Truppen von General Haftar auf dem Vormarsch in Libyen

Kämpfe in Libyen erreichen den Flughafen von Tripolis

Montag, 08. April 2019 | 20:50 Uhr

In Libyen hat der Kampf um die Hauptstadt Tripolis auch den einzig verbliebenen Flughafen der Stadt erreicht. Kampfjets bombardierten am Montag den militärischen Teil des Flughafens Mitiga, sagte ein Sprecher der libyschen Einheitsregierung. Der Flugbetrieb sei eingestellt und der Flughafen evakuiert worden. Flüge würden bis auf Weiteres ins 200 Kilometer entfernte Misrata umgeleitet.

Bilder in den sozialen Netzwerken zeigten Rauchsäulen über dem Rollfeld. Nach Angaben von Flughafenvertretern wurde eine Landebahn beschädigt, Menschen kamen nicht zu Schaden. Passagiere seien aber in Panik geraten, berichteten Augenzeugen. Der Flughafen Mitiga ist der einzig verbliebene funktionierende Airport von Tripolis.

Insgesamt sind bei den erneuten Kämpfen um die libysche Hauptstadt seit Donnerstag bereits mindestens 49 Menschen getötet worden. Das mit der internationalen Einheitsregierung verbundene Gesundheitsministerium erhöhte die Zahl der Opfer seit Beginn der Offensive auf 35. Wie viele Zivilisten unter den Opfern sind, teilte das Ministerium allerdings nicht mit. Ein Sprecher der Richtung Tripolis marschierenden Truppen von General Khalifa Haftar hatte am Wochenende zudem von 14 getöteten Soldaten in den eigenen Reihen gesprochen.

Seit Donnerstag rückt die sogenannte “Libysche Nationalarmee” (LNA) von General Haftar auf Tripolis vor. Haftar gilt als mächtigster Gegenspieler von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj. Dessen Regierung der nationalen Einheit in Tripolis wird international anerkannt. Das libysche Parlament hat seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2014 seinen Sitz im ostlibyschen Tobruk. Im Osten und Süden des Landes kontrolliert der mit dem Parlament verbundene General Haftar die größten Gebiete, darunter auch zahlreiche Ölförderanlagen. Er bezeichnet seinen Vormarsch als “Anti-Terror-Kampf”.

Mit Blick auf die Rolle Haftars sagte Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ), dass für diesen das Sprichwort “Totgesagte leben länger” gelte. Haftar verfüge über sehr unterschiedliche Finanzierungsquellen und habe die politische und militärische Unterstützung Ägyptens. Er habe eine hierarchisch funktionierende Streitkraft, was in Libyen sonst fehle. Dagegen habe die anerkannte Regierung militärische Schwierigkeiten, so Kneissl beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg. Ihrer Ansicht nach könnte die Offensive zu politischen Veränderungen führen. “Es ist vieles im Fluss”, sagte sie. Italien und Frankreich seien mit der Region aufseiten der EU stärker verbunden.

Die Vereinten Nationen warnten unterdessen vor einer weiteren Eskalation der Situation. Die Zahl der Menschen, die vor der neuerlichen Gewalt nahe der Hauptstadt Tripolis fliehen, stieg laut UNO auf 3.400. Zudem sei eine nicht genau bezifferbare Zahl von Menschen von der Gewalt in ihren Wohngegenden umzingelt, sagte UNO-Sprecher Stephane Dujarric am Montag in New York.

Augenzeugen berichteten von Hamsterkäufen in der Hauptstadt Tripolis. Die Menschen fürchteten dauerhafte Kämpfe und deckten sich vor allem mit Treibstoff und Lebensmitteln ein. Die Kampfgeräusche waren am Montag in der ganzen Stadt zu hören. Kampfflugzeuge flogen über der Stadt, Maschinengewehrfeuer war zu hören, ebenso wie die Einschläge von Granaten und Bomben.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach am Rande eines Außenministertreffens in Luxemburg von einer “zunehmend besorgniserregenden Situation”. Am wichtigsten sei es nun, die vollständige Umsetzung der humanitären Waffenruhe zu ermöglichen, um Zivilisten und Verwundete aus der Stadt zu bringen. Zudem müsse jede erneute militärische Konfrontation und Eskalation vermieden werden, um wieder zu politischen Verhandlungen zurückzukehren. Die Vereinten Nationen hatten zuvor angekündigt, an einer für Mitte April geplanten Versöhnungskonferenz festzuhalten.

