Von Odessa aus soll ukrainisches Getreide exportiert werden

Kiew: Hafen von Odessa von russischen Raketen getroffen

Sonntag, 24. Juli 2022 | 05:25 Uhr

Bereits einen Tag nach der Einigung auf eine Wiederaufnahme der blockierten Getreide-Lieferungen ist der für die Ausfuhr wichtige ukrainische Hafen von Odessa nach ukrainischen Angaben von russischen Raketen getroffen worden. Der Angriff sei “genau dort, wo das Getreide gelagert war” erfolgt, zitierte die ukrainische “Pravda” den Sprecher des Luftwaffenkommandos der Ukraine, Juri Ignat. Russland wies türkischen Angaben zufolge die Urheberschaft zurück.

“Das ist es, was diese Abkommen mit einem terroristischen Land wert sind”, kritisierte Ignat. Die Situation war aber noch unübersichtlich. Dem ukrainischen Fernsehen zufolge entstand nur vergleichsweise geringer Sachschaden. Eine Pumpstation sei getroffen worden und ein kleiner Brand habe mehrere Gebäude beschädigt, nicht aber die Getreidelager, hieß es. Serhij Bratschuk von der Region Odessa sagte, dass zwei Kalibr-Marschflugköprer die Hafen-Infrastruktur getroffen hätten, zwei weitere seien von der Luftabwehr abgeschossen worden. Damit habe Russlands Präsident Wladimir Putin der UNO und der Türkei “ins Gesicht gespuckt”, hieß es mit Blick auf die Vermittler des Getreideabkommens.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar nannte den Angriff “sehr bedauerlich” und rief alle beteiligten Parteien auf, ihre im Abkommen vereinbarte Zusammenarbeit fortzusetzen. “Die Russen haben uns mitgeteilt, dass sie absolut nichts mit diesem Angriff zu tun hätten, und dass sie diese Angelegenheit sehr genau und im Detail untersuchen”, betonte Akar.

Auch UNO-Generalsekretär António Guterres, der am Freitag an der Unterzeichnung des Abkommens in Istanbul teilgenommen hatte, verurteilte den Beschuss. Am Freitag hätten sich alle Parteien auf globaler Ebene klar verpflichtet, den sicheren Export ukrainischen Getreides zu gewährleisten. “Die vollständige Umsetzung durch die Russische Föderation, die Ukraine und die Türkei ist zwingend erforderlich”, betonte der Portugiese.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte indes den Sinn des Getreideabkommens mit Russland infrage. “Dies beweist nur eins: Egal was Russland sagt oder verspricht, es wird Möglichkeiten finden, es nicht umzusetzen”, sagt Selenskyj in einem auf Telegram verbreiteten Video. Via Facebook teilte Infrastrukturminister Olexander Kubrakow mit, dass die Ukraine ihre Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Getreideexports aus ihren Häfen fortsetze.

Das von Ministern beider Kriegsparteien unterzeichnete Abkommen soll abgesicherte Transitrouten im Schwarzen Meer für die Getreidelieferungen schaffen. Die in wochenlangen Verhandlungen erreichten Regelungen sehen Korridore für die Getreideexporte aus drei ukrainischen Häfen im Raum Odessa vor. Die Kriegsparteien sagten zu, keine Schiffe auf diesen Routen anzugreifen. Russlands staatseigene Nachrichtenagentur Tass hatte am Freitag gemeldet, dass drei ukrainische Häfen – darunter Odessa – wieder geöffnet werden sollten.

Die Regelungen sollten unter anderem die Ausfuhr der geschätzten 20 bis 25 Millionen Tonnen Weizen ermöglichen, die durch den Krieg in ukrainischen Silos feststecken. Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreideproduzenten. Vor Beginn der russischen Invasion lieferten sie zusammen etwa 30 Prozent des weltweit gehandelten Weizens.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verurteilte den Angriff auf den für den Getreideexport wichtigen Hafen als “besonders verwerflich”. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock wertete ihn als Beweis dafür, dass “die Unterschrift der russischen Führung derzeit wenig zählt”. Das Außenministerium in Wien äußerte sich ähnlich: “Solche Taktiken sind empörend und zeigen die weitere Missachtung Russlands der Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die unter Ernährungsunsicherheit leiden”, hieß es in einer Aussendung.

