Kim traf russischen Außenminister Lawrow

Kim bekräftigte den Willen zur Denuklearisierung

Freitag, 01. Juni 2018 | 06:35 Uhr

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA der nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel verpflichtet. Kim habe den “unveränderten, beständigen und festen Willen” seines Landes “zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel” bekräftigt, berichtete KCNA am Freitag.

Kim äußerte sich demnach bei seinem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Pjöngjang am Donnerstag. Bei dem geplanten historischen Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump am 12. Juni in Singapur soll es um den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms gehen. Die USA fordern die vollständige und überprüfbare Denuklearisierung Nordkoreas im Gegenzug für wirtschaftliche Erleichterungen.

Bisher ist unklar, was genau Nordkorea unter Denuklearisierung versteht. Beobachter gehen bisher davon aus, dass Pjöngjang ohne Sicherheitsgarantien des Erzfeindes USA nicht zum Abbau seines Atomprogramms bereit sein wird. Ein US-Regierungsmitarbeiter hatte solche Garantien indes am Mittwoch in Aussicht gestellt.

US-Präsident Trump geht nach eigenen Angaben nicht von einem schnellen Durchbruch bei den Verhandlungen mit Nordkorea aus. “Ich würde es gerne mit EINEM Treffen abschließen”, sagte Trump der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag während eines Flugs zu Wahlkampfveranstaltungen in Texas. “Aber oft läuft es bei Deals nicht so.”

Es sei ziemlich wahrscheinlich, dass eine Einigung auch nach einem, zwei oder drei Treffen noch nicht erzielt werde. “Aber irgendwann wird es klappen.” Am Freitag werde er sich vermutlich mit einem hochrangigen Vertrauten des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un treffen, sagte der Präsident weiter: Kim Yong-chol werde ihn wahrscheinlich im Weißen Haus besuchen.

Kim Yong-chol, Vize-Vorsitzender des Zentralkomitees der Arbeiterpartei, hatte sich am Mittwoch und Donnerstag in Washington mit US-Außenminister Mike Pompeo getroffen. Dieser erklärte anschließend, es seien in den vorherigen 72 Stunden “echte Fortschritte” erzielt worden. Pompeo erklärte ebenfalls, am Freitag werde eine nordkoreanische Delegation mit Kim Yong-chol das Weiße Haus besuchen. Dieser werde Trump einen Brief von Kim Jong-un überreichen. Der US-Präsident hatte vergangene Woche ein geplantes Gipfeltreffen mit Kim Jong-un in Singapur zunächst abgesagt, dabei jedoch den nordkoreanischen Machthaber in einem Schreiben aufgefordert, ihn “anzurufen oder zu schreiben”.

Seitdem hat sich Trump zuversichtlich gezeigt, dass das geplante Gipfeltreffen mit Kim am 12. Juni doch stattfinden wird. In den vergangenen Tagen hat es umfangreiche Diskussionen zwischen Diplomaten beider Staaten gegeben. Hauptstreitpunkt ist das Atomwaffen- und Raketenprogramm Nordkoreas. Die USA fordern eine komplette, nachprüfbare und unumkehrbare Vernichtung dieser Waffen. Nordkorea lehnt dies nicht rigoros ab, fordert aber Sicherheitsgarantien und den Abzug der US-Truppen aus Südkorea.

Inmitten der Vorbereitungen zum möglichen Gipfeltreffen haben indes hohe Vertreter beider koreanischer Staaten neue Versöhnungsgespräche aufgenommen. Dabei gehe es um die rasche Umsetzung jener Vereinbarungen, welche die politischen Führer der Nachbarländer bei ihren Gipfeln im April und Mai getroffen hätten, sagte der südkoreanische Vereinigungsminister und Delegationsleiter Cho Myoung-gyon am Freitag vor Beginn der Gespräche im Grenzort Panmunjom. Auch wolle Südkorea versuchen, durch die Gespräche “eine günstige Atmosphäre für den geplanten Gipfel zwischen Nordkorea und den USA” zu schaffen.

Südkorea will unter anderem über grenzüberschreitende Eisenbahnverbindungen und neue Begegnungen zwischen getrennten Familien reden. Erwartet wird, dass beide Seiten auch die Termine für geplante Militärgespräche und ein Treffen der Rot-Kreuz-Verbände beider Länder besprechen sowie die Einrichtung eines Verbindungsbüros in der nordkoreanischen Stadt Kaesong. Auf diese und andere Vorhaben hatten sich der südkoreanische Präsident Moon Jae-in und Diktatür Kim bei ihrem Gipfel am 27. April in Panmunjom geeinigt. Einige Wochen später trafen sich Moon und Kim bei einem vorher nicht angekündigten Gipfel erneut an der Grenze.

Der insgesamt dritte Korea-Gipfel im April endete mit einer Erklärung über Frieden und Aussöhnung, die auch die Förderung der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen vorsieht. Kim erklärte sich zudem zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms bereit.

Von: APA/ag