Wintertourismus wird zum Streitthema

Köstinger: “Virus verbreitet sich nicht auf Skipisten”

Freitag, 27. November 2020 | 15:04 Uhr

Die Österreicher werden – sofern es die Infektionszahlen erlauben – nicht aufs Skifahren rund um Weihnachten verzichten müssen. Das hat Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erneut klargemacht. Die Ministerin lehnt die Vorstöße anderer Länder ab, die Wintersaison erst Mitte Jänner zu starten. “Das Virus verbreitet sich nicht auf den Skipisten, sondern vor allem auch in geschlossenen Innenräumen”, sagte Köstinger Donnerstagabend in der “ZiB2”.

Wandern in der freien Natur, Skitouren gehen oder auch Skifahren sollen möglich sein, sofern es die Infektionszahlen auch zulassen. Après-Ski werde es hingegen “mit Sicherheit nicht geben”.

Seit Beginn der Woche haben sich Italien, Frankreich und Deutschland für ein Verschieben der Wintersaison ausgesprochen. Die Geschehnisse in Ischgl sitzen noch tief. In dem Tiroler Wintersportort war es zu einem größeren Ausbruch des Coronavirus gekommen. Die ersten Fällen wurden Anfang März bekannt, die Ansteckungen sollen vor allem in Après-Ski-Lokalen passiert sein.

Von einer Öffnung der Skigebiete erst Mitte Jänner hält Köstinger dennoch nichts. “Auch wir geben Italien nicht vor, wie nächstes Jahr der Karneval auszuschauen hat oder wann in Frankreich der Louvre wieder öffnet, geschweige denn, ob Deutschland die Schulen aufsperren soll oder zusperren soll”, sagte die Ministerin in dem ZiB-Beitrag. “Wir werden die Entscheidungen in Österreich selber treffen.”

Auf ein genaues Datum ließ sich Köstinger freilich nicht festnageln. “Wir haben kein Interesse daran, den Tourismus frühzeitig zu starten, ganz im Gegenteil, auch wir haben immer die Lage im Gesundheitssystem vor Augen, beobachten das sehr intensiv, werden gleichzeitig die Betriebe und die Mitarbeiter bestmöglich unterstützen”, so die Tourismusministerin.

Probleme beim Anstellen, in den Gondeln oder Seilbahnen sieht Köstinger nicht. “Wir haben eine ähnliche Herausforderung auch im öffentlichen Verkehr, erleben das tagtäglich auch im Frühverkehr mit den U-Bahnen, wo tausende Menschen dann auch zur Arbeit kommen und zur Arbeit gehen, auch hier haben die Seilbahnbetreiber bereits Sicherheitskonzepte vorgelegt.”

Der NEOS-Politiker Josef Schellhorn vermisst unterdessen weiterhin eine langfristige Strategie im Corona-Management seitens der türkis-grünen Bundesregierung. Als Touristiker bezieht er sich bei dieser Kritik vor allem auf die gefährdete Wintersaison und warnt vor einem kurzfristigen Hochfahren “ohne Sicherheitskonzept” und einem dann aus seiner Sicht “vorprogrammierten dritten Lockdwon im Jänner”.

In diese Richtung würde der Weg der türkis-grünen Bundesregierung aber zeigen, so der Oppositionspolitiker. Die angekündigten Massentests würden nur eine Momentaufnahme darstellen und könnten die Wintersaison nicht retten. Daher seien andere Wege angebracht.

Die eine Möglichkeit wäre es aus Sicht von Schellhorn, Handel, Gastronomie und Tourismus mit einem Sicherheitskonzept hochzufahren, das rasche Tests, Kontaktverfolgungen und Isolierung Infizierter beinhaltet. Dazu brauche es eine Verlustkompensation für die Unternehmen. Diese sei fürs Aufsperren im Tourismus notwendig, weil ausländische Gäste heuer ausbleiben würden. Betriebe wie Nacht- und Eventgastronomie die nicht aufsperren dürften, brauchten die vielfach seitens der NEOS geforderte sogenannte freeze-Lösung.

Die zweite Variante für Schellhorn ist jene vom italienischen Ministerpräsident Giuseppe Conte ins Spiel gebrachte: Die Tourismusbetriebe gehen in einen Winterschlaf. “Das wäre für den Steuerzahler die kostspieligste Variante, außer es gibt zusätzliche EU-Beihilfen der einen Wintertoursimus-Lockdown abfedert.” Solche seien aber nicht in Sicht. “Ein Kompromiss wäre, dass für die Betriebe, die sich das Aufsperren nicht leisten können, ein Verlustersatz bezahlt wird. Damit wäre eine Überkompensation verhindert und die Betriebe hätten eine wirtschaftliche Basis”, so der Politiker am Freitag gegenüber der APA.

“Kommt es zu einem dritten Lockdown im Jänner, droht selbst liquiden, innovativen Tourismusbetrieben das Aus”, warnt Schellhorn. Tourismusministerin Köstinger spreche zwar gegenüber Medien davon, dass man Risiken im Wintertourismus ausschließen werde. Ein echtes Sicherheitskonzept habe sie aber bis dato aber nicht vorgelegt, meint Schellhorn.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verteidigte unterdessen die faktische Schließung der Grenze nach Österreich für Ski-Urlauber bis Jahresende und bat das Nachbarland um Verständnis. Allerdings sei “Ischgl nicht vergessen”, sagte Söder am Freitag in einer Regierungserklärung im bayerischen Landtag.

Bis mindestens Ende des Jahres müssen auch Reisende, die für weniger als 48 Stunden zu Zwecken des Skifahrens oder anderer Freizeitaktivitäten aus Deutschland nach Österreich fahren, nach ihrer Rückkehr in eine zehntägige Quarantäne “ohne Entschädigung”, betonte Söder. Die Schließung des Wintersportbetriebs über Weihnachten und Silvester, die von Italien und Frankreich unterstützt würde, richteten sich nicht gegen jemanden, sondern würden im Interesse eines “erhöhten Sicherheitslevels” ergriffen.

In Bayern würden die Betreiber der geschlossenen Wintersporteinrichtungen wie Seilbahnbetreiber “sehr großzügig” entschädigt, fügte Söder hinzu. Möglicherweise würde so etwas auch in Österreich helfen.

Von: apa

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