Grenzübergang zum Gaza-Streifen: Israel stoppte Treibstofflieferungen

Israel verschärft Blockade des Gazastreifens

Dienstag, 17. Juli 2018 | 13:10 Uhr

Israel hat am Dienstag Treibstofflieferungen in den Gazastreifen gestoppt und damit die Blockade des Palästinenser-Gebiets abermals verschärft. Als Grund nannte das Verteidigungsministerium in Tel Aviv Brandsätze, die seit Monaten von palästinensischem Gebiet aus per Ballons und Drachen losgeschickt werden und Feuer auf israelischem Ackerland verursachen.

Die Treibstofflieferungen würden bis Sonntag ausgesetzt, hieß es in einer Mitteilung vom Montagabend. Das Ministerium hatte bereits in der vergangenen Woche die meisten Lieferungen über den einzigen Warenübergang nach Gaza untersagt. Der Kerem Shalom genannte Grenzübergang bleibt nun lediglich in Einzelfällen für Lebensmittel und Medikamente geöffnet. Zudem wird die von Israel durchgesetzte Fischereizone vor der Küste des Gazastreifens von sechs auf drei Seemeilen reduziert.

Die radikalislamische Hamas, die seit 2008 den Gazastreifen kontrolliert, verurteilte die Maßnahme. In der vergangenen Woche hatte sie die Grenzschließung als “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” bezeichnet. Die Palästinenser in Gaza sehen die per Drachen und Ballons transportierten Brandsätze als legitimen Widerstand gegen die seit mehr als einem Jahrzehnt anhaltende israelische Blockade.

Israelische Behörden erklärten, die Brandsätze hätten großen Schaden auf den Bauernhöfen der Region angerichtet. Ein Sprecher der israelischen Feuerwehr sprach von 750 Feuern, die rund 2.600 Hektar Land verbrannt hätten. Den Schaden schätzte er auf mehrere hunderttausend Euro.

Die israelische Maßnahme folgt den schwersten Auseinandersetzungen seit vier Jahren. Am Wochenende bombardierte die israelische Luftwaffe Dutzende Ziele im Gazastreifen. Dabei starben nach palästinensischen Angaben zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren. Aus dem Palästinenser-Gebiet wurden nach israelischen Angaben rund 200 Raketen und Granaten abgefeuert. Vier Menschen wurden verletzt.

Das Gesundheitsministerium in Gaza meldete am Dienstag den Tod eines weiteren Palästinensers, der vor einigen Tagen bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften östlich von Gaza-Stadt angeschossen worden war. Demnach erlag der 23-Jährige in einem Krankenhaus in Jerusalem seinen Verletzungen. Seit Beginn der jüngsten gewaltsamen Auseinandersetzungen im Gazastreifen Ende März stieg die Zahl der getöteten Palästinenser somit auf 144.

Am Samstagabend hatten die radikalen Palästinenser-Organisationen Hamas und Islamischer Jihad einseitig eine Waffenruhe verkündet. Danach feuerten militante Palästinenser nach Angaben der Armee allerdings weitere Geschoße auf Israel. Zudem wurden demnach erneut Branddrachen nach Israel geschickt.

Seit langem kritisieren Menschenrechtsorganisationen, die Lebensumstände der rund zwei Millionen Einwohner im Gazastreifen seien unerträglich. Unter anderem haben die Menschen nur rund sechs Stunden Strom pro Tag. Viele behelfen sich mit Generatoren, die mit Treibstoff betrieben werden. Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird.

Von: APA/dpa