Fratelli d' Italia: "Er hat keine Minute Haft abgesessen"

Italiens Rechtspartei gegen Begnadigung von Südtirol-Attentäter

Montag, 10. Dezember 2018 | 10:35 Uhr

Die italienische Rechtspartei “Brüder Italiens” (Fratelli d ́Italia – FdI) hat Österreich dazu aufgerufen, den ehemaligen Südtirol-Attentäter Heinrich Oberleiter an Italien auszuliefern. Oberleitner, der zur Gruppe der “Pusterer Buam” gehörte, hatte vor kurzem ein Gnadengesuch an den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella gerichtet.

Der in Italien zweimal zu lebenslanger Haft verurteilte 77-Jährige, der in Gössenheim in Bayern lebt, habe kein Recht auf Begnadigung, argumentierte die italienische Oppositionspartei. “Wer sich für derart gewalttätige Verbrechen gegen Staatsdiener verantwortlich gemacht hat und dann ins Ausland geflohen ist, ohne eine Minute Haft abgesessen zu haben, sollte nicht Gnade fordern”, so der Fdi-Parlamentarier Luca De Carlo am Montag in einer Presseaussendung.

“Es wäre an der Zeit, dass Österreich, dass seit jeher Kriminelle schützt, die Bomben in italienischen Lokalen in Südtirol legten und Militärs ermordete, Oberleiter nach Italien ausliefert, damit er sein Leben in Haft beenden kann. Das schulden wir den Familien der Todesopfern, die seit Jahren Gerechtigkeit verlangen”, forderte De Luca.

Das Gnadengesuch haben die drei Kinder Oberleiters an den italienischen Staatspräsidenten gerichtet. Oberleiter war zusammen mit Sepp Forer, Siegfried Steger und dem 2006 verstorbenen Heinrich Oberlechner wegen verschiedener in den 1960er Jahren verübten Anschläge von den Schwurgerichten Bologna und Florenz zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Oberleiter wurde ein Mord an einem Carabiniere vorgeworfen. Oberleiter flüchtete 1968 nach Österreich. Nach dem Gnadengesuch muss nun der Oberstaatsanwaltschaft der lombardischen Stadt Brescia ein Gutachten erstellen. In Brescia war Oberleiter 1974 wegen eines Anschlags auf den Zug Brennerexpress verurteilt worden.

Von: apa

Bezirk: Bozen