"Hätten mehr Geduld zeigen sollen"

Durnwalder kritisiert Separatisten in Barcelona

Montag, 30. Oktober 2017 | 13:05 Uhr

Den katalanischen Separatisten bleibt nicht nur die Unterstützung anderer EU-Staaten versagt, auch Vertreter europäischer Minderheiten gehen auf Distanz zu ihnen. Die Katalanen hätten “den Stab total gebrochen”, kritisierte der Südtiroler Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien den Konfrontationskurs Barcelonas gegenüber Madrid.

Auch der Vorsitzende der “Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen” (FUEV), Lorant Vincze, distanzierte sich von den katalanischen Separatisten. Deren Bestrebungen seien “nicht sehr hilfreich” für die aktuellen Bemühungen der europäischen Volksgruppen, mehr Rechte auf EU-Ebene zu erlangen. Schließlich ließen Bestrebungen in Richtung Unabhängigkeit bei den EU-Regierungen “die roten Lichter angehen”, beklagte der Vertreter der ungarischen Volksgruppe in Rumänien.

“Wir möchten eine gute Lösung innerhalb unserer Staaten finden”, sagte Vincze. Er wies auch darauf hin, dass die Katalanen im Gegensatz zu anderen Volksgruppen gar nicht Mitglied im Dachverband FUEV seien, “weil sie sich nicht als Minderheit, sondern als Nation ansehen”.

Durnwalder betonte, dass er die Bestrebungen der Katalanen für mehr Autonomie “zu 100 Prozent” unterstütze. Man müsse aber schauen, wie weit man etwas verlangen könne, “wenn es das Recht nicht unbedingt zulässt”, und ob man das mit Gewalt anstreben solle: “Ich glaube nicht.” Es wäre besser gewesen, auf Verhandlungen und Geduld zu setzen. “Wir haben auch 50 Jahre gebraucht, bis wir zu dem gekommen sind, was wir heute haben”, sagte er unter Verweis auf die jahrzehntelangen Bemühungen um die Autonomie in Südtirol.

“Wir können sagen, dass wir eine ziemlich gute Autonomie haben, und die Katalanen hätten das auch vielleicht erreichen können, wenn sie nicht den Stab da total gebrochen hätten”, sagte Durnwalder. Anders als Südtirol, dessen Autonomie auf einem internationalen Abkommen beruhe, sei Katalonien zudem “isoliert”.

Durnwalder warb zugleich für den Aufbau eines “föderalistischen Europas der Regionen” innerhalb der Europäischen Union. Er sei überzeugt, dass sich dann nämlich “viele Probleme von selbst lösen würden”. Die Regionen müssten aber nicht in der gleichen Größe bestehen bleiben, sondern die Bevölkerung sollte selbst über ihre künftigen Grenzen entscheiden, fügte er hinzu.

Von: apa

Bezirk: Bozen