Vor dem Hotel kam es zu leisem Protest

Kerry vorsichtig optimistisch über neue Syrien-Waffenruhe

Samstag, 15. Oktober 2016 | 21:53 Uhr

Obwohl die Syrien-Gespräche im Schweizer Lausanne am Samstag ohne konkrete Ergebnisse beendet worden sind, hat sich US-Außenminister John Kerry vorsichtig optimistisch über eine mögliche neue Waffenruhe im Bürgerkriegsland gezeigt. Es habe in einigen Punkten einen guten Konsens gegeben, der zu einer neuerlichen Feuerpause führen könnte, erklärte Kerry.

Die Teilnehmer des Treffens würden am Montag erneut “Kontakt” aufnehmen, um weitere Schritte zu besprechen, fügte der US-Außenminister hinzu. Wie bereits sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow präzisierte Kerry jedoch nicht, ob dieser “Kontakt” ein neuerliches Treffen oder aber telefonische Beratungen sein werden.

Bei dem Treffen seien zahlreiche “interessante Ideen” diskutiert worden, sagte der russische Außenminister. Zudem solle soll bald als möglich ein politischer Prozess zur Beilegung des syrischen Bürgerkrieges begonnen werden, erklärte er, ohne weitere Details zu nennen.

Kerry erklärte kurze Zeit später, es habe sich um “ein sehr offenes Brainstorming” gehandelt. Dabei habe es “neue Ideen” gegeben, aber auch “schwierige Momente voller Spannungen”. Auch er sprach von Konsens “vieler Staaten bei Schlüsselfragen”, vor allem darin, dass der Konflikt beendet werden solle. Man wolle nun möglichst schnell die noch verbleibenden “Lücken füllen”, was zu einer “Roadmap für politische Gespräche” führten könnte.

Zahlreiche andere Teilnehmer verließen den Tagungsort ohne sich gegenüber den wartenden Journalisten zu äußern. Bereits im Vorfeld waren kaum Erwartungen in das Treffen gesetzt worden. Vor dem Hintergrund der russischen Bombardements auf Aleppo, die in den vergangenen Tagen Hunderte zivile Opfer gefordert hatten, war es bereits als Fortschritt gewertet worden, dass sich die Außenminister der USA und Russlands vor Beginn der Gespräche in größerer Runde, überhaupt bilateral trafen.

In den Gesprächen hätten auch Chancen für eine zumindest zeitweilige Feuerpause zur Versorgung notleidender Zivilisten in Aleppo ausgelotet werden sollen, hier gab es aber offenbar keine Fortschritte. Mehrere westliche Staaten haben Moskau wegen der massiven Luftangriffe auf Wohngebiete und Krankenhäuser “Kriegsverbrechen” vorgeworfen.

Am Sonntag berät Kerry in London mit europäischen Außenministern über die Lage in Syrien. Gastgeber ist sein britischer Kollege Boris Johnson, auch Frankreichs Außenamtschef Jean-Marc Ayrault ist dabei, geladen sind auch Vertreter aus Italien und Deutschland. Nach dem Treffen am Nachmittag wollen Kerry und Johnson eine Erklärung abgeben (ca. 18.45 Uhr MESZ).

Kerry und Lawrow hatten Mitte September eine landesweite Feuerpause zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgehandelt, doch war diese nach nur wenigen Tagen wieder zerbrochen. Am 22. September starteten die syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine neue Offensive in Aleppo, um die seit Jahren geteilte Großstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen.

An den Beratungen in einem Hotel am Genfer See nahmen neben Lawrow und Kerry auch die Spitzendiplomaten Katars, der Türkei, Saudi-Arabien, des Irans, Ägyptens, des Iraks sowie Jordaniens teil. Die USA, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar unterstützen Rebellengruppen in Syrien, der Iran sowie Russland gelten hingegen als wichtigste Stützen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad.

Von: APA/dpa

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