Die ukrainische Armee setzte indes ihre Bemühungen zur Rückeroberung der russisch besetzten Gebiete im Süden des Landes fort. Eigenen Angaben beschoss sie eine für den russischen Nachschub wichtige Brücke in der Region Cherson mit Raketen. Ein Vertreter der ukrainischen Regionalverwaltung erklärte, es handle sich um einen wichtigen Schritt zur Rückeroberung von Cherson. Die von Russland eingesetzte Gegenverwaltung erklärt, die Darjiwskyj-Brücke über den Fluss Inhulez sei von sieben Raketen des westlichen Systems Himars getroffen worden, aber noch immer intakt.

Kiew berichtete von zahlreichen Raketenangriffen im Land. Im Gebiet Kirowohrad sollen bei einem Angriff drei Menschen getötet und neun weitere verletzt worden sein. Das russische Militär habe von Kriegsschiffen und Kampfbombern insgesamt 13 Raketen unter anderem auf den Militärflughafen Kanatowo und ein Objekt der ukrainischen Eisenbahngesellschaft abgefeuert, teilte der Leiter der Militäradministration, Andrij Rajkowitsch, im Nachrichtenkanal Telegram mit.

Auch aus anderen Teilen des Landes meldeten die ukrainischen Behörden ein Vielzahl von Explosionen. Das Gebiet Mykolajiw sei mit sechs Raketen angegriffen worden, hieß es. Im Gebiet Donezk wurde nach russischem Beschuss von neun Verletzten gesprochen. Das Weiße Haus bestätigte indes, dass im Donbass zwei US-Staatsbürger getötet wurden. Nähere Angaben wurden aus Respekt gegenüber den Angehörigen nicht gemacht. In der Ukraine kämpft Medienberichten eine unbekannte Anzahl an Freiwilligen gegen die russische Invasionsarmee.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

29 Kommentare auf "Kiew: Hafen von Odessa von russischen Raketen getroffen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Doolin
Doolin
Kinig
16 Tage 7 Min

…so sieht eben die russische “Einigung” zur Getreidelieferung aus…
🤪

N. G.
N. G.
Kinig
15 Tage 22 h

Mag sein, nein, es ist so!
Wenn eine Ukraine aber wie heute im Bericht erklärt, Krieg bis , dass die Invasoren aus dem Land getrieben sind, erklärt, dann wirds schwirig. Es gab 30 Jährige Kriege, sogar 100 Jahre. Such dir was aus! Am Ende wird ganz einfach der Realität Tribut gezollt werden, davon kannst du ausgehen!
Sieht es denn nach baldigem Kriegsende aus? Wie lange wird Krieg geführt? Bis einem die Soldaten oder das Geld ausgeht? Dann gehts noch JAHRE! Aber mit am Ende, dem selben Ergebnis!?

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
15 Tage 22 h

Doolin…
Wenn ich Putin seh, sehe ich die verlogen, hinterhältige Fraze eines alten kranken Killers!

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
15 Tage 20 h

@OrtlerNord geht mir genauso. Den müsste man nur noch mit dem schwarzen Balken über den Augen zeigen.

Faktenchecker
15 Tage 19 h

“+++ 17:05 Getreideverarbeitungsanlage ist doch nicht Ziel russischer Raketen +++

Berichtigung des Eintrags von 15.13 Uhr: Wir haben berichtet, dass bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hafenstadt Odessa nach ukrainischen Angaben gezielt Getreideverarbeitungsanlagen unter Beschuss genommen worden wären. Der Militärsprecher sprach jedoch nicht ausdrücklich von einer Getreideverarbeitungsanlage, die getroffen worden sei, sondern sagte, in dem angegriffenen Gebiet gebe es “offensichtlich” Getreide.”

n-tv

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
15 Tage 18 h

Fakty@

also halb so schlimm, oder?

