Schlepper nutzten das gute Wetter zur Überfahrt

Italien befürchtet neue Flüchtlingswelle

Donnerstag, 01. September 2016 | 11:52 Uhr

Nachdem seit Samstag fast 15.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet worden sind, befürchtet die italienische Regierung eine weitere Welle an Ankünften im September. Die Zahl der seit Jahresbeginn eingetroffenen Flüchtlinge ist bereits höher als die im selben Zeitraum 2015, heißt es nach offiziellen Zahlen vom Donnerstag. 118.903 Menschen erreichten 2016 am Seeweg Italien.

Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 116.149 Menschen. “Es ist der große Ansturm vor Herbst-Beginn. Schlepper nutzen die letzten Sommertage vor Beginn des schlechten Wetters aus, um so viele Menschen wie möglich nach Europa zu schleppen”, wurde ein Funktionär des italienischen Innenministeriums von der Tageszeitung “La Repubblica” zitiert.

Die Zahl der Neuankömmlinge seit Samstag macht allein zehn Prozent der Ankünfte des ganzen Jahres aus. Unter denen, die Sizilien erreichten, befinden sich auch rund 1.000 Minderjährige. “Die Flüchtlingseinrichtungen auf der Insel stehen vor dem Kollaps”, klagte die Tageszeitung “La Stampa”.

147.722 Asylwerber versorgt Italien zurzeit, 2015 waren es 103.792 und 2014 noch 66.066. Italien macht Druck auf Gemeinden und Regionen, damit sie mehr Flüchtlinge aufnehmen. Das Innenministerium appellierte an die Kommunen zu mehr Hilfsbereitschaft. Die Region, die die meisten Menschen versorgt, ist die Lombardei mit 19.446 Menschen. Das sind 13 Prozent aller Flüchtlinge in Italien. Es folgt Sizilien mit einem Anteil von elf Prozent an der gesamten Flüchtlingszahl (15.683).

Südtirol versorgt 1.404 Flüchtlinge, der Trentino 1.226, in Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien waren es 4.765, teilte das Innenministerium mit.

1.200 Migranten sind zuletzt auf Lampedusa eingetroffen. 300 Personen befinden sich bereits in der Flüchtlingseinrichtung auf der Insel. “Der Hotspot von Lampedusa ist ein Chaos. So kann man Flüchtlinge nicht versorgen. Die Migranten müssen sofort aufs Festland gebracht werden, auch mithilfe von Militärschiffen”, sagte die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini.

Inzwischen verschärft Italien die Offensive gegen die Schlepperei. Fünf mutmaßliche Schlepper wurden in Cagliari auf Sardinien festgenommen. Sie hatten sich unter die 617 Migranten gemischt, die am Mittwoch an Bord eines Militärschiffes eingetroffen waren. Weitere sieben Schlepper wurden im sizilianischen Hafen Pozzallo festgenommen.

Die Zahl der Migranten, die aus der Türkei zu den griechischen Inseln übersetzen, ging indes am Donnerstag zurück. In den vergangenen 24 Stunden kamen nach Angaben des Stabes für die Flüchtlingskrise 57 Menschen an.

In den vergangenen sieben Tagen setzten im Durchschnitt täglich 152 Menschen aus der Türkei zu den Inseln über. Am 30. August waren es an einem Tag 462 Menschen. “Die Lage hat sich heute etwas beruhigt. Die Lager sind aber überfüllt”, sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

In den Flüchtlings- und Registrierungslagern (Hotspots) auf den Inseln der östlichen Ägäis harrten am Donnerstag 12.227 Migranten und Flüchtlinge aus. Die Lager auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos können eigentlich nur 7.450 Menschen aufnehmen.

In ganz Griechenland halten sich nach Angaben des Flüchtlingskrisenstabes vom Donnerstag 59.272 Flüchtlinge und andere Migranten auf. 7.853 von ihnen wohnen in Wohnungen, Häusern und Hotels, die das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) angemietet hat. Gut 8.000 wohnen nach Schätzungen der griechischen Behörden bei Bekannten oder haben sich selbst eine Unterkunft besorgt. Der Rest harrt in 47 Lagern und in einem provisorischen Camp in einem alten verlassenen Flughafen nahe Athen aus.

Von: apa

Kommentare

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2 Kommentare auf "Italien befürchtet neue Flüchtlingswelle"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Lana77
Grünschnabel
26 Tage 23 h

Jo,jo. Wir schaffen das ! 😖👈

Dublin
Tratscher
26 Tage 20 h

Die “Flüchtlings”-Welle entsteht durch den Frontex Taxidienst.

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