Seit rund 18 Monaten herrscht im Jemen Bürgerkrieg

Katastrophale Lage im Jemen: Schon 10.000 Bürgerkriegs-Tote

Dienstag, 30. August 2016 | 15:59 Uhr

In dem seit eineinhalb Jahren tobenden Bürgerkrieg im Jemen sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) bereits mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Die neuen Schätzung basieren auf offiziellen Statistiken von Krankenhäusern und anderen medizinischer Einrichtungen, teilte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jamie McGoldrick, am Dienstag mit.

Bisher hatten Helfer und Behördenvertreter die Zahl der seit Ausbruch der Gewalt getöteten Menschen mit rund 6.000 angegeben. Der UNO-Koordinator teilte bei seiner Erklärung in Sanaa mit, dass bis zum heutigen Zeitpunkt 200.000 Menschen vor dem Bürgerkrieg ins Ausland fliehen mussten.

Drei Millionen Menschen seien aus ihren Häusern und Städten vertrieben worden, 900.000 Vertriebene wollten wieder in ihre Häuser zurückkehren. Rund 14 Millionen der insgesamt 26 Millionen Einwohner seien auf Lebensmittelhilfe angewiesen, so McGoldrick. Der UNO-Beauftragte machte keine Angaben dazu, wie sich die Opferzahlen zwischen Zivilisten und Armee- oder Milizangehörigen verteilen.

Am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag auf Rekruten der Armee in der jemenitischen Hafenstadt Aden mindestens 71 Menschen getötet worden, 98 Menschen wurden verletzt. Der Attentäter sprengte sich in einem Auto an einer großen Militärschule in die Luft. Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Anschlag.

Der Angreifer war Montagfrüh mit seinem sprengstoffbeladenen Fahrzeug in das abgeriegelte Militärgelände gelangt, gaben Sicherheitskräfte an. Auf dem Gelände werden Soldaten für den Kampf gegen die schiitische Houthi-Miliz und gegen sunnitische Jihadisten ausgebildet. Der Selbstmordanschlag wird von der IS-Miliz für sich beansprucht. Ziel sei explizit eine Gruppe von Rekruten gewesen, die sich gerade für den Militärdienst registrieren lassen wollten.

Ärzte ohne Grenzen (Medecins sans frontieres/MSF) war unter den ersten, die von dem Anschlag berichtete. Hassan Boucenine, Missionschef der Hilfsorganisation im Jemen, befand sich an Ort und Stelle in einem MSF-Spital. Im APA-Gespräch am Montag äußert er sich zur Lage im Jemen: “Kaum jemand hat Zugang zu einer ausreichenden gesundheitlichen Versorgung. Es ist wirklich eine Katastrophe. Die Menschen sterben durch die Kämpfe, das ist klar. Aber sie sterben auch indirekt infolge des Krieges, weil Krankenhäuser zusperren müssen oder nicht mehr arbeiten können wie zuvor.”

Nachdem MSF sich aus einigen Gebieten im Jemen zurückziehen musste, gebe es nach dem neuerlichen Anschlag keine Pläne, weitere Mitarbeiter abzuziehen. “Es sind noch immer viele Ärzte von Ärzte ohne Grenzen im Jemen, auch im Norden. Nur einige von uns sind gegangen. Unsere Krankenhäuser waren viele Male Ziele von Anschlägen und so wurde eine Evakuierung nötig”, so Boucenine.

Da sich die eigentliche Hauptstadt Sanaa in der Hand der schiitischen Houthi-Rebellen befindet, wurde Aden von der Regierung des Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi zur provisorischen Hauptstadt des Jemen erklärt. Seit nunmehr 18 Monaten herrscht im Jemen Bürgerkrieg, Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien waren Anfang August gescheitert.

Houthi-Rebellen aus dem Norden des Landes haben große Teile des Jemen überrannt. Ein sunnitisches Militärbündnis unter der Führung Saudi-Arabiens unterstützt die Regierungstruppen mit Luftangriffen und bombardiert seit März vergangenen Jahres die Aufständischen. Jene massiven Unruhen nutzte der IS für sich.

Von: apa

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