Didi
Didi
Grünschnabel
15 Tage 17 h

Hier auch die feigen – drücker erklärt euer Verhalten

Maenny
Maenny
Grünschnabel
15 Tage 13 h

@N. G.
Das lass mal die Urkainer selber entscheiden wie lange sie kämpfen wollen. Wir sollten ihnen nur die Möglichkiet bieten sich zu verteidigen. Ohne Gegenwähr hätte die Ukraine keine Verhandlungsbasis und Putin würde bei der Ukraine nicht Halt machen.

N. G.
N. G.
Kinig
15 Tage 4 h

@Maenny Nun, wenn die Ukrainer sagen sie wollen keinen Meter Land abgeben, wirds nie ne Verhandlungsbasis geben.
Bist du dir ganz sicher, dass der Westen, sagen wir mal 5 Jahre lang Waffen und Geld schickt? Bei aller Liebe , das wird nicht passieren….!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
14 Tage 15 h

Maenny@ N.G.@

M.@, dir ist bewusst, dass was du geschrieben hast für die Fische ist?

falschauer
15 Tage 23 h

mit den russen vereinbarungen treffen ist sowieso für die 🐈‍⬛, putin und seine schergen glauben wohl der nabel der welt zu sein, in wirklichkeit sind sie lügner, vertragsbrecher, erpresser und kriegstreiber, das ganze ist einfach nur ein alptraum und halst uns allen riesige probleme auf, welche wir noch lange zu spüren bekommen werden

Doolin
Doolin
Kinig
15 Tage 19 h

…da hat sich Erdogan so viel Mühe gegeben ein Getreideausfuhrabkommen zu machen, das dann nicht mal einen Tag gehalten hat, da Putin ihm hinten eine reingetreten hat…was lernt der Dümmste daraus?…mach nie eine Vereinbarung mit Russen!…
😜

Didi
Didi
Grünschnabel
15 Tage 17 h

An alle – drücker erklärt euer verhalten, oder seid ihr zu feige

onassis
onassis
Superredner
15 Tage 16 h

@Doolin Erdogan ist auch ein Verbrecher

buggler2
buggler2
Tratscher
16 Tage 40 Min

Gut werft die Russen raus aus eurem Land, aber bitte nur bis zur der Grenze dan ist Stop.

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
15 Tage 22 h

buggler..
Grundsätzlich falscher Ansatz.
Es geht nicht um pauschal die Russen sonder um Putin der den hinterhältige verlogen Angriffskrieg auf einen souveränen Staat den Russland anerkannt hat, befohlen hat.
Es gibt hier leider so Naivlinge die glauben mit Verhandlungen das ganze Problem lösen zu können.
Nur wenn dein du mit einem (Putin)Verhandlungen starten willst der dein Eltern , deine Kinder ermordet hat lassen , deine Frau vergewaltigen hat lassen und dein Land klauen will, und das Wort und Verträge noch nicht mal das Papier wert , tust die Figuren nur Leid.

buggler2
buggler2
Tratscher
15 Tage 20 h

@OrtlerNord
genau deshalb bis zur Russischen Grenze zurückdrängen , zur Nato beitreten die Grenze sichern solange in Russland Verrückte regieren

wellen
wellen
Universalgelehrter
15 Tage 21 h

Gestern Getreidevereinbarung, heute genau diesen Hafen bombardiert….ein Schlag ins Gesicht für die Uno. Und Erdo versteht: die Russern lügen das Blaue vom Himmel. War nur ein taktisches Manöver, um nicht ganz Afrika gegen sich aufzubringen.

