Khamenei meldete sich zu Wort

Khamenei spricht von ausländischer Verschwörung im Iran

Dienstag, 02. Januar 2018 | 22:52 Uhr

Der oberste iranische Führer, Ayatollah Ali Khamenei, hat ausländische Kräfte beschuldigt, für die Eskalation der Proteste im Iran verantwortlich zu sein. “Die Feinde des Iran haben in den letzten Tagen den Unruhestiftern Geld und Waffen sowie politische Unterstützung zur Verfügung gestellt, um dem Iran zu schaden”, sagte Khamenei am Dienstag in einer ersten Reaktion auf die Proteste.

Allein in der Hauptstadt Teheran wurden laut iranischer Nachrichtenagentur Ilna in den vergangenen drei Tagen 450 Demonstranten festgenommen. Landesweit sollen es mehr als 1.000 sein. Seit Donnerstag wurden mindestens 21 Menschen getötet.

Die USA erneuerten am Dienstag ihre Kritik an der Führung des Iran. Die internationale Gemeinschaft könne nicht still zusehen, wenn Demonstranten mit Gewalt begegnet werde, sagte die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Sarah Sanders. Bei den Protesten handle es sich um einen “organischen Volksaufstand, organisiert von tapferen iranischen Bürgern”. Sanders vermied eine klare Antwort auf die Nachfrage, ob das Weiße Haus einen Regimewechsel in Teheran anstrebe. Der Iran müsse aufhören, ein staatlicher Unterstützer von Terrorismus zu sein.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani bezeichnete sein Land in einem Telefongespräch mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron als frei und demokratisch. Allerdings werde seine Regierung Krawalle und gewaltsame Ausschreitungen nicht dulden und dagegen vorgehen, sagte Rouhani nach Angaben des Präsidialamtes in Teheran in dem Telefonat am Dienstagabend. Macron rief Rouhani im Hinblick auf die Demonstrationen zur Zurückhaltung auf. “Die Grundfreiheiten, insbesondere die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit, müssen respektiert werden”, teilte der Elyseepalast nach dem Telefonat mit.

Im Iran finden seit Tagen Demonstrationen gegen die Führung des Landes und den islamischen Klerus statt. Obwohl die iranischen Behörden behaupten, dass es zuletzt landesweit weniger regimekritische Proteste gegeben habe, berichteten soziale Netzwerke am Dienstagabend von erneuten Unruhen. In der Hauptstadt Teheran und anderen Städten gingen demnach erneut Menschen auf die Straßen um gegen das islamische System zu protestieren. Berichte und Videos auf den sozialen Netzwerken sind aber unabhängig nicht zu verifizieren.

Die Proteste hatten am vergangenen Donnerstag in Mashad im Nordosten des Landes begonnen. Sie hatten sich zunächst gegen die Wirtschafts- und Außenpolitik der Regierung gerichtet, wurden aber zunehmend systemkritisch. Anders als Ayatollah Khamenei hatte Präsident Rouhani am Montag bei einer Krisensitzung im Parlament gesagt, es wäre ein Fehler, die Proteste nur als ausländische Verschwörung einzustufen. “Die Probleme der Menschen sind auch nicht nur wirtschaftlicher Natur, sie fordern auch mehr Freiheiten.” Er kritisierte damit indirekt die Hardliner im Klerus, die seine Reformen blockieren.

Der iranische Generalstaatsanwalt Mohamed Jafar Montaseri warnte Demonstranten am Dienstag scharf. “Es ist Schluss mit lustig”, sagte Montaseri nach Medienangaben. Justiz und Polizei würden konsequent gegen “Krawallmacher” vorgehen. Der Geheimdienst erklärte, einige Unruhestifter seien verhaftet und weitere identifiziert worden. Weitere seien “im Visier” der Ermittler.

Die USA und Israel sprachen sich angesichts der Proteste für einen Führungswechsel in Teheran aus. Präsident Donald Trump twitterte, die Menschen im Iran würden nicht länger hinnehmen, “wie ihr Geld und ihr Wohlstand zugunsten von Terrorismus gestohlen und vergeudet wird”. Am Neujahrstag legte er nach und schrieb, das “große iranische Volk” sei über Jahre unterdrückt worden. Seinen Tweet beendete er in Großbuchstaben mit den Worten: “ZEIT FÜR EINEN WECHSEL!”

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. “Die UN müssen ihre Meinung sagen”, erklärte sie am Dienstag in New York. Sowohl im Sicherheitsrat als auch im UN-Menschenrechtsrat in Genf müssten die Festnahmen und Toten im Zusammenhang mit den Protesten thematisiert werden. Haley konterte Behauptungen der iranischen Führung, ausländische Kräfte würden die Demonstranten steuern. “Die Demonstrationen sind komplett spontan. Sie finden in nahezu jeder Stadt im Iran statt”, sagte Haley. Es sei ein Bild eines “lang unterdrückten Volkes, das sich gegen seine Diktatoren aufbäumt”.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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8 Kommentare auf "Khamenei spricht von ausländischer Verschwörung im Iran"


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Tabernakel
14 Tage 40 Min

Trump twittert und “zufällig” brechen dort Unruhen aus. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

WM
WM
Universalgelehrter
13 Tage 9 h

Loss es besser wenn von politik nichts verstehst !!!! Dei hoben nix zu fressen deswegen des chaos dei interessiert nur das sie was aufn teller haben net was der trump sagt oder schreibt

zombie1969
zombie1969
Superredner
14 Tage 6 h
Das System mit allen Profiteuren des geistlichen Regimes unter A. Chamenei steht jetzt zur Disposition. Das System wird sich mit allen Kräften dagegen wehren.  Auf der anderen Seite steht das jugendliche “Volk” mit vielen gut ausgebildeten Köpfen, die sich nicht mehr mit einigen Weisheiten aus dem Reich der religiösen Fürsten abspeisen lassen werden.  Jeder halbwegs aufgeklärte Mensch im Iran weiss, dass das mit den Mullahs auf keinen Fall mehr weiter geht, weil deren Vorstellungen von einem modernen Leben und der Teilhabe an internationaler Wirtschaft nur dann funktioniert, wenn die Mullahs dahin verschwinden wo sie hin gehören: in die Moscheen. Es… Weiterlesen »
enkedu
enkedu
Kinig
14 Tage 15 h

dann bin ich mal gespannt wieweit sich Schiiten öffnen können und ihren Machverlust zulassen.

typisch
typisch
Superredner
13 Tage 11 h

so führt man heutzutage krieg, wenn man ein land nicht einnehmen kann muss man es zerklüften mit unruhen aufständen, putschversuchen. natürlich finznziert und gesteuert vom ausland.

Kropfli
Kropfli
Grünschnabel
13 Tage 10 h

Siehe da: Gewalt bei Protesten im Iran ist übel und muss sanktioniert werden. In Katalanien war es nicht der Rede wert…da gibt es für USA auch nichts zu holen…

Morpheus
Morpheus
Neuling
13 Tage 11 h

Einmischung von außen? kann ich mir nicht vorstelln, dass die westlichen Länder ein interesse am Sturz des Regims im Iran hätten. Da gibs ja nix außer Öl.

silas1100101
silas1100101
Superredner
13 Tage 10 h

Wo er recht hat hat er recht!!

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