Die Leiche wurde laut Staatsanwaltschaft zerstückelt

Khashoggi wurde laut Justiz in Konsulat erwürgt

Mittwoch, 31. Oktober 2018 | 23:24 Uhr

Die Türkei hat am Mittwoch neue Ermittlungsergebnisse zum Tod des Journalisten Jamal Khashoggi veröffentlicht und Saudi-Arabien mangelnde Kooperationsbereitschaft vorgeworfen. Laut einer Erklärung der Istanbuler Staatsanwaltschaft wurde der 59-jährige Regierungskritiker kurz nach Betreten des Konsulats seines Landes erwürgt und seine Leiche dann zerstückelt.

Khashoggi sei “gemäß eines zuvor gemachten Plans erwürgt worden, gleich nachdem er das Konsulat betreten hatte”, teilte die Istanbuler Staatsanwaltschaft nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit.

Der Leichnam Khashoggis sei zunächst “in Stücke zerteilt” und dann “vernichtet” worden. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft erklärte laut Anadolu weiter, dass das Treffen mit dem saudi-arabischen Generalstaatsanwalt “keine klaren Ergebnisse” gebracht habe. Er und sein Team seien nach Saudi-Arabien eingeladen worden.

Ein türkischer Regierungsvertreter warf dem Königreich vor, bei den Ermittlungen nicht zu kooperieren. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft erklärte nach einem dreitägigen Besuch des saudi-arabischen Generalstaatsanwalts Saud bin Abdullah Al-Mojeb Khashoggi sei laut den bisherigen Ermittlungen “gemäß einem vorgefassten Plan unmittelbar nach Betreten des Konsulats erwürgt” worden. “Die Leiche des Opfers wurde gemäß dem vorgefassten Plan nach seinem Tod durch Ersticken zerstückelt und beseitigt”, hieß es.

Türkische Medien berichten bereits seit Wochen, dass Khashoggi erwürgt und zerstückelt worden sei, doch gab es dafür bisher keine offizielle Bestätigung. Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach zwar vergangene Woche von einem “politischen Mord”, der Tage im Voraus von einem aus Saudi-Arabien angereisten Kommando geplant worden sei. Doch äußerte er sich nicht zu den Todesumständen und dem Umgang mit der Leiche.

Nach wochenlangen Dementis gestand Saudi-Arabien unter internationalem Druck den Tod des Journalisten ein, stellte ihn jedoch zunächst als Folge eines eskalierten Streits dar. Erst später gab Generalstaatsanwalt Al-Mojeb zu, dass die Tötung “vorsätzlich” geschehen sei. In dem Fall wurden 18 Verdächtige festgenommen und ein königlicher Medienberater und der Vize-Geheimdienstchef ihrer Posten enthoben.

Al-Mojeb sicherte seine Kooperationsbereitschaft zu und reiste in der Nacht auf Montag zu Gesprächen an den Bosporus. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft kritisierte nun aber, dass die Gespräche mit ihm “trotz unserer guten Absichten, die Wahrheit zu enthüllen, keine konkreten Ergebnisse erbracht haben”. Demnach wurde Al-Mojeb um Auskunft zum Verbleib der Leiche und zu dem angeblichen “lokalen Helfer” gebeten worden.

Der Journalist Khashoggi war Anfang Oktober im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul getötet worden. Saudi-Arabien hatte dies erst nach internationalem Druck eingeräumt. 18 Verdächtige wurden in Saudi-Arabien festgenommen, darunter nach türkischen Angaben ein Killer-Kommando, das aus Saudi-Arabien angereist sei, um Khashoggi zu töten. Die Türkei will die Auslieferung der 18 Verdächtigen. Riad lehnt das ab.

Ankara hat sich mit Schuldzuweisungen lange zurückgehalten, doch veröffentlichten regierungsnahe Medien immer neue Details aus den Polizeiermittlungen, die den Druck auf Saudi-Arabien erhöhten und den Kronprinzen teils direkt belasteten. So sollen mehrere Mitglieder des mutmaßlichen Mordkommandos zu Salmans direktem Umfeld gehören. Der Chef der Gruppe soll zudem mehrfach mit dessen Büroleiter telefoniert haben.

US-Präsident Trump fühlt sich im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi nicht von Saudi-Arabien betrogen. “Sie haben mich nicht betrogen. Ich meine, vielleicht haben sie sich selbst betrogen”, sagte Trump am Mittwoch auf die Frage von Journalisten. “Wir müssen sehen, wie sich alles entwickelt”, fügte er hinzu. Es gebe viele Fakten, die sich die USA nun anschauen müssten.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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3 Kommentare auf "Khashoggi wurde laut Justiz in Konsulat erwürgt"


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Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
13 Tage 9 h

Und in solche Staaten liefert der Westenfleißig Waffen…..für Geld tut man scheinbar alles….schlimm

idenk
idenk
Grünschnabel
13 Tage 7 h

Ja wer Geld hat, nach dem Motto:
Der Kunde ist König.
Im dem Fall, im wahrsten Sinne des Wortes.

denkbar
denkbar
Kinig
12 Tage 21 h

Ein Konsulat sollte in so einem Fall Zufluchtsort sein und nicht die Todesfalle.
Schockiert bin ich über die Reaktion Trumps. Menschenrechtsverletzungen interessieren in gar nicht, wie er wiederholt gezeigt hat. Hauptsache der Dollar rollt im Waffengeschäft.

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