Integrationsbericht neu aufgelegt

Jeder vierte Österreicher hat Migrationshintergrund

Montag, 25. Juli 2022 | 13:20 Uhr

Bereits jede vierte Person hat Migrationshintergrund. Das zeigt das statistische Jahrbuch zum Thema Integration, das am Montag gemeinsam mit dem Integrationsbericht präsentiert wurde. Besonders stark angestiegen ist seit 2015 die Zahl von Syrern und Afghanen, aber auch von Rumänen, Bulgaren und Ungarn. Herausforderungen bestehen am Arbeitsmarkt und im Gesundheitsbereich, wo Personen mit Migrationshintergrund weniger Vorsorge und Impfungen in Anspruch nehmen.

Angesichts von jetzt schon über 30.000 Asylanträgen und 80.000 Registrierungen von Vertriebenen aus der Ukraine sprach Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) bei der Präsentation Montagvormittag von einer “Riesenherausforderung”. Man habe aber die Angebote auf allen Sektoren erweitert, so gebe es etwa so viele Sprachkurse wie nie zuvor. Einen Schwerpunkt lege man auch auf den Arbeitsmarkt, wo vor allem Ukrainerinnen angesichts ihrer Ausbildung – 72 Prozent weisen laut einer Studie Hochschulabschlüsse auf – auch eine Art Hoffnungsträger sind. 83 Prozent der erwachsenen Geflüchteten aus der Ukraine sind weiblich.

Damit diese Frauen aber auch tatsächlich arbeiten können, brauche es ein entsprechendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen, wie Katharina Pabel, die Vorsitzende des Integrationsbeirats, betonte. Dazu bedürfe es einer entsprechenden Sprachförderung und auch im Ausland erworbene Qualifikationen müssten rascher anerkannt werden.

Aufholbedarf sieht Pabel zusätzlich bei jenen Zuwanderergruppen, die am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert sind. Besonders stechen hierbei Syrer hervor, wo zwei Drittel der Frauen und ein Drittel der Männer dem Arbeitsmarkt zwar zur Verfügung stünden, jedoch aktuell nicht beschäftigt seien. Hier bräuchte es gezielte Programme. Nicht ganz so hoch, aber immer noch bedeutend ist die Arbeitslosigkeit bei Afghanen, wo gut jede zweite Frau und jeder fünfte Mann auf der Suche sind. Ähnliche Zahlen gibt es bei Irakern.

Insgesamt erhöhte sich der Anteil der Ausländer unter Erwerbstätigen im Vorjahr von 21,2 auf 22,3 Prozent. Der Frauenanteil lag bei ausländischen Arbeitskräften mit 40 Prozent recht deutlich unter dem Gesamtschnitt von 46 Prozent.

Pabel hob auch die Unterschiede im Zugang zum Gesundheitssektor hervor. So nehmen Migranten Vorsorge-Angebote eher weniger wahr als die Stammbevölkerung, sowohl Zahnärzte als auch beispielsweise Mammographien. Die Covid-Impfquote lag bei Österreichern bei 73 Prozent, bei ausländischen Staatsangehörigen bloß bei 56 Prozent. Dabei zeigen sich freilich deutliche Unterschiede. Iraner ließen sich zu 76 Prozent impfen, Russen und Rumänen dagegen nur zu 37 bzw. 38 Prozent.

Aber auch andere Impfungen sind unter Migranten deutlich seltener vorgenommen worden. So sind Männer ohne Migrationshintergrund zu knapp 81 Prozent und Frauen zu rund 76 Prozent gegen Tetanus geimpft, Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei hingegen nur zu 57 bzw. 52 Prozent.

Rumänen sind mittlerweile durchaus ein bedeutender Faktor in der österreichischen Gesellschaft. Nach den Deutschen sind sie die zweitgrößte Gruppe ausländischer Staatsbürger, zuletzt gut 140.000 Personen, noch vor den Serben. Das ist ein Anstieg von knapp 89 Prozent seit 2015, wie Tobias Thomas, Chef der Statistik Austria ausführte. Auf Platz acht sind mittlerweile Syrer mit knapp 71.000 Personen. Da es vor dem dortigen Krieg relativ wenige Syrer in Österreich gab, ist der Anstieg seit 2015 mit 507 Prozent besonders hoch. Insgesamt beträgt der Anteil an Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Österreich aktuell 25,4 Prozent.

Nicht neu ist, dass bessere gegenseitige Kenntnis zu besserem gegenseitigen Verständnis führt. Eine neue Befragung zeigt, dass in Österreich Geborene mit täglichem Kontakt zu Zuwanderern das Zusammenleben zu 46 Prozent als gut bezeichnen. Jene, die kaum oder gar keinen Kontakt haben, sehen nur zu 29 Prozent ein gutes Zusammenleben. Ähnlich empfinden es zugewanderte Personen.

Von: apa

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