Letztes Wort hat Italiens Staatschef Mattarella

Justiz in Brescia für Begnadigung von Ex-Südtiroler-Aktivist

Dienstag, 12. Februar 2019 | 13:44 Uhr
Update

Brescia – Die Staatsanwaltschaft der Stadt Brescia hat sich für die Begnadigung des ehemaligen Südtirol-Aktivisten Heinrich Oberleiter ausgesprochen. Dies berichteten die Tageszeitung “Il Giornale di Brescia” am Dienstag. Oberleiter hatte im November ein Gnadengesuch an den italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella gerichtet.

Der italienische Präsident forderte daraufhin eine Einschätzung der Staatsanwaltschaft von Brescia zum Begnadigungsantrag, da die Justizbehörden der lombardischen Stadt 1971 als letzte Oberleiter zu 16 Jahren Haft wegen eines Bahnanschlags 1964 verurteilt hatten. Über die Begnadigung des 77-Jährigen muss aber Mattarella entscheiden.

Wegen der Anschläge in der Feuernacht 1961, bei der rund 40 Strommasten gesprengt wurden, und weiterer Attentate erhielten der heute 77-jährige Oberleiter und andere “Pusterer Buam” langjährige Haftstrafen. Oberleiter wurde ein Mord an einem Carabiniere vorgeworfen. Deswegen konnte der nach Österreich geflohene Oberleiter nicht mehr nach Südtirol einreisen.

Der Begnadigungsantrag wurde auf Druck der Kinder Oberleiters eingereicht wegen des angeschlagenen Gesundheitszustands ihres in Gössenheim in Bayern lebenden Vaters. Weitere Appelle für seine Begnadigung waren in den vergangenen Jahren erfolglos geblieben.

Oberleiter, der laut Medienangaben einen österreichischen Pass hat, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel “Es gibt immer einen Weg”, in dem er seine Zeit als Untergrundkämpfer in Südtirol gegen die Italiener schilderte. Unter dem ehemaligen Präsidenten Oscar Luigi Scalfaro wurden 1998 vier ehemalige Südtirol-Aktivisten begnadigt: Heinrich Klier, Peter Matern, Wolfgang Pfaundler und Gerhard Pfeffer.

Rechtspartei gegen Begnadigung von Südtirol-Attentäter

Die italienische Rechtspartei “Brüder Italiens” (Fratelli d’Italia – FdI) hat an Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella appelliert, den ehemaligen Südtirol-Attentäter Heinrich Oberleiter nicht zu begnadigen. “Oberleiter hat nie Reue für die begangenen Taten gezeigt. Er hat öfters behauptet, stolz darauf zu sein”, erklärte der FdI-Parlamentarier, Luca De Carlo, am Dienstag in einer Aussendung.

“Aus Respekt gegenüber den Todesopfern fordern wir Präsident Mattarella auf, diesen schandhaften Antrag abzulehnen, wie es bereits sein Vorgänger Giorgio Napolitano getan hat”, so der Parlamentarier. Er rief den Staatschef auf, Druck auf die Regierung in Wien zur Auslieferung all jener ehemaligen Südtiroler Terroristen auszuüben, die sich für Verbrechen verantwortlich gemacht und in Österreich Zuflucht gefunden hatten.

Von: apa

Bezirk: Bozen