gruppen zur Nationalen Befreiungsfront zusammengeschlossen, um einer drohenden Offensive Assads zu begegnen. Assad hatte zuvor angekündigt, Idlib als nächstes ins Visier zu nehmen. Russlands Syrien-Gesandter Alexander Lawrentiew versicherte dagegen, eine Offensive auf Idlib stehe derzeit nicht zur Debatte.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman begrüßte am Donnerstag die Geländegewinne Assads. Die Situation kehre zu dem Zustand vor dem Bürgerkrieg zurück, so dass es in Damaskus wieder einen klaren Ansprechpartner gebe, der die Verantwortung trage, sagte Lieberman. Israel und Syrien hatten nach ihrem letzten Krieg 1973 nie formell Frieden geschlossen, doch war es bis zum Bürgerkrieg 2011 an der Grenze weitgehend ruhig.

Lieberman betonte, Israel mische sich nicht in die inneren Angelegenheiten Syriens ein, solange die Waffenruhe eingehalten werde, Syrien nicht zu einer Basis für iranische Truppen werde und Damaskus nicht die Lieferung moderner Waffen an die libanesische Hisbollah-Miliz erlaube. Um dies zu verhindern, hat Israel in den vergangenen Jahren Dutzende Male Waffenkonvois und iranische Stützpunkte in Syrien bombardiert.

Von: APA/dpa