Tolu war "Terrorpropaganda" vorgeworfen worden

Journalistin Mesale Tolu aus U-Haft in Türkei entlassen

Montag, 18. Dezember 2017 | 22:25 Uhr

Mehr als sieben Monate nach ihrer Festnahme ist die deutsche Journalistin Mesale Tolu aus der Untersuchungshaft in der Türkei entlassen worden. Am Montagabend konnte Tolu in Begleitung ihrer Familie eine Polizeistation im Istanbuler Stadtteil Fatih verlassen. Dort war sie nach dem Verlassen des Frauengefängnisses im Istanbuler Stadtteil Bakirköy hingebracht und mehrere Stunden festgehalten worden.

Ein Istanbuler Gericht hatte am Montagnachmittag die Freilassung von Tolu und fünf weiteren inhaftierten Angeklagten in dem Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation angeordnet und für alle eine Ausreisesperre verhängt. Außerdem ordnete das Gericht an, die 33-Jährige solle sich jede Woche bei der Polizei melden.

Die deutsche Bundesregierung nahm die Anordnung des Gerichts zur Freilassung positiv auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Freilassung sei eine “gute Nachricht”. Außenminister Sigmar Gabriel sprach von einer “immensen Erleichterung” und wertete die Freilassung als “deutliches Signal der Entspannung” im deutsch-türkischen Verhältnis. Gabriel betonte aber auch, dass noch lange nicht alle Probleme beseitigt seien. “Es gibt eine ganz gehörige Portion an nach wie vor existierenden Schwierigkeiten”, sagte er. Merkel und Gabriel verwiesen zudem darauf, dass der Prozess noch weitergeführt wird.

Tolu wurde bis zu einem Urteil auf freien Fuß gesetzt. Das Verfahren gegen die Journalistin und 17 türkische Angeklagte geht jedoch weiter. Nächster Verhandlungstermin ist der 26. April 2018. Prozessauftakt war am 11. Oktober gewesen. Tolu drohen nach Angaben ihrer Anwälte bis zu 20 Jahre Haft. Die Angeklagten fordern ihren Freispruch.

Am Montagabend gab es noch einige Verwirrung um die Entlassung Tolus. Der deutsche Botschafter Martin Erdmann und Angehörige Tolus fuhren nach der Anordnung des Gerichts zum Frauengefängnis in Bakirköy, um die Journalistin in Empfang zu nehmen. Der Gefängnisdirektor hatte dem Botschafter einen persönlichen Empfang zugesagt. Stattdessen wurde Tolu jedoch ohne Halt in einem grauen Zivilfahrzeug mit getönten Scheiben aus dem Gefängnis gebracht.

Erst nach längerer Suche konnte der Botschafter ihren Aufenthaltsort ausfindig machen. Erdmann zeigte sich darüber empört und sagte: “Die spielen mit uns ein Versteckspiel.” Nach Angaben von Tolus Anwältin Gülhan Kaya hatte die Anti-Terror-Einheit der Polizei Tolus Abschiebung angeordnet. Die widersprüchlichen Anordnungen zu der gerichtlichen Anordnung einer Ausreisesperre sorgten nach Angaben der Anwältin dann für Verwirrung auf der Wache.

Von: APA/dpa