“Die Europäische Union wird vereint auf die Parteien und die regionalen Akteure zugehen, um in diese Richtung Druck auszuüben”, sagte Mogherini. Es sei im Interesse aller Europäer, dass die derzeitige militärische Eskalation nicht in einen echten Bürgerkrieg münde. Mit den aktuellen Entwicklungen sei niemand glücklich, betonte die Italienerin.

Die Frage, ob die Situation in Libyen von Schlepperbanden ausgenutzt werden könnte, um wieder mehr Migranten auf gefährliche Bootsfahrten in Richtung Europa zu schicken, wollte Mogherini nicht beantworten. Um die Bedeutung Libyens als Transitland für Migranten sei es beim Außenministertreffen nicht gegangen, sagte sie. Die Libyer selbst verdienten Frieden, Stabilität und Sicherheit. In erster Linie deswegen beschäftige man sich mit dem Schicksal des Landes.

Die Hilfsorganisation äußerte indes Sorge über die Situation für die Zivilbevölkerung in Tripolis, aber auch für die in Libyen in den Internierungslagern “willkürlich festgehaltenen Migranten, Migrantinnen und Flüchtlinge”. Selbst in relativ ruhigen Zeiten würden sie unter “gefährlichsten Bedingungen” festgehalten, mit “schwerwiegenden Folgen für ihre körperliche und geistige Gesundheit. Durch die Kämpfe hat sich ihre Situation weiter verschlechtert. Auch der Zugang von humanitären Organisationen wurde dadurch stark eingeschränkt”, hieß es am Montag.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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16 Kommentare auf "Kämpfe in Libyen erreichen den Flughafen von Tripolis"


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Zugspitze947
Zugspitze947
Tratscher
14 Tage 7 h

Natürlich der Kriegstreiber Putin hat wieder Chancen in Afrika seine Waffen zu verkaufen usw 🙁

a sou
a sou
Superredner
14 Tage 5 h

Sag mal, ist die Luft auf der Zugspitze wirklich soo dünn??

Zugspitze947
Zugspitze947
Tratscher
14 Tage 2 h

Haha du verträgst wohl die Wahrhgeit nicht ? Natürlich will Putin nur Geschäfte machen und wieder UNFRIEDEN stiften 🙁 Er nimt ja keine Flüchtlinge auf ,wobei ja keine zu Ihm wollen,sie könnten ja als Kanonenfutter missbraucht werden 🙁

Rechner
Rechner
Superredner
13 Tage 23 h

@a sou er generiert die einzigen Binnenflüchtlinge in Europa indem er ein Nachbarland angegriffen hat.
Aber wenn man nur RT und Sputnik TV schaut kann man das schon mal übersehen.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
13 Tage 23 h

Zugspitze947
Und wohin liefern wir unsere Waffen?

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
13 Tage 23 h

@Zugspitze947
Das Waffengeschäft ist ein sehr lukratives Geschäft, zu dem man bei uns auch (leider) nicht NEIN sagt. Also stiften wir auch Unruhe.
Und warum sollte er Flüchtlinge aufnehmen? Reicht doch, wenn wir das tun (müssen).

Spamblocker
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Tratscher
14 Tage 8 h

die gewollte Destabilisierung des Landes und Ermordung des Libyschen Herrschers Gadafi kommt nun in die heikle Fase , Russland beherrscht mittlerweile immer mehr Gebiete im Nahen Osten zu RECHT!!!

typisch
typisch
Kinig
14 Tage 6 h

Das kann vorkommen, denn nato und usa setzen auf destabilisierung mit der sogenannten “demokratie” und russland auf stabilisierung mit einen machthaber der sein land unter kontrolle hat. Was nun besser ist, zeigt sich ja

