Das Ziel #mitregieren wird sich aber nicht erfüllen

Köllensperger mischt Südtiroler Parteienlandschaft auf

Montag, 22. Oktober 2018 | 12:15 Uhr

Bozen – Nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses in Südtirol fragten sich außerhalb der autonomen Provinz südlich des Brenners am Montag wohl viele: Wer ist Paul Köllensperger? Dem 48-jährigen Unternehmer gelang bei der Landtagswahl ein Überraschungserfolg, seine vor wenigen Monaten gegründete Liste wurde zweitstärkste Partei hinter der SVP. Das erklärte Ziel Mitregieren dürfte sich für Köllensperger aber wohl nicht erfüllen.

Dennoch gelang es dem Team Köllensperger die Parteienlandschaft in Südtirol gehörig aufzumischen. Die Liste kam auf 15,2 Prozent und kann sechs Abgeordnete in den Landtag schicken. Bisher gab es auf deutschsprachiger Seite traditionell nur die Opposition rechts der Südtiroler Volkspartei (SVP) sowie die Grünen. Köllensperger präsentierte sich im Wahlkampf bewusst als Kandidat der Mitte, der sich politisch weder links noch rechts verorten will.

Ideologisch ist der Unternehmer damit von der SVP gar nicht weit entfernt. Punkten konnte er aber mit dem Glanz des Neuen. Mit dem Schlagwort Erneuerung konnte er wohl auch viele bisherige Wähler der seit dem 1948 regierenden SVP für sich gewinnen. Auch die rechtspopulistischen Freiheitlichen verloren offenbar massiv an den neuen Mitbewerber. Die Vision Köllenspergers ist ein erneuertes Südtirol ohne Parteibuchlogik und ohne Ideologien. Im Wahlkampf setzte er bewusst auf Sachthemen wie Verkehr und Gesundheit sowie auf den Kampf gegen Politiker Privilegien.

Viele Menschen in Südtirol seien schon lange der Meinung gewesen, dass es eine Opposition zu der seit Jahrzehnten regierenden SVP brauche, meint der Politologe Günther Pallaver von der Universität Innsbruck. Bisher hätten viele daher die Freiheitlichen gewählt. Nun seien vor allem die liberale Wähler zu Köllensperger gewechselt.

Mit seiner ruhigen, sachlichen Art schaffte es der Bozner in den vergangenen Jahren sich zu einer Marke zu machen. Seit 2013 saß der 48-Jährige nämlich bereits für die Fünf-Sterne-Bewegung im Südtiroler Landtag. Für die in Rom regierende populistische Partei dürfte das Wahlergebnis besonders bitte sein. Ihr einstiger Spitzenkandidat in Südtirol Köllensperger holte 2013 erstmals ein Landtagsmandat für die Partei. Mit seiner seriösen, konstruktiven Oppositionspolitik erwarb sich der Politiker Popularität und Respekt über die Parteigrenzen hinweg.

Im diesjährigen Wahlkampf wollte Köllensperger mit der nationalen Partei ein Übereinkommen finden, um eine autonomere Südtirol-Liste aufzustellen, die auf die Besonderheiten der autonomen Provinz – darunter die Zweisprachigkeit – eingehen kann. Nachdem die italienische Fünf-Sterne-Partei nicht einverstanden war, trennte sich Köllensperger von der Bewegung und stellte seine eigene Liste auf.

Im Team Köllensperger versammelte er 25 Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft – unter anderem aus den Bereichen von Bürgerlisten – aus allen Landesteilen. Unter dem Slogan “Mut für Neues” setzte die Liste auf Sachthemen wie Verkehr, Gesundheit und Wirtschaft. “Wir haben ein ausgefeiltes Programm und im Gegensatz zu jenen, die uns nun attackieren, nicht auf Themen wie Doppelpass, Flüchtlinge oder Wolf und Bär gesetzt, sondern auf Themen, die die Menschen direkt betreffen wie Sanität und Verkehr”, so Köllensperger selbst dazu.

