Antreten nach zweiter Periode offen

Kompatscher will “Absolute”

Donnerstag, 21. September 2017 | 08:05 Uhr

Bozen – Südtirols LH Arno Kompatscher zeigt sich hinsichtlich der Chancen der Südtiroler Volkspartei (SVP) bei der im Herbst 2018 stattfindenden Landtagswahl optimistisch. Sein “erklärtes Ziel” sei die Wiedererlangung der im Jahr 2013 verloren gegangenen absoluten Mandatsmehrheit für die SVP, sagte Kompatscher im Interview mit der APA. Ein erneutes Antreten nach der kommenden Periode ließ er indes offen.

“Aus meiner Sicht ist es jetzt wieder realistischer als vor fünf Jahren, dieses Ziel zu erreichen”, meinte Kompatscher im Hinblick auf eine mögliche erneute “Absolute”. Man müsse sich aber noch ordentlich anstrengen, fügte der Landeshauptmann, der nicht gleichzeitig Parteichef ist, hinzu. Enttäuschend wäre hingegen ein Wahlergebnis, das unter dem der Landtagswahl im Jahr 2013 liegt. Damals kam die Sammelpartei auf 45,7 Prozent der Stimmen. “Es muss das Ergebnis 2013 mit einem Plus sein”, legte sich der Landeshauptmann eine Mindestlatte.

Dass die kommende Legislaturperiode seine letzte im Amt des Landeshauptmannes sein wird, “könnte sein, ist aber offen”, so Kompatscher. Der Landeschef hatte sich bereits öfters für eine zeitliche Begrenzung der Amtszeit ausgesprochen. Nunmehr gibt es ein Gesetz, in der eine Mandatsbeschränkung für den Landeshauptmann auf 15 Jahre festgelegt ist. “Meine persönliche Vorstellung ist, dass auch zehn Jahre schon eine sehr lange Zeit sind”, meinte der 46-Jährige. Ob es dann für ihn tatsächlich diese zehn Jahre sein werden, wisse er aber noch nicht, so Kompatscher, der im Jänner 2014 Luis Durnwalder nachfolgte. Dieser war 25 Jahre lang Südtiroler Landeschef.

Sein Ziel und seine Vision sei es, Südtirol – mit all seinem Traditionsbewusstsein und seiner gleichzeitigen Offenheit und sprachlichen Vielfalt – zu einer “europäischen Modellregion” zu machen. Der Beginn seiner Amtszeit sei kein einfacher gewesen, schließlich sei er “einem Großen nachgefolgt, der das Amt sehr geprägt hat”, meinte Kompatscher. “Durnwalder und Landeshauptmann – das ist irgendwann eine Einheit geworden. Ich habe eine Wahnsinnshochachtung vor der Lebensleistung des Luis Durnwalder”, betonte er. Die Erwartungshaltung an seine Person sei zu Beginn eine übermäßig und unrealistisch große gewesen, dies habe sich inzwischen gelegt. Er erfahre viel Zustimmung, die Menschen würden unter anderem seine “Verlässlichkeit” schätzen.

Sein Politikstil sei natürlich mitunter ein anderer als jener Durnwalders. Gewisse Dinge müsse man auch anders machen, denn: “Die Zeiten ändern sich”. Er pflege einen “partizipativeren Stil”, bei dem auch die Sozialpartner mehr eingebunden würden. Dafür zeige er schon allein aus zeitlichen Gründen weniger Präsenz etwa bei Volksfesten als sein omnipräsenter Vorgänger, räumte Kompatscher ein. Der Sonntag gehöre zudem seiner Familie, meinte der siebenfache Vater. Der Landeshauptmann unterstrich gleichzeitig, dass er bereits 72 Bürgerversammlungen in den Gemeinden abgehalten habe. Und schon allein aufgrund seines Lebenslaufes als Handwerkersohn, der während seiner Ausbildung etwa auch am Bau gearbeitet habe, könne man ihm Bodenständigkeit und Volksnähe nicht absprechen. “Wo ich nicht dabei bin, ist zum Beispiel beim ‘Bandldurchschneiden'”, so der Landeshauptmann. Dies überlasse er den “Dorf-Honoratioren”, denen dies auch zurecht zustehe.

Als größten Erfolg seiner bisherigen Zeit als Landeshauptmann wertete Kompatscher die mit Rom ausgehandelte Finanzregelung, die erstmals auf eine bilaterale Ebene gehoben worden sei. Dabei handle es sich um eine Erweiterung der Autonomie “in einem ganz sensiblen, dem zentralsten Bereich”. Man habe sich gegenüber dem Zentralstaat entscheidend abgesichert. Weiters führte er die Lösung der Krise des landeseigenen Energieversorgers SEL ins Treffen. Zudem herrsche in Südtirol Vollbeschäftigung und die Wirtschaftsaussichten seien so gut wie schon seit zehn Jahren nicht.

Zum laufenden Nationalratswahlkampf in Österreich wollte sich Kompatscher nicht äußern. “Für mich ist es wichtig, eine Bundesregierung zu haben, die eine klare Europapolitik fährt. Weil das ist auch eine Garantie dafür, dass in den Beziehungen mit Italien etwas weitergeht”.

Von: apa

Bezirk: Bozen