Der Anschlag ereignete sich in Gaziantep im Südosten des Landes

Kind verübte blutigen Anschlag mit 51 Toten in der Türkei

Sonntag, 21. August 2016 | 18:06 Uhr

Ein Kind zwischen 12 und 14 Jahren soll den blutigen Anschlag von Gaziantep auf eine kurdische Hochzeitsgesellschaft verübt haben, bei dem am Samstagabend mindestens 51 Menschen getötet und 69 weitere verletzt wurden. Das Attentat in der südosttürkischen Stadt, das die türkische Regierung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zuschreibt, löste am Sonntag international Entsetzen aus.

Zunächst blieb unklar, ob sich das Kind selbst in die Luft sprengte oder ob der Sprengsatz per Fernzünder ausgelöst wurde. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, es könne sich um einen “Selbstmordattentäter” gehandelt haben, der sich in die Luft gesprengt habe oder “gesprengt wurde”. Erste Hinweise deuteten darauf hin, dass der IS Drahtzieher des Anschlags war.

“Wo auch immer der Terror herkommt, das ändert für uns nichts”, so Erdogan. “Als Nation wenden wir unsere gesamte Kraft an, vereint, Hand in Hand, um gegen den Terrorismus zu kämpfen, so wie wir es am 15. Juli getan haben”, ergänzte er mit Blick auf die Niederschlagung des Militärputsches.

Der Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, sagte, das Ziel seien Kurden und der Bräutigam, ein HDP-Mitglied, gewesen. Nach Medienberichten überlebten Braut und Bräutigam verletzt. Unter den Toten seien viele Kinder. Im Beybahce-Viertel der Millionenstadt an der türkisch-syrischen Grenze wohnen viele aus den Südostprovinzen zugezogene Kurden. Der Anschlag war bei den Feierlichkeiten auf offener Straße verübt worden.

Die türkische Regierung hatte den IS in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge im Land verantwortlich gemacht. Mehrmals waren offenbar Kurden das Ziel. Der IS bekannte sich jedoch zu keinem der Bombenattentate in der Türkei. Die Terrormiliz übernahm dagegen in der Vergangenheit die Verantwortung für Morde an syrischen Oppositionellen in Gaziantep.

Die gleichnamige Provinz grenzt an das Bürgerkriegsland Syrien. Auf der syrischen Seite kontrolliert der IS ein großes Gebiet. In den vergangenen Monaten waren aber auch die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), ein wichtiger Partner des Westens, in Nordsyrien vorgerückt. IS-Kämpfer mussten sich in das syrisch-türkische Grenzgebiet zurückziehen. Ein weiteres Vorrücken der YPG ist Erdogan jedoch ein Dorn im Auge. Dadurch könnten Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land befeuert werden, so die Befürchtung Ankaras.

Erdogan verurteilte den Anschlag und sagte, in der Vergangenheit sei die Polizei schon gegen IS-Zellen in Gaziantep vorgegangen. Er kündigte an: “Natürlich werden unsere dortigen Sicherheitskräfte diese Einsätze noch intensiver fortsetzen.” Er sagte, die Urheber des Anschlags versuchten, das Volk gegeneinander aufzubringen, indem sie “ethnische und religiöse Empfindlichkeiten” für ihre Zwecke nutzten. Damit hätten sie keinen Erfolg. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der für Erdogan hinter dem Putschversuch vom 15. Juli steckt, und dem IS.

Die EU-Kommission sicherte der Regierung in Ankara Solidarität und verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen Terror zu. “Wir sind zusammen in einem gemeinsamen Kampf”, erklärten die Außenbeauftragte Federica Mogherini und Erweiterungskommissar Johannes Hahn. Die türkische Regierung hatte der EU zuletzt fehlende Solidarität vorgehalten, vor allem nach dem gescheiterten Putsch Mitte Juli. In den vergangenen Wochen stritten Brüssel und Ankara offen über die türkischen Anti-Terror-Gesetze, die avisierte Visafreiheit für Türken in der EU und die Perspektive eines türkischen EU-Beitritts. Auch die NATO sicherte der Regierung in Ankara Solidarität zu. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte in Brüssel: “Wir stehen in dieser schwierigen Zeit in Solidarität vereint mit unseren türkischen Verbündeten.”

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte den “abscheulichen Terroranschlag” auf die Hochzeitsgesellschaft. Die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Christine Muttonen (SPÖ), zeigte sich “zutiefst traurig über den entsetzlichen Angriff”. “Erneut sind unschuldige Männer, Frauen und Kinder zum Opfer feiger und hinterhältiger Gewalt geworden”, schrieb die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ihrem türkischen Amtskollegen Binali Yildirim. Und auch der französische Präsident Francois Hollande verurteilte den “schändlichen Anschlag”.

Von: APA/ag.

Kommentare

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7 Kommentare auf "Kind verübte blutigen Anschlag mit 51 Toten in der Türkei"


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enkedu
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

zombie1969
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Dieser Anschlag zeigt vor allem, dass Europa sich in der ganzen Region nicht einmischen sollte, sondern sich heraushalten. Man wird dieses Durcheinander in all den Ländern des Mittleren Ostens nicht durch Intervention stoppen können. Denn da ist zuerst zu viel Durcheinander in den Köpfen der Menschen, Verstand ist getauscht mit Fanatismus. Das wichtigste Ziel muss es sein, die Länder in Europa davor zu schützen.

Staenkerer
Superredner
1 Monat 6 Tage

lei fest unterstützn de fanatn,gell erdogan!

brunner
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Was fuer ein IS? Wird von der Tuerkei unterstützt…..jetzt bekommen sie ja bald drei Milliarden Euro aus dem EU Topf! Genial….

Amadeus
Neuling
1 Monat 6 Tage

Was sind das im Nahen Osten denn für Völker?! Doch die “westliche, gute Welt” ist um keinen Deut besser. Nur daß wir die Leute nicht selber abschlachten. Im Yemen wütet auch ein grausiger Krieg, die Widersacher angeführt von Saudi Arabien!!! Denen liefern diverse Staaten der Welt Waffen und anderes Kriegsgerät. Nur googeln. Alles zum kotzen.
Ein Waffenhändler im Norden Afrikas wurde von einem Reporter gefragt wie denn die Geschäfte liefen: “Ganz gut, zur Zeit haben wir in Afrika 7 ganz ordentliche Kriege, dazu noch viele kleinere, ich kann daher nicht klagen.” Wegen “Fernsehgeheimnis” kann und will ich die Infoquelle nicht angeben.

Septimus
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Ich denke es handelt sich hier um einen gezielten Anschlag auf Kurden,möchte man somit das “Kurdenproblem”in der Türkei lösen?Selbst Kinder und Jugendliche aus diesen Ländern stellen eine enorme Sicherheitsgefahr dar.

Schneewittchen
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

oanfoch lei zum Himmel schrein

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