Fast eine Million Impfstoff-Dosen werden zur Verfügung gestellt

Kampagne soll Cholera-Ausbruch in Rohingya-Lagern verhindern

Freitag, 29. September 2017 | 17:05 Uhr

Mit fast einer Million Dosen eines Impfstoffes soll ein Cholera-Ausbruch unter den Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch verhindert werden. Auf Wunsch der Regierung sei eine Lieferung von 900.000 Dosen durch eine Gruppe internationaler Hilfsorganisationen am Freitag beschlossen worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

Nach dem Kentern eines Bootes mit Rohingya-Flüchtlingen vor der Küste des Landes stieg inzwischen die Zahl der Opfer deutlich – 63 Todesfälle werden befürchtet. Bei dem Unglück vom Donnerstag im Golf von Bengalen seien mindestens 23 Menschen umgekommen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Freitag mit. 40 weitere seien vermisst und wahrscheinlich ebenfalls tot. Die örtliche Polizei hatte am Vortag von mindestens 19 Toten gesprochen, darunter neun Kinder. Das Unglück ereignete sich am Donnerstagabend bei starkem Regen und schwerer See.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) erklärte, vermutlich seien etwa 130 Menschen an Bord gewesen. Nach Angaben der IOM überlebten 17 Menschen. Insgesamt hätten sich 50 Kinder ohne Lebensmittel auf dem Boot befunden, das zwei Tage lang unterwegs gewesen und bei starkem Regen gekentert sei. “Überlebende haben berichtet, dass sie die ganze Nacht ohne Nahrung auf dem Meer verbracht haben”, erklärte IOM-Sprecher Joel Millman. Beim Versuch, den Grenzfluss Naf aus Myanmar nach Bangladesch zu überqueren, waren in den vergangenen Wochen bereits Dutzende Rohingya ertrunken.

Rund 518.000 Menschen sind laut IOM in gut einem Monat vor der Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya aus Myanmar in das überwiegend muslimische Nachbarland geflohen. Am 25. August hatten Rohingya-Milizen Polizei- und Militärposten angegriffen. Die Sicherheitskräfte gingen anschließend mit großer Härte gegen viele Rohingya-Dörfer im Bundesstaat Rakhine vor. Sie sollen Feuer gelegt und fliehende Menschen erschossen haben. Die Rohingya sind staatenlos, seit ihnen im mehrheitlich buddhistischen früheren Birma die damals herrschende Militärjunta die Staatsbürgerschaft entzog.

In Bangladesch, wo bereits vor der jüngsten Gewaltwelle rund 400.000 Rohingya-Flüchtlinge lebten, hat die Krise nach Einschätzung der IOM einen “kritischen humanitären Notfall” ausgelöst. Der schlechte Zugang zu Trinkwasser und Sanitäranlagen erhöhe die Gefahr von Krankheiten. Auch die Hilfsorganisation Save the Children warnte vor einem katastrophalen Ausbruch gefährlicher Infektionskrankheiten wie Cholera. Die Umstände machten die Flüchtlingsregion zu einer “perfekten Brutstätte für eine schwere Gesundheitskrise”, hieß es.

Darum will die Internationale Impfstoff-Koordinationsgruppe (ICG) im Oktober eine Impfkampagne starten. Die 900.000 Dosen eines oralen Cholera-Impfstoffes kämen aus den eigenen Vorräten und würden in den kommenden zwei Wochen nach Bangladesch geschickt, hieß es. Darum habe die Regierung des südasiatischen Landes die Gruppe am Donnerstag gebeten. Der ICG gehören die WHO, das UN-Kinderhilfswerk Unicef, Ärzte ohne Grenzen und die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung an.

Mitglieder der muslimischen Minderheit der Rohingya fliehen gegenwärtig zu Hunderttausenden aus Myanmar. Die Vereinten Nationen und mehrere Staaten werfen dem Militär des überwiegend buddhistischen Landes “ethnische Säuberung” vor. Die Regierung weist dies zurück.

Von: APA/ag.

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1 Kommentar auf "Kampagne soll Cholera-Ausbruch in Rohingya-Lagern verhindern"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
23 Tage 21 h

 “massiv diskriminiert und seit Jahren gewaltsam verfolgt und vertrieben”
…und von Islamisten finanziert, bewaffnet und ausgerüstet werden.
(reuters-us-myanmar-rohingya/myanmars-rohingya-insurgency-has-links-to-saudi-pakistan-report)

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