Emmanuel Macron mit Aachener Karlspreis ausgezeichnet

Karlspreis an Frankreichs Präsidenten Macron verliehen

Donnerstag, 10. Mai 2018 | 17:04 Uhr

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat für seine Vision von einem neuen Europa den Internationalen Karlspreis zu Aachen erhalten. Der Preis würdigt auch Macrons “leidenschaftlichen” Kampf gegen Nationalismus und Isolationismus. Macron sei der derzeit größte Impulsgeber des heutigen Europas, sagte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) am Donnerstag bei der Preisverleihung.

Die Auszeichnung solle Ermutigung sein, weiterhin als starke Stimme für ein neues Europa zu streiten. Nötig sei die Bereitschaft zum ehrlichen Austausch und das Bekenntnis, gemeinsam mehr erreichen zu können. Die bisherigen Reaktionen auf das Reformkonzept Macrons für Europa seien aber enttäuschend, so Philipp. Die Rede Macrons mit den Reformvorschlägen werde nicht in der Gesamtheit, sondern wie beim Eurozonen-Budget nur in Bruchstücken diskutiert, und zwar “medial zerstückelt und dadurch geradezu vernichtet”.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel würdigte Macrons Begeisterung, Einsatz und Courage. “Du sprühst vor Ideen und hast die europapolitische Debatte mit neuen Vorschlägen neu belebt”, sagte Merkel in ihrer Laudatio. Die Auszeichnung solle nicht nur Bestätigung für den richtigen Weg sein, sondern auch Bestärkung und Ansporn, den Weg zuversichtlich weiterzugehen. “Ich freue mich, auf diesem Weg mit Dir gemeinsam arbeiten zu können”, sagte Merkel.

Macron rief die Europäer zu Stärke und Einigkeit auf. “Seien wir nicht schwach”, sagte der 40-Jährige am Donnerstag. Europa müsse eine eigene Souveränität aufbauen und dürfe seinen Kurs nicht von anderen Mächten bestimmen lassen. Mit Blick auf die Reaktion großer europäischer Länder auf den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit den Iran sagte Macron: “Wir haben uns entschieden, Frieden und Stabilität im Nahen und Mittleren Osten zu schaffen.”

Macron und Merkel pochten zudem auf rasche Integrationsschritte in der EU. Beide Politiker betonten in Aachen, dass dies notwendig sei, damit Europa seine Souveränität schützen können. Merkel forderte in diesem Zusammenhang eine gemeinsame Außenpolitik an, die existenziell sei. “Es ist nicht mehr so, dass die Vereinigten Staaten von Amerika uns einfach schützen werden”, warnte sie. Macron wiederum forderte von Deutschland, bei den anstehenden EU-Reformen “über seinen Schatten” zu springen und wiederholte seine Forderung nach einem eigenen Eurozonen-Budget.

Merkel sagte erneut gemeinsame deutsch-französische Vorschläge bis Juni zu. Man werde die Bankenunion weiterentwickeln und die Eurozone festigen, sagte sei. Sowohl die Kanzlerin als auch der Präsident vermieden es aber, ins Detail zu gehen. Beide Regierungen wollen erst auf einem bilateralen Ministerrat am 18. Juni ihre gemeinsamen Positionen für den EU-Gipfel Ende Juni festlegen. Derzeit gibt es Differenzen vor allem bei der Reform der Eurozone, aber auch in der Verteidigungspolitik. Merkel sprach von schwierigen Diskussionen, die mit den kulturellen Unterschieden beider Länder zusammenhingen.

Macron beschränkte sich in seiner Rede vor allem auf allgemeine Appelle und formulierte vier Vorgaben für die Europäer. Diese dürften sich nicht spalten lassen, nicht schwach sein, keine Angst haben und müssten schnell handeln. Man müsse Ziele für die nächsten 30 Jahre formulieren.

Beide Politiker betonten zudem die Bedeutung der Digitalisierung. Während Macron kritisierte, dass große IT-Unternehmen in der EU kaum Steuern zahlten, verwies Merkel auf die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz. Es könne zudem nicht sein, dass Europas Autobauer digitale Zulieferungen aus den USA und Batterien aus Asien bräuchten. “Das kann nicht unser Anspruch sein”, sagte sie

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Er geht auf eine Initiative Aachener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung zurück. Traditionell wird die Auszeichnung zu Christi Himmelfahrt übergeben. Sie ist nach Karl dem Großen (747 o. 748-814) benannt, der Aachen zum Zentrum seines fränkischen Imperiums machte. Sein Reich erstreckte sich über einen Großteil Westeuropas. Der Frankenherrscher führte einheitliche Gesetze und Währung ein und wird oft als Vordenker des geeinten Europas verstanden. Der Preisträger 2017 war der britische Historiker Timothy Garton Ash. Zu den bisherigen Karlspreisträgern gehören auch Winston Churchill, Jean Monnet, Konrad Adenauer, Francois Mitterrand, Helmut Kohl, Vaclav Havel, Papst Johannes Paul II., König Juan Carlos I. von Spanien, Jacques Delors, Bill Clinton und Angela Merkel. Macron ist der 60. Preisträger.

Von: APA/dpa