Ukraine bei Stromversorgung immer mehr auf Generatoren angewiesen

Kiew nach Angriffen weitgehend ohne Strom und Wasser

Mittwoch, 23. November 2022 | 20:58 Uhr

Nach schweren russischen Raketenangriffen sind in der Ukraine mehrere Kernkraftwerke vom Netz genommen worden. Einem landesweiten Luftalarm folgten am Mittwoch Explosionen in der Hauptstadt Kiew, wo am Abend 80 Prozent der Haushalte ohne Strom und Wasser waren. Laut der Militärverwaltung wurden in Kiew vier Menschen getötet und 27 verletzt. Der UNO-Sicherheitsrat setzte für Mittwoch (22 Uhr MEZ) eine Sondersitzung an, bei der auch Präsident Wolodymyr Selenskyj reden sollte.

Auch die Republik Moldau meldete einen Stromausfall in mehr als der Hälfte des Landes. Selenskyj erklärte, sein Land werde das russische Bombardement durchstehen. “Wir sind ein unzerstörbares Volk”, erklärte er in einer Videoansprache auf Telegram. Insgesamt zählte die Ukraine 71 feindliche Raketen und Kampfdrohnen. 51 Raketen und fünf Drohnen seien im Anflug abgeschossen worden, hieß es am Abend. Über Explosionen – teils auch durch die Flugabwehr – wurde zudem aus den Gebieten Odessa, Mykolajiw, Poltawa und Dnipropetrowsk berichtet. Luftalarm hatte es im ganzen Land gegeben.

Die Angriffswelle ereignete sich während eines Besuchs von mehreren EU-Europaministerinnen in Kiew. Unter ihnen war auch die österreichische Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP). Sie musste im Keller des ukrainischen Parlaments Zuflucht suchen. Dort sei es “eng”, “beklemmend”, aber auch “sehr eindrücklich” gewesen. “Wir konnten dort sehr ernste Gespräche führen und das wird immer in Erinnerung bleiben”, sagte Edtstadler dem ORF in Kiew. Österreich habe diese Woche zwölf Generatoren, zehn Heizkanonen und sieben Feuerwehrautos und Busse in die Ukraine geliefert, berichtete sie.

“Alle kommunalen Dienste arbeiten, um schnellstmöglich die Strom- und Wasserversorgung von Kiew wiederherzustellen”, sagte der Bürgermeister der Dreimillionenstadt, Vitali Klitschko, gemäß einer Mitteilung vom Mittwoch. Wegen des Strommangels fahren elektrisch betriebene Busse derzeit nicht. Die Züge der U-Bahn verkehren nur noch im Zehnminutentakt. Regierungsvertreter stellten eine Wiederherstellung von Strom- und Wasserversorgung für Donnerstagfrüh in Aussicht. Unmittelbar nach den Angriffen gab es laut den Behörden überhaupt keinen Strom und kein Wasser.

Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) berichtete, dass das AKW Saporischschja wieder von der externen Stromversorgung abgeschnitten war und mit Dieselgeneratoren versorgt werden musste. Mehrere Blöcke des Atomkraftwerkes Süd-Ukraine, des AKW Chmelnizkyj im Westen sowie des AKW Riwne im Nordosten wurden abgeschaltet. Auch die “Mehrzahl der Wärme und Wasserkraftwerke” habe abgeschaltet werden müssen, hieß es am Abend aus dem Kiewer Energieministerium. Wegen der Angriffe war auch die westukrainische Stadt Lwiw nach Angaben ihres Bürgermeisters ohne Strom.

Die russischen Raketenangriffe führten auch zu einem massiven Stromausfall in der benachbarten Republik Moldau. Die Hälfte des Landes werde nicht mit Strom versorgt, teilt Vize-Ministerpräsident Andrei Spuni, der zugleich Infrastrukturminister ist, auf Twitter mit. Stromausfälle werden dem Innenministerium zufolge auch aus der abtrünnigen von Russland unterstützten Region Transnistrien im Osten gemeldet.

Bereits in der Nacht wurde in der ukrainischen Region Saporischschja ein Krankenhaus getroffen. Ein Säugling soll dabei ums Leben gekommen sein. “Schmerz überflutet unsere Herzen – ein Säugling, der gerade erst auf die Welt gekommen ist, wurde getötet”, schrieb der Militärgouverneur von Saporischschja, Olexandr Staruch. Rettungskräfte seien in der Kleinstadt Wilnjansk im Einsatz.

