Die Vertragsunterzeichnung wurde im kolumbianischen Fernsehen übertragen

Kolumbiens Regierung und FARC-Rebellen schlossen Frieden

Donnerstag, 25. August 2016 | 11:39 Uhr

Über 50 Jahre der Gefechte, Folter und Vertreibung in Kolumbien gehen zu Ende. Auf Kuba haben sich die Regierung und die linke Guerillaorganisation FARC auf einen Friedensvertrag geeinigt. “Nach über einem halben Jahrhundert der Kämpfe haben sich die Regierung und die FARC darauf verständigt, den bewaffneten internen Konflikt ein für alle Mal zu beenden”, teilten die Unterhändler am Mittwoch mit.

“Lasst uns gemeinsam eine neue Etappe unserer Geschichte beginnen”, sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá. “Lasst uns aus unserer Nation das Land machen, von dem wir immer geträumt haben: Ein Land in Frieden.” Das Abkommen soll im September unterzeichnet werden.

Mit der Einigung in Kuba wird der älteste Konflikt Lateinamerikas beigelegt. In den Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Rebellen und rechten Paramilitärs kamen seit den 1960er-Jahren über 220.000 Menschen ums Leben.

“Der Krieg ist vorbei”, sagte der Chefunterhändler der Regierung, Humberto de la Calle. “Die FARC hören auf, als bewaffnete Gruppe zu existieren und beginnen ihr Leben in der Demokratie.” Die linken Rebellen wollen künftig als politische Partei für ihre Ziele eintreten. “Wir haben die schönste aller Schlachten gewonnen: den Frieden in Kolumbien”, sagte der Delegationschef der Farc, Iván Márquez.

Die Guerilla räumte ein, für die Opfer des Konflikts mitverantwortlich zu sein. “In jedem Krieg werden Fehler gemacht”, sagte FARC-Unterhändler Márquez. “Unser Beileid für die Familien der Opfer. Reichen wir uns die Hände und rufen gemeinsam: Nie wieder.”

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte die Einigung. “Jetzt wo die Verhandlungen abgeschlossen sind, braucht es genauso entschlossene und beispielhafte Anstrengungen, um den Vertrag umzusetzen”, sagte Ban in New York. US-Präsident Barack Obama gratulierte der kolumbianischen Regierung zu dem Friedensvertrag.

Die katholische Kirche in Kolumbien warnte hingegen vor allzu großer Euphorie. Das Abkommen bedeute zunächst einmal ein Ende des Krieges, ein wirklicher Frieden müsse aber erst erarbeitet werden, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Luis Augusto Castro Quiroga, laut Kathpress im Radio. “Dies ist die große Aufgabe des Postkonfliktes”, so Castro. Dabei müsse die Suche nach der Wahrheit an erster Stelle stehen.

Am 2. Oktober müssen die Kolumbianer das Paket noch in einer Volksabstimmung billigen. In den jüngsten Umfragen lagen Befürworter und Gegner des Friedensabkommens mit jeweils rund 31 Prozent gleichauf. Die Gegner des Vertrags kritisieren vor allem, dass die Guerillakämpfer mit relativ milden Strafen davonkommen dürften.

“Die Kolumbianer halten den Schlüssel zu ihrer Zukunft in den Händen”, sagte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos in Bogotá. Der Frieden werde dem südamerikanischen Land mehr Bildung, Tourismus, Arbeitsplätze und Wohlstand bringen. Der Leiter der Regierungsdelegation, Humberto de la Calle, beschwor seine Landsleute, den Friedensvertrag anzunehmen: “Die Zukunft des Landes steht auf dem Spiel.”

In den Verhandlungen einigten sich die Unterhändler der Regierung und der FARC bereits auf eine Landreform, auf die künftige politische Teilhabe der Rebellen, auf neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer. Innerhalb von sechs Monaten sollen die Rebellen nun unter Aufsicht der Vereinten Nationen ihre Waffen niederlegen.

Außerdem vereinbarten beide Seiten ein eigenes Justizwesen zur Aufarbeitung der Verbrechen des Konflikts. Für politische Straftaten wird eine weitreichende Amnestie gewährt. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräumt, muss mit einer Freiheitsstrafe von höchstens acht Jahren rechnen.

Die Europäische Union stellte Kolumbien für die Zeit nach dem Konflikt wirtschaftliche Unterstützung in Aussicht. Insgesamt stünden mehr als 400 Millionen Euro zur Verfügung, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zuletzt bei einem Besuch in Bogota.

Von: APA/dpa

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