300.000 Kinder leiden unter Armut und verminderten Bildungschancen

Kinderliga will gezielte Förderung benachteiligter Familien

Mittwoch, 16. Oktober 2019 | 14:20 Uhr

“Die nachhaltigste Zukunftsinvestition ist die in die seelische, soziale und körperliche Gesundheit von Kindern”, mahnte Christoph Hackspiel, Präsident der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Allen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sei im Sinn der gesamten Gesellschaft, so Experten anlässlich der Präsentation des aktuellen Lageberichts.

Von der kommenden Regierung forderten die Spezialisten vor allem Prävention, aber auch die gezielte Förderung sozial Schwacher. “Gute Bildung ist der beste Impfstoff gegen Armut und Krankheit” zeigte sich Rosemarie Felder-Puig vom Institut für Gesundheitsförderung und Prävention überzeugt. Sie unterstrich die generelle Forderung, alle “mitzunehmen”. Wer in monetär, sozial oder privat prekären Verhältnisse hineingeboren wird, hat in vielerlei Hinsicht weniger Aussicht auf Erfolg.

Die Kinderliga setzt sich für einen Ausgleich ein und fordert von der Politik vor allem präventiv wirksame Konzepte und Beteiligungsmodelle für alle. Um die Interessen auf politischer Ebene bestmöglich zu vertreten, fordert die Kinderliga die Schaffung eines Kinderministeriums und / oder Kinderrats analog zum Seniorenrat.

300.000 Kinder und Jugendliche leiden in Österreich unter Armut, seelischer und körperlicher Gewalt, haben verminderte Bildungschancen oder kaum Zugang zu medizinischen und therapeutischen Hilfestellungen. 180.000 leben in Haushalten, die unerwartete Ausgaben wie einen Heizungsausfall oder eine kaputte Waschmaschine nicht bewältigen können. Von privaten Arztrechnungen oder Therapien ganz zu schweigen.

Der Anteil der Familien im unteren Einkommensdrittel hat sich zwischen 2010 und 2015 um 7,1 Prozent erhöht, die Rate der Armutsgefährdung junger Familien liegt bei 22 Prozent. Armut mache seelisch und körperlich krank, hieß es weiter. Rund 197.000 sind von einer chronischen und seltenen Erkrankung betroffen, deren Inklusion durchaus verbesserungswürdig sei. Auch die Zwei- bis Dreiklassenmedizin stehe einer Chancengleichheit im Wege: So leidet etwa jeder vierte Schüler (23,93 Prozent) aktuell an Symptomen psychischer Krankheiten.

Einerseits gäbe es viel zu wenig Psychotherapieplätze auf Krankenschein, andererseits fänden viele Kinderarztpraxen mit Kassenvertrag keinen Nachfolger.”Sehr viele Kinder bekommen nicht die Behandlung, die sie brauchen.” mahnte Kinderliga-Geschäftsführerin Caroline Culen.

Ein wachsendes Problem sei auch das Thema Übergewicht und Adipositas, das sich trotz Gegenmaßnahmen nicht nachhaltig verbessere. Jeder vierte Lehrling und jedes vierte Volksschulkind der 3. Schulstufe gilt derzeit als übergewichtig.

Von: apa

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