Raketeneinschläge gab es in der Nacht auch in den benachbarten Regionen Donezk und Dnipropetrowsk. In Donezk, wo die russischen Truppen seit Wochen verstärkt angreifen, sprachen ukrainische Behörden von einem Toten und acht Verletzten. In der Region Dnipropetrowsk habe es keine Opfer gegeben. Es seien aber mehr als 30 Geschoße in Ortschaften eingeschlagen, sagte Militärgouverneur Walentyn Resnitschenko.

Indes wurde bekannt, dass der Transport russischen Öls durch die Ukraine teilweise ausgesetzt wurde. Betroffen sei der durch die Ukraine führende Abschnitt der Druschba-Pipeline, hieß es vom Betreiber Transneft. Von Belarus werde aber weiter Erdöl in die Ukraine gepumpt, meldete die russische Agentur Tass.

Während der französische Präsident Emmanuel Macron für die kommenden Tage ein Gespräch mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin zum Thema Energie ankündigte, gaben die USA ein neues militärisches Hilfspaket im Wert von 400 Millionen US-Dollar (389,33 Mio. Euro) für die Ukraine bekannt. Damit erreicht der Gesamtwert der US-Militärhilfe 19,7 Milliarden Dollar. Der polnische Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak forderte Deutschland auf, die für sein Land bestimmten Patriot-Raketensysteme lieber an die Ukraine zu schicken und begründete dies mit den jüngsten russischen Raketenangriffen.

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz sagte am Mittwoch, dass Russland den Krieg auf dem Schlachtfeld nicht mehr gewinnen könne und daher das Töten beenden solle. “Dieser Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung muss aufhören, und zwar sofort”, so Scholz. In Jerewan forderte der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew einen Friedensschluss im Krieg. “Was die Ukraine betrifft, denke ich, dass die Zeit für eine kollektive Suche nach einer Friedensformel gekommen ist”, sagte er am Mittwoch bei einem Gipfel der von Russland dominierten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS).

Ungeachtet der neuen Angriffe tauschten die Konfliktparteien erneut Gefangene aus. “Wir haben 36 unserer Leute nach Hause geholt – einen Zivilisten und 35 Soldaten”, teilte der Chef des Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, beim Nachrichtendienst Telegram mit. Unter den Freigekommenen seien Verteidiger der Stadt Mariupol und Nationalgardisten, die zu Kriegsbeginn in der Sperrzone um das 1986 havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl in Gefangenschaft gerieten. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte, dass am Mittwoch 35 eigene Soldaten freigekommen seien. Sie sollen demnach nun zur medizinischen Behandlung nach Moskau geflogen werden.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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20 Kommentare auf "Kiew nach Angriffen weitgehend ohne Strom und Wasser"


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Superredner
9 Tage 35 Min

Na, da wird unser „Fachmann“ aus Bruneck uns bald erklären, dass es sich um einen ganz „normalen“ Vorgang handelt. Denn: das ist ja Realität. Und nur „unschuldige“ russische Soldaten tragen dafür die Verantwortung. Mitsamt dem Kriegsverbrecher Putin. Gerade an solchen Kriegseinsätzen Russlands zeigt die ganze Brutalität und Menschenverachtung Putin’s. Wie in usw. Und Putin’s Freunde dürfen hier schreiben. Unfassbar!

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
8 Tage 14 h

@Phil …..
Ich denke unser ” Fachmann ” aus Bruneck wird – vielleicht – gerade seine Brille suchen.
Vielleicht so in dem Witz :
” Frau hosch du mei Brill gseha?” – “Abr du hosch se doch auf dr Nees !”.

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 4 h

Ganz genau! In allen Kriegen vorher gabs das. Nur wird jetzt getan wie wenn nur Russland sowas täte.

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 4 h

@Suedtirolfan Und wieder nur persönliches! Ist toll wie du diskutierst, in Details gehst. Charakterlich Top! So geht man mit anderen um, stimmts!

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 4 h

Dann erkläre doch SN warum ich schreiben darf was ich schreibe! Demnach sehen sie in meinen Posts nicht was DU siehst! Schon mal nachgedacht?