Der Wahlslogan #mitregieren wird sich aber wohl nicht verwirklichen lassen. Die Regierungsbeteiligung dürfte daran scheitern, dass sich unter den sechs gewählten Kandidaten des Team Köllensperger kein italienischer Kandidat befindet. Die SVP braucht aber wegen des ethnischen Proporzes einen italienischen Koalitionspartner.

Köllensperger will seine Liste dennoch dauerhaft als politischer Player in der Südtiroler Parteienlandschaft etablieren. Er hat angekündigt, die Partei nach der Wahl umbenennen zu wollen, um von der Personifizierung wegzukommen und breiter aufzustellen: “Ich will das Team zu einer Kraft in der politischen Landschaft machen, die nicht mehr wegzudenken ist, in einem Land, das zu lange von einer Partei regiert wurde.”

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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21 Kommentare auf "Köllensperger mischt Südtiroler Parteienlandschaft auf"


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werner66
werner66
Superredner
24 Tage 13 h

Der Herr Köllensberger könnte ja versuchen selbst eine Regierung zusammenzustellen. 
Wenn es gelingt die Opposition zu vereinen, hat sie eine Mehrheit.
Dann könnte auch eine neue Politik begonnen werden, wo nicht nur die Bauern und die Wirtschaft profitieren, sondern auch die Arbeitnehmer.

So ist das
So ist das
Superredner
24 Tage 13 h

Man kann nicht alles Ziele erreichen, aber die Parteienlandschaft hat sich deutlich erneuert. 🤔

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
24 Tage 13 h

und ändern wird sich nichts, denn die globalisation ist stärker als alle Parteien!

Wolke
Wolke
Tratscher
24 Tage 13 h
Auf mich persönlich wirkt Köllensperger wie ein kluger Kopf mit wachem Geist und einem sympathischen, unkomplizierten Naturell. Ich fand es gut, dass er sich zuerst 5 Jahre in die Landespolitik hineingewöhnen und erfahren konnte, wie dort intern der Hase läuft und was es in dem ganzen Spiel braucht. Dass er sich nach dieser Zeit nicht wieder in sein eigenes Leben zurückgezogen hat, sondern noch motivierter ein ganz neues – sein eigenes – Projekt akribisch auf die Füße gestellt hat, fand ich gut. Ich denke, er hat gute teamorientierte Führungsqualitäten und hätte das Zeug für zielführende, sinnvolle, konstruktive und effiziente Arbeit. Ob all… Weiterlesen »
Ninni
Ninni
Universalgelehrter
24 Tage 13 h

So ist es..das Volk hat gewählt

Ein BRAVOUR Herr Paul Köllensperger…nun gib Gummi und zeig das wahre Gesicht Südtirol.

Magnago, Hut ab und Danke für alles an ihm.

Er wird sich bekenntlich im Grabe zeigen, SCHLEIMHAUFEN brauchen wir nicht.

ALLES ALLES BESTE FÜR UNSERE ZUKUNFT. DANKE

Sag mal
Sag mal
Kinig
24 Tage 5 h

ich hab Ihn n i c h t gewählt .

Bauchnoblwollwuzl
Bauchnoblwollwuzl
Grünschnabel
24 Tage 12 h

Ich glaube es ist besser wenn das Team Köllensperger nicht in der Regierung mit der SVP ist. Da müssen viel zu viele (teils faule) Kompromisse eingegangen werden. In der Opposition kann die aufrechte und gerade Linie weiter gegangen werden.
Früher oder später kommt sowieso niemand an dieser neuen Partei vorbei.

kleinerMann
kleinerMann
Superredner
24 Tage 12 h

Warum sollte sich das Ziel mitregieren nicht erfüllen – es gibt Gerüchte, dass Ploner zu Gunsten von Schir den Platz räumt, damit eine “echte” Italienierin dabei ist, wenn die SVP mit ihnen regieren will/möchte/muss/darf. Deswegen . . . noch ist nicht aller Tage Abend und würde mich interssieren wie die SVP auf eine solche Nachricht reagieren würde !?