Hustinettenbaer
15 Tage 18 h

@wellen
Kann sein.
Kann auch sein, dass Putler dem Sultan eine Lehre verpasste: Keiner lässt mich warten.
Auch ein Signal an die Ukraine: Ich kann euch auch an der Schwarzmeerküste treffen.
„Er nutzt widersprüchliches Handeln…, um den Gegner zu verwirren. Dieses Hin und Her, das wir beispielsweise auch bei Nord Stream 1 sehen, nutzt Putin als eine Art von Feindesaufklärung: Er beobachtet die Reaktionen des Westens auf solche Störaktionen genau – denn sie zeigen ihm mögliche Schwachstellen, sowohl physischer als auch psychologischer Art.“ Insofern sei der jüngste Angriff auf Odessa alles andere als irrational, er passe hervorragend zu Putins zynischer Kriegstaktik.”
https://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/odessa-angriff-putin-geht-es-um-ein-zweifaches-signal-auch-an-uns_id_121861655.html

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
15 Tage 23 h

Eine begrenzte Zahl an weitreichende Himarsraketen könnten Russische Abschussstationen eliminieren.

Frank
Frank
Universalgelehrter
15 Tage 17 h
Auch wenn es Manchem nicht paßt, man muß sich schon fragen, welchen Sinn ein solcher Angriff aus militärischer und politischer Sicht haben soll. Daß Putin seinen Kumpel Erdogan brüskieren will, ist eher unwahrscheinlich. Zu der Frage passen auch die widersprüchlichen Angaben (Quelle ARD, Tagesschau.de), laut Behörden und Regierung wurden gezielt die Verladeanlagen für Getreide angegriffen, laut Hafenbetreiber wurde unbedeutende Peripherie getroffen und kaum Schaden angerichtet. Wem nutzt also dieser Angriff? Dazu kommt, daß sich Erdogan, so wird gemunkelt, von seinen Bemühungen um das Abkommen freie Hand für eine Ausweitung seines Krieges gegen die Kurden in Nordsyrien erhofft, ohne daß sich… Weiterlesen »
Frank
Frank
Universalgelehrter
15 Tage 13 h

Bereits Mitte Mai wurde geschrieben, den Russen gehen die Kalibr Marschflugkörper aus: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-russland-munition-101.html

Und nun sollen sie 4 Stück von den knappen teuren Dingern für unbedeutende Ziele sinnlos vergeudet haben? Irgend etwas paßt da vorn und hinten nicht, wie der Zeitpunkt des Angriffs. Der ganze Vorgang stellt jede Logik auf den Kopf.

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
15 Tage 12 h

@Frank
Der ganze Vorgang stellt überhaupt keine Logik auf den Kopf .
Erkläre mir mal warum Du immer wieder versuchst Kriegshandlungen von Russland anzuzweifeln .
Wirst Du dafür von den Russen bezahlt ?

Offline1
Offline1
Kinig
15 Tage 16 h

Fass so ein hinterhältige Angriff überhaupt Zustimmung bekommt, finde ich zum 🤮🤮🤮🤮

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
15 Tage 15 h

Auch wenn ihr Minusdrücker es nicht lesen wollt :
Verträge mit Putin -Russland abgeschlossen sind nicht das Papier wert auf das sie geschrieben sind ! 🛡

Faktenchecker
15 Tage 18 h

inni
inni
Universalgelehrter
15 Tage 18 h

Auch wenn Putin es letztendlich gelingen sollte, die Ukraine einzunehmen, welchen Vorteil hat er damit erreicht, außer Landggewinn? Wie will er die rund 45 Millionen Ukrainer jemals unter seine Kontrolle bringen, die durch den Krieg einen abgrundfiefen Hass entwickelt haben, der über Generationen anhalten wird, angesichts der vielen Toten die sie zu beklagen haben und des Verlusts bzw. der Zerstörung ihres Hab und Guts?

sophie
sophie
Kinig
15 Tage 18 h

Olso mitn Putin zi voho dl , sell get schun gor nimma, mit liagn und ondra beschulding, sell braucht gor awian a Courage und noar in Iran autretn als wenn ols ok war,
Lei mehr ols zi spout

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
15 Tage 3 h

Der russ sog er hot net gachossn?
Wer glab den russ wos eh lei lüg und nix an abmachungen inholtet🤔

wpDiscuz