Die Szenen der vergangenen Tage beunruhigen viele Beobachter

Jüngste Gewalt in Nordirland parteiübergreifend verurteilt

Donnerstag, 08. April 2021 | 19:24 Uhr

Nach neuen nächtlichen Krawallen haben Politiker beider konfessioneller Lager in Nordirland am Donnerstag die Ausschreitungen scharf verurteilt, bei denen in der Nacht davor mindestens sieben Polizisten verletzt worden sind. “Zerstörung, Gewalt und die Androhung von Gewalt sind vollkommen inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen”, hieß es in einer Erklärung nach einer Sondersitzung des Kabinetts am Donnerstag. Auch das Regionalparlament war zu Beratungen zusammengetreten.

Die politischen Positionen seien “sehr unterschiedlich”, hieß es in der parteiübergreifenden Erklärung. Aber “wir sind alle vereint in der Unterstützung für Recht und Ordnung”. Diese Unterstützung gelte auch für die Polizisten, die sich dem “Unglück” entgegenstellten, um “andere zu schützen”.

Der britische Premierminister Boris Johnson zeigte sich “zutiefst besorgt”. “Der Weg, Differenzen zu lösen ist durch Dialog, nicht durch Gewalt oder Kriminalität”, schrieb Johnson am Mittwochabend beim Onlinedienst Twitter. Auch Nordirlands Regierungschefin Arlene Foster verurteilte die Gewalt: “Das ist kein Protest. Das ist Vandalismus und versuchter Mord”, erklärte Foster.

Irlands Außenminister Simon Coveney fordert ein Ende der seit Tagen anhaltenden Gewalt in Belfast. “Dies muss aufhören, bevor jemand getötet oder schwer verletzt wird”, sagte er am Donnerstag dem irischen Sender RTE und forderte gemeinsame Bemühungen um eine Entspannung der Situation. Die Gewalt zwischen pro-britischen und pro-irischen Gruppierungen sei äußerst besorgniserregend. “Das sind Szenen, wie wir sie in Nordirland seit langem nicht mehr gesehen haben. Es sind Szenen, von denen Viele dachten, sie seien Geschichte”, sagte Coveney.

Bei den Unruhen der vergangenen Tage waren mehr als 50 Polizisten verletzt worden. Außer dutzenden Polizisten wurde auch ein Busfahrer verletzt, dessen Bus in der Nacht zum Donnerstag mit einer Brandbombe angegriffen wurde. Die gesetzgebende Versammlung unterbrach die Osterpause für eine Dringlichkeitsdebatte über die Unruhen. Nach Ansicht der Sicherheitsbehörden stecken dahinter teils militante protestantisch-loyalistische Gruppierungen, die auch im Drogenhandel tätig sind.

Vorgeblicher Anlass ist die Entscheidung der Polizei, Politiker der katholisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei nach Teilnahme an der großen Beerdigung eines ehemaligen IRA-Terroristen nicht wegen Verstößen gegen Corona-Regeln zu belangen. Auch der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand. Die Provinz ist weiter Teil des EU-Handelsraums, um Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland zu verhindern. Stattdessen muss nun zwischen Nordirland und dem Rest des Vereinigten Königreichs kontrolliert werden.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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6 Kommentare auf "Jüngste Gewalt in Nordirland parteiübergreifend verurteilt"


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Faktenchecker
2 Tage 21 h

Danke Brexitiers!

Doolin
Doolin
Superredner
2 Tage 19 h

…ja, der Brexit hat eine EU-Aussengrenze quer über meine irische Insel gezogen…das kann nicht gut gehen…die ausgehandelten Dämpfer werden nicht lange halten, das kann man jetzt schon erahnen…die fairste Lösund ist Abzug der britischen Besatzungstruppen und Wiedervereinigung in Freiheit…die Briten haben Irland viel zu lange als ihre Kolonie betrachtet…

Neumi
Neumi
Kinig
2 Tage 6 h
Wenn’s doch nur so einfach wäre. Am Post ist prinzipiell nichts falsch (bis auf das mit den Besatzungstruppen), es fehlen halt aber auch ein paar wichtige Punkte, wie z.B. dass der Großteil von Nordirland bei UK bleiben WOLLTE. Ob das jetzt immer noch so ist? Eine erneute Abstimmung würde es zeigen. Damals hatten die Nordiren jedenfalls Angst, vom Süden “niedergebuttert” zu werden. Klar, es wäre wahrscheinlich nicht zur Teilung gekommen, wenn UK bis 1920 nicht versucht hätte, das Irische auszumerzen. Aber der Konflikt war schon lange vorher ein Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Das was man heute der SVP mit… Weiterlesen »
Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
2 Tage 3 h

Dazu fällt mir die Analogie Südafrika ein.

eisern
eisern
Tratscher
2 Tage 16 h

Es wird immer wieder eskalieren so lange das Land gespalten ist .Leider wird die Teilung Irlands vergessen und man schaut eher nach Korea obwohl es mitten in Europa diese Grenze und die damit verbundenen Probleme gibt.

Faktenchecker
2 Tage 15 h

Das beste Beispiel sind die Piefke. Tägliche Randale BRD-DDR.

Seit der Wiedervereinigung gibt es nur noch Friede-Freude-Eierkuchen und die radikalen Querdenker und Pegida-Schläger.

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