SilverLinings
SilverLinings
Grünschnabel
24 Tage 10 h

Ein kluger Schachzug der logisch wäre … wenn er das durchzieht dann alle Hochachtung für Herrn Ploner, der für das große Ganze auf seinen eigenen Vorteil verzichtet. Davon gibt’s sehr wenige … und in der Politik wäre er sowieso eine absolute Ausnahme.

Wolke
Wolke
Tratscher
24 Tage 8 h

Ja, das wäre echt genial. Wenn Kompatscher und Achammer klug wären, würden sie Köllensperger auf diese Weise mit ins Boot holen – der hat manchmal zu gewissen Themen und anstehenden Aufgaben einen sehr klaren und pragmatischen Durchblick und das könnte sich die Führungsriege zum beidseitigen und allgemeinen Wohl sehr zunutze machen. Ich kann mir vorstellen, dass Köllensperger gut damit zurecht käme nicht selbst persönlich auf dem Regierungsstuhl zu sitzen, wenn die Chemie zwischen ihm und Schir passt … ich kenne sie nicht und kann das deshalb nicht selbst einschätzen.

Staenkerer
24 Tage 6 h

sell war natürlich der clou schlecht hin!
nahm in der SVP de grundloge der billige ausrede und zeugat vor de loialität der menschen de köllensberger um sich gschar hot! do wars nor wirklich, nit kanditiern für an guatn versorgungsposten, sondern um eppas zu bewegen!

ober a so hot er mehr erreicht wie i je gedenkt honn und i schätz das er und seine mittstreiter a storke oposition obgebn !!

So sig holt is
So sig holt is
Superredner
24 Tage 13 h

wor zu erworten dass lega und dor kölle stork sein

wellen
wellen
Superredner
24 Tage 10 h

Besser er bleibt in der Opposition und klopft der SVP auf die Finger. Das nächste Mal übernimmt er den Laden .. Er ist die neue Volkspartei, Partei für das Volk nicht für die Macht und das Geld

Pic
Pic
Tratscher
24 Tage 13 h

Laut Köllensperger ist seine Partei auch eine Volkspartei und sie ist zusätzlich wirtschaftslastig. Die SVP lässt Grüßen. Ein Unglück kommt selten allein. 

Ingalingreichts
24 Tage 9 h

Abwarten… weiterschauen! Gratulation Kölle

longwolf
longwolf
Tratscher
24 Tage 4 h

ausser Schnattern konn der Kölle a nichts. Das wird sich noch herausstellen. Der wird gleich schnell fallen gelassen wie er jetzt hochgehalten wurde. Es gibt nur einen Ausweg. Salvini. Der Südtiroler Landtag ist eine komplette lächerliche Kasperlebühne.

obrlond
obrlond
Neuling
24 Tage 6 h

Kriagt dr Kölle iatz eigentlich in job von Mussner oder vo dr stockrin oder weard er Vize? Laut vorzugsstimman miasat sell schun drinnen sein.

Loewe
Loewe
Superredner
24 Tage 6 h

Gratuliere!!

Viel Erfolg!! 👌👌👌

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
24 Tage 12 h

Zum Glück wird er nicht mehr über den Server der Casaleggio & Co. gesteuert.

eddiiiee
eddiiiee
Grünschnabel
24 Tage 6 h

Gratuliere, af 5 intressanta johr😊

1litermuelch
1litermuelch
Tratscher
23 Tage 21 h

Wenn dr kölle schlau genua isch, donn geat er net in die opposition mit dr svp und verhindert somit an puff inerholb seiner partei.
So steat die svp vor an riesen problem
Lega?!? 👎🏻
Hoast a 3er und sem isch a kaos vorprogrammiert und dr kölle profitiert

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