Die Lage in Daraa wird immer verzweifelter

Jordanien will Flüchtlinge in Daraa versorgen

Mittwoch, 04. Juli 2018 | 14:18 Uhr

Jordanien will syrische Flüchtlinge in der umkämpften Grenzregion Daraa versorgen. Für Dutzende Lastwagen werde darauf gewartet, dass die syrische Regierung die Erlaubnis zur Lieferung von Hilfsgütern erteile, sagte der jordanische Außenminister Aiman Safadi am Mittwoch in Moskau. In dem Gebiet zeichne sich eine Katastrophe für die Menschen ab.

Deshalb müssten ein politischer Dialog und eine Waffenruhe Priorität haben, forderte Safadi auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Die Situation im Südwesten Syriens sei besorgniserregend.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die UN-Menschenrechtsvertretung hatten Jordanien am Dienstag aufgefordert, seine Grenzen für Flüchtlinge aus Daraa offen zu halten. Dem UNCHR zufolge drängen sich schätzungsweise 40.000 an der Grenze zum Nachbarland. Jordanien hat bereits 650.000 Syrer als Flüchtlinge registriert.

Die Provinz Daraa ist neben einer Region im Nordwesten das letzte Gebiet, das nach sieben Jahren Bürgerkrieg teilweise noch von Aufständischen kontrolliert wird. Seit Mitte Juni haben Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe ihre Offensive verstärkt und eine Massenflucht der Bevölkerung ausgelöst.

Trotz jordanischer Warnungen vor einer neuen Flüchtlingswelle will Russland die Offensive gegen die Rebellenhochburg Daraa nicht stoppen. Die Vereinbarung über die Deeskalationszone Daraa an der jordanischen Grenze sehe im Gegenteil vor, den Kampf gegen Terroristen zu verstärken. Das sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Gespräch mit seinem jordanischen Kollegen Aiman Safadi am Mittwoch in Moskau. Russland versuchte aber, Rebellengruppen dazu zu bewegen, die Waffen zu strecken.

Syrische Regierungstruppen rücken unterstützt durch russische Luftangriffe seit Ende Juni in der südlichen Provinz Daraa vor. Deshalb stauen sich Zehntausende Flüchtlinge an der geschlossenen Grenze zu Jordanien.

Moskau als Verbündeter der syrischen Regierung, die USA und Jordanien hatten sich im Juli 2017 auf die Deeskalationszone in Daraa geeinigt. Jordanien sei bereit, seinen Teil der Vereinbarungen zu erfüllen, sagte Safadi. Lawrow erwiderte, er sehe keine Gefahr, dass sich in Daraa Kämpfe wie in Aleppo oder Ost-Ghouta wiederholten. Bei der Rückeroberung dieser Rebellenhochburgen durch die Regierungsarmee waren Hunderttausende Zivilisten über Monate eingekesselt gewesen.

Von: APA/ag.