Rechner
Rechner
Superredner
14 Tage 2 h

@spamblocker
Russland interessiert vor allem eines, sie wollen die Europäische Union spalten.
Aber jeder durchschaut das nicht wie man bei deinem Post sieht.
Wenn in Libyen wieder Chaos herrscht wird eine neue Fluchtbewegung nicht zu vermeiden sein. Die Russen werden es eher fördern als verhindern. Dann werden keine von der Eu bezahlen Boot mehr unterwegs sein die Flüchtlinge zurück an Land bringen.
Es würde ein neuer Kampf um die Aufteilung der Gestrandeten entstehen.
DAS sind die Interessen der Russen. Und nichts anderes.
Je zerstrittener die Eu um so leichter hat es Russland!!!
Aber du darfst den Schmarren vom guten Russen gerne glauben(-;

InFlames
InFlames
Grünschnabel
13 Tage 23 h

@ Spamblocker

Zu Recht??? Welches Recht???

Spamblocker
Spamblocker
Tratscher
13 Tage 21 h

@Rechner
der ganzen geschaffene Sauhaufen im Nahen Osten geht auf der Kappe der USA und der EU, Russland hat damit überhaupt nicht’s zu tun, lediglich als Putin märkte die Kriegsverbrecher kommen ihm gefährlich näher wurde er tätig, Super Putin

Rechner
Rechner
Superredner
13 Tage 19 h
@spamblocker Erstens: Geographie, Libyen ist im Maghreb und nicht im nahen Osten. Aber ich gebe dir recht Gadaffi zu stürzen war eine Schnapsidee. Aber wenn er den Putsch niedergeschlagen hätte und danach tausende gelyncht hätte wäre sicher auch nicht recht gewesen. Für deinen Freund Salvini ist besser wenn es in Libyen eine Regierung gibt auf die Italien Einfluss hat. Zweitens: Was im nahen Osten passiert geht in erster Linie auf eine nie endene Rivalität der Sunniten und der Schiiten zurück. Sie bekriegen sich seit dem Ende des Persischen Reichs im Jahre 700. Die Gründung eines zionistischen Staates hat die Region… Weiterlesen »
typisch
typisch
Kinig
13 Tage 19 h

@Rechner
Also hat in syrien auch russland den is gefördert mit waffen um eine fluchtbewegung nach europa auszulösen bzw hat russland auch in der ukraine die demos gefördert um sich danach die krim unter den nagel zu reißen? Interessante these. Natürlich hat er auch was mit den brexit zu tun und salvini und orban dank russischer hacker zum wahlsieg verholfen um europa zu spalten

Rechner
Rechner
Superredner
13 Tage 17 h
@typisch Die Fluchtbewegung hat schon eingesetzt vor der Is in Syrien überhaupt Fuß fassen konnte, wegen eines von Russland unterstützen Despoten Namens Assad. Und Russland hatte nie interesse an der Krim oder den Donbass, es wollte die ganze Ukraine. Politisch gesehen, als Vasallen. Was glaubst du denn wer Janukowytsch ins Amt gebracht hat? Dass er den Donbass und die Krim besetzt hat war eine Reaktion auf die gescheiterte Übernahme. Aber du kannst ja mal eine Runde RT oder Sputnik Tv schauen die werden dir was anderes sagen. Hast du dir nie Gedanken darüber gemacht warum es mehrer Deutsche Nachrichtenformate gibt… Weiterlesen »
a sou
a sou
Superredner
14 Tage 5 h

Diese beiden Sätze hier, sollten eigentlich jedem begreifbar machen was Abgeht…

…”Moskau pochte nach Diplomatenangaben vom Sonntag darauf, dass ALLE Konfliktparteien zu einem Ende der Kämpfe aufgerufen werden. Die USA lehnten eine solche Änderung am Text aber ab.”

“…das seit dem mit westlicher Hilfe erreichten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 von Krisen erschüttert wird.”

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
13 Tage 21 h

Anscheinend stellt sich auch Frankreich quer, da Frankreich (Mineralölunternehmen Total) Italien (Mineralöl- und Energiekonzern Eni) aus dem Land raushaben wollen. Die Italiener haben dort enorme Investements, nicht zuletzt die Pipeline die in der Gegend um Tripolis Richtung Sizilien geht. Total verspricht sich anscheinend ein grosses Stück vom Kuchen, wenn General Chalifa Haftar gewinnt.

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