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
8 Tage 59 Min

@N. G.
Du wiederholst doch immer nur die gleichen Plattitüden. Und die Behauptung ,daß sei in allen Kriegen gleich – ist doch nur eine billige Vereinfachung.
Eine detaillierte Auseinandersetzung mit allen Kriegen der letzten Jahrzehnte würde auf dieser Plattform zu weit führen.
Es bleibt jedoch immer bestehen, daß dieser menschenverachtende sinnlose Krieg von Putin -Russland einseitig begonnen wurde .
Und ich das auch in Zukunft mit aller Deutlichkeit hier auf SN ausdrücken werde . 🛡

Superredner
7 Tage 15 h

Es sind wahrscheinlich bei NG einfach nur Zeichen von argumentativer Leere und Hilflosigkeit. Seine Realität ist empathielos und orientiert sich nur nach dem Darwinismus. Das machen aber meistens diejenigen, die eh am schwächsten sind

Superredner
7 Tage 6 Min

SN gibt (fast) jedem eine Chance … Und; eine Veröffentlichung von Kommentaren ist nicht mit einer (stillschweigenden) Zustimmung der Redaktion zu verstehen.

nixischfix
nixischfix
Tratscher
9 Tage 2 h

einfach nur traurig was da abgeht! Die kleinsten und schwächsten bezahlen für den Wahnsinn einiger Machtbesessenen Idioten! Ich verabscheue jegliche Gewalt und hoffe die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen..

Waltraud
Waltraud
Kinig
8 Tage 4 h

nixischfix
Richtig! Und trotzdem gibt es noch viel zu viele, die Öl ins Feuer gießen. Ich wäre für Gespräche auf beiden Seiten. Aber als gleichberechtigte Partner. Und keinen als obersten Richter.

Superredner
8 Tage 40 Min

@Waltraud Sie wollen also, dass Mörder und Opfer gleichberechtigt sind? Ganz großes AUA Kopf!

sophie
sophie
Kinig
9 Tage 2 h

Jo gets den Putin ibbohaupt no, der soll decht v…….
Mit seindo Mörderbande, ols lei mehr zi spoute

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
9 Tage 1 h

Jetzt zählen auch Krankenhäuser und Säuglingsstationen😡😡 zu den kriegswichtigen Zielen😡😡. Kann gar nicht so viel Schlechtes essen, wie ich 🤮 möchte….

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
8 Tage 21 h

Wieso erst jetzt, das war ja von Kriegsbeginn an so.

SM
SM
Grünschnabel
9 Tage 2 h

Beim Krieg verliern ollm lei die Unschuldigen.
De wos unzetteln sein fein raus.
Der Mensch isch echt es blödeste Wesn wos gib, überhaub nix glernt aus der Vergongenheit

SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
8 Tage 21 h

Na bitte, wer kann denn hier 👎 drücken????

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
8 Tage 20 h

DU !!!!! 🐌🐌🐌🐌🐌

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
8 Tage 15 h

Russland versucht durch gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung, von oben nicht nur geduldete, sondern angeordnete Kriegsverbrechen, durch Terror, Auslösung von Hungerkatastrophen in notleidenden Teilen dieser Welt, Angstmache, Spaltung und Drohungen gegen die demokratische Weltgemeinschaft die Ukraine zu unterwerfen. Das entspricht Stalins Art, Macchiavellismus ohne jede Rücksicht auf Menschenleben, einschließlich jenes des eigenen Volkes. Das hatte sich bereits seit 2008 in Tschetschenien, Georgien und später Syrien abgezeichnet. Leider waren viele an beiden Augen blind und haben gewähren lassen. Das Geschäft sollte trotzdem nicht leiden. Nun bezahlen wir und vor allem die Ukrainer die saftige Rechnung

Superredner
8 Tage 15 h

Treffend und vollkommen richtig dargestellt. Ja, die Rechnung ist hoch, aber es geht um unsere Freiheit, denn die ist es, die wir letztendlich verteidigen. Lässt sich dafür überhaupt ein „Preis“ nennen? Wie erklären wir die Frage nach dem „,Preis“ den mutigen Menschen, die für ihre Freiheit und die Freiheit anderer Menschen sich einer brutalen Staatsmacht entgegenstellen? Wie in Hongkong? Wie im Iran? In Belarus? Wie den russichen Soldaten, die einsehen, dass ihr Krieg in der Ukraine Unrecht ist und die dann desertieren? Wie hätten die Widerstandskämpfer im Nazi-Regime darüber gedacht? Oder jene in Russland?

Holzile
Holzile
Grünschnabel
8 Tage 21 h

https://www.youtube.com/watch?v=kF9KretXqJw

Red et ollm la von Putin. Do ent spinnt a groaßtoal vo do Bevölkorung…

“Bewertung Russlands durch den finnischen Geheimdienstoberst”
https://www.youtube.com/watch?v=kF9KretXqJw

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