Anti-Betrug-Wahlzettel verlangsamten Abwicklung

Italien-Wahl – Lange Schlangen vor Wahllokalen

Sonntag, 04. März 2018 | 17:15 Uhr

In mehreren italienischen Städten, darunter Rom, Mailand und Neapel, haben sich am Sonntagnachmittag bei den Parlamentswahlen lange Schlangen vor den Abstimmungslokalen gebildet. Der römische Gemeinderat riet den Wählern, angesichts der langen Wartezeiten so rasch wie möglich zu den Wahllokalen zu gehen.

Die Schlangen bildeten sich wegen der neuen Wahlzettel, die Betrug erschweren sollen. Erstmals wurde mit Wahlzettel gewählt, auf denen sich ein Abschnitt mit einem Code aus Buchstaben und Ziffern befindet.

Dieser alphanumerische Code wird bei der Ausgabe des Wahlzettels zusammen mit der Ausweisnummer des Wählers registriert. Nachdem der Wahlberechtigte in der Kabine seinen Wahlzettel angekreuzt hat, darf er diesen nicht selbst in die Urne werfen, wie es bei Wahlen in Italien bisher der Fall war. Allein der Verantwortliche des Wahllokals darf den Wahlzettel in die Urne werfen. Die neuen Wahlzettel verlangsamten die Wahlprozedur.

Der Anführer der Mitte-rechts-Allianz, Ex-Premier Silvio Berlusconi, der in einem Mailänder Wahllokal seine Stimme abgab, erklärte sich wegen der langen Wartezeiten besorgt. Er äußerte die Sorge, dass viele Wähler wegen der Schlangen nicht wählen würden. Berlusconis Koalition gilt als Favoritin im Wahlduell.

61.552 Wahllokale sind seit 7.00 Uhr offen. Bis zum Mittag lag die Wahlbeteiligung bei 19,3 Prozent, teilte das Innenministerium mit. Die Wahlbeteiligung war damit höher als bei den bisher letzten Parlamentswahlen im Februar 2013, als 14,9 Prozent der Wählerschaft bis 12.00 Uhr ihre Stimme abgegeben hatten. Damals wurde jedoch nicht nur am Sonntag, sondern auch am Montag gewählt.

In der sizilianischen Hauptstadt Palermo, wo am Sonntagvormittag der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella seine Stimme abgab, mussten in der Nacht auf Sonntag 200.000 Wahlzettel neu gedruckt werden, weil diese Fehler beinhalteten. Daher konnten die Wahllokale erst mit großer Verspätung geöffnet werden. Vor ihnen bildeten sich Schlangen. “Wir bedauern die Schwierigkeiten für die Wähler”, sagte der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando. “Aber dieses neue (Wahl-)Gesetz hat auch in anderen Teilen Italiens erhebliche Probleme verursacht.” “Mich beunruhigt die Situation in Palermo sehr”, zitierte die italienische Nachrichtenagentur ANSA Senatspräsident Pietro Grasso.

In Trentino-Südtirol wurde eine Million Wahlzettel für die Senatswahlen neu gedruckt, weil im Namen eines Kandidaten ein Buchstaben fehlte.

Von: apa

Bezirk: Bozen