Einer der schwersten Anschläge der vergangenen Jahre

Kabul-Friedenskonferenz – Sieben Tote bei Anschlag in Herat

Dienstag, 06. Juni 2017 | 17:32 Uhr

Nur wenige Tage nach zwei schweren Bombenanschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Präsident Ashraf Ghani dort auf einer internationalen Friedenskonferenz zu einer Allianz gegen den Terror aufgerufen. Afghanistan stehe an der Frontlinie einer neuen terroristischen Bedrohung, die die Region und die Welt in Gefahr bringe, hieß es zum Ende der Konferenz. Afghanistan brauche die Hilfe aller.

Vertreter von mehr als 20 Ländern waren am Dienstag zusammengekommen, um zu diskutieren, wie man die radikalislamischen Taliban zu Friedensverhandlungen bewegen und wie die Region gemeinsam Terrorgruppen wie dem “Islamischen Staat” (IS) begegnen könnte.

Präsident Ghani stellte den Taliban ein Ultimatum. Sie sollten Friedensgesprächen zustimmen oder die Konsequenzen tragen. Das Angebot sei ihre letzte Chance. Die Taliban reagierten mit einer Botschaft, in der sie sagten, dass alle Gespräche über Frieden in Anwesenheit der “internationalen Besatzer” zu nichts führen würden. Sie würden sich ihren Feinden niemals ergeben.

Mit dem sogenannten Kabul-Prozess, der beim ersten Treffen wenig konkret blieb, will die Regierung die Debatten über Frieden und Sicherheit nach Kabul zurückholen. Zuletzt hatten mehrere andere Länder, darunter Russland, Afghanistan-Konferenzen abgehalten. Taliban sollen zu Treffen nach Russland, China und in den Iran gereist sein. Viele Länder in der Region machen sich Sorgen, dass die Gewalt in Afghanistan überschwappen könnte.

Die Sicherheitslage hat sich seit Abzug der meisten internationalen Truppen Ende 2014 drastisch verschlechtert. Der IS ist trotz massiver Luftangriffe nicht auszulöschen. Die Taliban kontrollieren heute rund 11 Prozent des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft.

Sicherheitsexperten befürchten, dass diese neuen rechtsfreien Räume im umkämpften Land auch Al-Kaida-Kämpfern sowie aus Syrien und dem Irak fliehenden IS-Kämpfern eine Zuflucht bieten könnten. Präsident Ghani warnte bei der Konferenz, dass die Zahl der ausländischen Kämpfer in Afghanistan in den vergangenen zwei Jahren von 200 auf 11.000 gestiegen sei. Auch deshalb diskutieren NATO-Partner, ob sie wieder mehr Truppen nach Afghanistan schicken sollen.

Die afghanische Regierung wirft dem mit den Taliban kooperierenden Haqqani-Netzwerk vor, zusammen mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI hinter dem schwersten Anschlag in Kabul seit Jahrzehnten zu stecken, bei dem vergangenen Mittwoch in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft eine riesige Lastwagenbombe explodiert war. Sowohl Pakistan als auch die Taliban, diese auch für die Haqqanis, weisen das zurück.

Regierungssprecher hatten zunächst von 90 Toten und 460 Verletzten des Anschlags im Diplomaten- und Regierungviertel gesprochen. Präsident Ghani korrigierte die Zahlen während der Konferenz dramatisch nach oben und sagte, es seien rund 150 Menschen getötet worden.

Nach Demonstrationen mit mehreren Toten und einem weiteren Anschlag von drei Selbstmordattentätern auf ein hochrangig besuchtes Begräbnis war die Gesamtzahl der Opfer zum Ende dieser blutigen Woche auf mindestens 175 Tote und 608 Verletzte gestiegen.

Bei einem Bombenanschlag vor einer Moschee in der westafghanischen Stadt Herat kamen am Dienstag mindestens 7 Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt. Die Taliban ließen auch diesmal verlauten, sie seien es nicht gewesen. Sie gaben aber zu, am Morgen eine Rakete in Richtung des NATO-Hauptquartiers abgeschossen zu haben.

Von: APA/ag.

Kommentare

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3 Kommentare auf "Kabul-Friedenskonferenz – Sieben Tote bei Anschlag in Herat"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
18 Tage 23 h

Keine ausländischen Streitkräfte können Afghanistan gegen den Willen der reichen Afghanen, die in Berlin, Zürich, Paris oder London wohnen, jemals befrieden. Ihre “Warlords” verwalten ihre Ländereien und sorgen für die bleibende Armut der Landbevölkerung. Die Taliban sorgen für die anhaltende Gläubigkeit und möglichst wenig Bildung. Die arme Bevölkerung wird nämlich gebraucht billig Mohn anzubauen und zu ernten, um mit dem Verkauf der Drogen im Westen den Reichtum der reichen Auslands-Afghanen zu mehren und die Ausgaben der Taliban zu bestreiten.

Alpenrepuplik
Alpenrepuplik
Universalgelehrter
18 Tage 22 h

Sie schaffen es nicht mal untereinander in Frieden zu leben, bekämpfen sich Gegenseitig, wie soll dann eine Integration hier gelingen?????

Eppendorf
Eppendorf
Tratscher
18 Tage 21 h

Da kämpfen Stämme gegeneinander und daran wird auch der Westen nichts ändern. Dass nach dem Abzug der westlichen Truppen die Kämpfe weiter gehen war klar.

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