Der Kaiser leidet an gesundheitlichen Problemen

Japans Kaiser erwägt offenbar vorzeitige Übergabe des Throns

Montag, 08. August 2016 | 13:10 Uhr

Eine seltene öffentliche Ansprache des japanischen Kaisers Akihito hat erneut Spekulationen über seine mögliche Abdankung ausgelöst. “Ich mache mir Sorgen, dass es schwieriger für mich sein könnte, meine Pflichten als Symbol des Staates (…) zu erfüllen, wie ich es bisher getan habe”, sagte der 82-Jährige mit Verweis auf seine Gesundheit in einer am Montag im Fernsehen ausgestrahlten Botschaft.

Direkt äußerte er sich nicht zu einer möglichen Abdankung, da dafür das Thronfolgegesetz geändert werden müsste. Medien spekulierten aber darüber, dass die Ansprache ein erstes Anzeichen dafür sei. Der japanische Kaiser darf sich laut Verfassung nicht in die Politik einmischen. Der bisher letzte Kaiser, der seinen Thron aufgab, war Kaiser Kokaku (Eigenname Tomohito) im Jahr 1817.

Bereits im Juli hatten japanische Medien berichtet, dass Akihito eine Abdankung erwäge. Unter Berufung auf Regierungskreise berichteten sie, der Kaiser wolle den Thron seinem ältesten Sohn, Kronprinz Naruhito (56), überlassen. Ein ranghoher Beamter des kaiserlichen Haushofamtes dementierte damals nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo, dass der Monarch bereit sei, abzudanken.

In der rund zehnminütigen Rede am Montag zeigte sich Akihito besorgt über die Auswirkungen, die sein gesundheitlicher Zustand auf die Bevölkerung haben könnte. “Wenn der Kaiser krank ist und sein Zustand ernst wird, dann bin ich besorgt darüber – wie wir in der Vergangenheit gesehen haben -, dass die Gesellschaft zum Stillstand kommt und das Leben der Menschen auf verschiedene Art beeinträchtigt wird.” Es war nach einem Fernsehauftritt nach der Tsunami- und Nuklearkatastrophe 2011 erst die zweite Ansprache seiner Herrschaft, die in den Medien ausgestrahlt wurde.

Wenn ein Kaiser älter wird, ist es aus Akihitos Sicht nicht möglich, Aufgaben und Pflichten des Monarchen ständig zu reduzieren. In der Rede sprach er unter anderem davon, wie wichtig es sei, als Kaiser das Land zu bereisen. Premierminister Shinzo Abe sagte dazu zu Journalisten: “Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, was als Antwort auf die Sorgen des Kaisers getan werden kann.”

Der 82-Jährige leidet seit einigen Jahren unter einer angeschlagenen Gesundheit. Bereits 2008 hatte Akihito stressbedingte Gesundheitsprobleme gehabt, unter anderem Magenbluten. Der Kaiser, der 2003 wegen Prostatakrebs operiert worden war, musste sich inzwischen auch einer Bypass-Operation unterziehen.

Akihito gilt als beliebter Monarch. Seit seiner Thronbesteigung am 7. Jänner 1989 setzt er sich unermüdlich für seine Untertanen ein. Er macht den Opfern von Naturkatastrophen Mut, besucht Altenheime und Einrichtungen für Behinderte und präsentiert sich auch auf internationalen Reisen als ein würdevolles Symbol seines Landes.

Für viele Japaner verbietet sich die Frage, ober der Monarch den Thron abgeben sollte. Dennoch geht aus einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo hervor, dass knapp 86 Prozent der Bevölkerung eine Abdankung des Kaisers akzeptieren würden. Zudem stimmten knapp 90 Prozent der 1008 Befragten der Aussage zu, der Monarch habe zu viele offizielle Pflichten.

Manchen Konservativen macht eine mögliche Abdankung des Kaisers allerdings auch Sorgen. Sie fürchten etwa eine Debatte darüber, ob auch Frauen den Thron besteigen dürfen, da das einzige Kind von Kronprinz Naruhito seine 14-jährige Tochter Aiko ist. Dies wäre für Traditionalisten ein Tabubruch, auch wenn das Land in früheren Zeiten auch schon Kaiserinnen hatte. Derzeit verläuft die Thronfolge des Chrysanthementhrons ausschließlich über die männliche Linie: Dem Kronprinzen folgt daher sein Bruder Akishino (50) und dann dessen Sohn, der neunjährige Hisahito.

Japan ist die älteste Erbmonarchie der Welt, sie reicht zumindest bis Mitte des 1. Jahrtausends n. Chr. zurück. Mittlerweile hat der Tenno – der “Himmlische Herrscher” oder Kaiser – laut Verfassung aber keinerlei Regierungsbefugnisse mehr und nimmt repräsentative Aufgaben war. Er ernennt den Premierminister, verkündet Gesetzesänderungen und empfängt Staatsgäste.

Akihito, dessen Regentschaft den Namen Heisei (“Frieden schaffen”) trägt, ist der erste Tenno, der schon zu seinem Amtsantritt nicht mehr als gottgleich galt. Sein Vater Hirohito (1901-1989) hatte nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg der Göttlichkeit des Kaisers entsagt.

In jüngster Zeit haben in mehreren Ländern die Monarchen noch zu Lebzeiten abgedankt. Zuletzt verzichteten im Jahr 2013 Beatrix der Niederlande und Albert II. von Belgien zugunsten ihrer jeweiligen ältesten Söhne auf den Thron. Juan Carlos I. von Spanien tat es ihnen im Jahr 2014 gleich.

Von: APA/ag.

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