Kern fordert Bundeskanzler Kurz zum Eingreifen auf

Kern kritisiert “Unterwanderung” durch Burschenschaften

Freitag, 23. Februar 2018 | 21:00 Uhr

SPÖ-Chef Christian Kern fordert Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf, die “Unterwanderung” der Republik durch Burschenschaften zu beenden. Bei einer Pressekonferenz am Freitag kritisierte Kern den “schleichenden Umbau des Staates” durch die FPÖ-nahen Verbindungen. Die FPÖ verortete die Aussagen Kerns als “absurde Verschwörungstheorien”.

“Wir erleben gerade eine Unterwanderung unserer staatlichen Strukturen durch einen Geheimbund, durch die Burschenschaften”, kritisierte Kern die Postenbesetzungen der FPÖ in staatsnahen Unternehmen, Bürokratie und Minister-Kabinetten. Das alles gehe mit Angriffen auf die Medienfreiheit einher. Dabei sei die Vorgehensweise der FPÖ nicht einmal überraschend. Aber Bundeskanzler Kurz sei offensichtlich nicht willens und in der Lage, das zu beenden, kritisierte Kern seinen Nachfolger im Kanzleramt.

Scharfe Kritik übte der SPÖ-Chef auch am Plan der Regierung, ihr Überwachungspaket und die Aufhebung des Rauchverbots in der Gastronomie ohne Begutachtung zu beschließen. Die Regierung versuche, diese Gesetze “bei Nacht und Nebel durchzuziehen”, kritisierte Kern: “Eine Bundesregierung, die ganz offensichtlich Angst vor den Bürgern aber auch Angst vor dem Parlament hat.”

Dabei lehnt Kern neue Überwachungsmaßnahmen nicht rundweg ab. Er begrüßt etwa die geplante Registrierung von Wertkartenhandys und hält auch die Überwachung von Messenger-Diensten für nötig. Allerdings dürfe es kein “Durchziehen um jeden Preis” gegen die vielen kritischen Expertenstimmen geben. Kern verwies diesbezüglich etwa auf Kritik der Rechtsanwaltskammer.

Beim kommenden Budget befürchtet Kern “Sozialabbau”, weil FPÖ-Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs im Budgetausschuss eine Senkung der Gewinnsteuer für Unternehmen (Körperschaftssteuer/KöSt) in Richtung 20 Prozent angekündigt hat. Und das, obwohl das neue “Erwachsenenschutzgesetz” aus Budgetmangel wieder abgesagt werden solle. Kern: “Es ist schändlich, über fünf Millionen für Behinderte zu diskutieren, während man gleichzeitig 1,5 Mrd. Steuersenkung für die Großunternehmen in Österreich vorbereitet.”

Der FPÖ warf Kern vor, reihenweise Wahlversprechen zu brechen. Gegen die Liste der blauen “Umfaller” sei Leo Tolstoys “Krieg und Frieden” eine schmale Lektüre. Die Behauptung von Vizekanzler Heinz-Christian Strache, drei Viertel der freiheitlichen Wahlversprechen umgesetzt zu haben, ist für Kern unverständlich. Denn die Regierung habe nach 70 Tagen im Amt gerade einmal ein einziges Gesetz zum Beschluss im Parlament klar gemacht, nämlich die Studienplatzfinanzierung: “Jedenfalls lässt der Arbeitseifer dieser Bundesregierung jenseits von Pressestatements sehr zu wünschen über.”

Die FPÖ ortet in der Aussage von SPÖ-Chef Christian Kern über die “Unterwanderung” der Republik durch Burschenschaften “absurde Verschwörungstheorien”. Grundsätzlich solle sich Kern “mit seinen Kontakten zu dubiosen internationalen Milliardärs-Netzwerken” nicht zu weit aus dem Fenster lehnen”, spielte der geschäftsführende FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus am Freitag den Ball zurück.

Die steirischen Burschenschaften setzen sich unterdessen gegen den Vorwurf von SPÖ-Chef Kern zur Wehr, wonach FPÖ-nahe Burschenschaften die Republik unterwandern würden. “Das ist eine Verschwörungstheorie. Wir sind nicht nur Angehörige von Vereinen, die seit mehr als 150 Jahren bestehen; wir sind vor allem Steuerzahler und aufrechte Bürger dieser Republik”, heißt es in einer Stellungnahme.

“Wir sind als Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte, Notare, Studenten und Unternehmer ein Teil der Gesellschaft. Wir lehnen daher den Versuch von Herrn Kern, diese Gesellschaft durch seine Aussagen zu spalten, entschieden ab. Wir respektieren unsere Mitbürger und wir fordern daher auch für uns Respekt, Achtung und Toleranz. Wir leisten unseren Beitrag zum Wohl unserer Heimat Österreich und erwarten uns daher gerade von Politikern Mäßigung und Anstand.” Die Pauschalverurteilung weise man deshalb zurück. “Tatsache ist, dass die überwiegende Anzahl der Mitglieder von Burschenschaften nicht politisch, schon gar nicht parteipolitisch aktiv sind.”

Von: apa