Lange war an einem Friedenspakt gearbeitet worden

Kolumbianische Regierung und FARC-Rebellen schlossen Frieden

Mittwoch, 24. August 2016 | 21:10 Uhr

Nach fast vierjährigen Verhandlungen hat die kolumbianische Regierung mit den linken FARC-Rebellen Frieden geschlossen. Seit 2012 war in Kuba an einem Friedenspaket gearbeitet worden. Der Vertrag soll Ende September unterzeichnet werden, teilte die Regierung mit. Das Ergebnis muss noch in einem Referendum vom Volk angenommen werden. Die Volksabstimmung soll im Oktober stattfinden.

Seit Tagen feilten Unterhändler der Regierung und der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia/FARC) an den letzten Details. Teilweise wurde über 18 Stunden am Stück verhandelt. Thema war unter anderem, wie die linksgerichteten Rebellen nach Niederlegung ihrer Waffen vor Angriffen durch rechte Paramilitärs geschützt werden können. Auch wie die Rebellen, die in den Drogenhandel involviert sind, ein politisches Projekt gründen können, stand zur Diskussion.

Mit der Union Patriotica (UP) versuchte die FARC in den 1980er Jahren schon einmal, in die Politik einzusteigen. Paramilitärs töteten Tausende Anhänger und Politiker der UP – worauf sich der Kampf im Untergrund verschärfte.

Diskutiert wurden zuletzt vor allem noch die Finanzierung des Friedensprozesses und die Sicherung von 17 Friedenszonen im Land, in denen frühere FARC-Kämpfer legal leben können. Bereits vereinbart ist eine Sonderjustiz mit Haftstrafen von maximal acht Jahren. Rund 2.000 inhaftierte Kämpfer können beim Abschluss eines Vertrags auf ihre Entlassung hoffen. Derzeit soll die FARC noch 8.000 Kämpfer haben.

Ein Waffenstillstand war schon Ende Juni erreicht worden. Einer Studie zufolge ist durch die Verhandlungen die Intensität des Konfliktes auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Kämpfe zwischen Militär und Rebellen 1964 gesunken. In den vergangenen Monaten habe es die wenigsten zivilen Opfer, getöteten Kämpfer und gewaltsamen Aktionen gegeben, teilte das Zentrum für Konfliktstudien (CERAC) mit. Im internen Konflikt Kolumbiens starben seit den 1960er Jahren über 220.000 Menschen; rund fünf Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos bei einem Treffen in Bogota wirtschaftliche und politische Unterstützung in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro zu.

Nach dem Ende des Konflikts wird ein weiterer Anstieg der Wirtschaftsleistung erwartet, da Unternehmen dann auch in bisher unsicheren Regionen investieren könnten. Für 2016 wird ein Wachstum von rund drei Prozent erwartet – das stärkste in Südamerika. Bereits 2015 legte die Wirtschaftsleistung in Kolumbien um 3,1 Prozent zu.

Die Waffen in Kolumbien noch nicht niedergelegt hat die kleinere Guerillatruppe ELN.

Von: APA/dpa

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