Reimon kritisiert Steuererleichterungen für große Konzerne

Konzerne zahlen in EU fast nirgendwo offiziellen Steuersatz

Dienstag, 22. Januar 2019 | 14:56 Uhr

Großkonzerne profitieren überdurchschnittlich von Steuerprivilegien und Steuerschlupflöchern in der EU. Das ist das Ergebnis der Studie “Effective Tax Rates of Multinational Enterprises in the EU” der Grünen im Europaparlament. Je größer und internationaler der Konzern, desto weniger Steuern zahlten diese auch in Österreich, kritisierte der grüne Ko-Delegationsleiter, Michel Reimon am Dienstag.

Die Studie basiert nach Angaben der Grünen auf erhältlichen länderspezifischen Steuerdaten, der sogenannten Orbis-Datenbank. Der gesetzliche Unternehmenssteuersatz beträgt in der EU demnach durchschnittlich 23 Prozent, doch die Firmen zahlen im Schnitt nur 15 Prozent.

In Österreich zahlen Unternehmen laut der Studie im Durchschnitt etwa 13 Prozent Unternehmenssteuern, der gesetzliche Steuersatz liegt bei ungefähr 25 Prozent. Der Zeitraum der Untersuchung umfasst die Jahre 2011 bis 2015, für Österreich wurden Daten von 2.217 Unternehmen ausgewertet.

“Die von Schwarzblau geplante Steuerreform wird diese Politik weiter verschärfen und Großkonzerne noch mehr bevorzugen. Wichtige Reformen gegen Steuerdumping der EU-Mitgliedstaaten werden unter anderem von Österreich im (EU-)Rat blockiert. Die Rechnung zahlen KMUs und Bürger”, kritisierte Reimon.

Die “substanzielle Lücke” zwischen nominalem und effektivem Steuersatz entsteht nach Angaben der Autoren durch Sonderabsprachen einzelner EU-Mitgliedstaaten mit multinationalen Unternehmen, Steuerschlupflöcher wie Patentboxen und die doppelte Nichtbesteuerung von Gewinnen durch unvollkommene Doppelbesteuerungsabkommen.

Überraschenderweise lag der effektive Steuersatz in Irland mit 16 Prozent über dem nominalen Satz von 13 Prozent, auch in Griechenland war die Unternehmensbesteuerung mit 28 Prozent höher als nominell mit 24 Prozent. Diese beiden Länder sind den Angaben zufolge die einzigen, in denen der effektive Steuersatz höher als der nominelle war.

Am geringsten ist laut Studie die tatsächliche Steuerlast für Unternehmen in Luxemburg mit zwei Prozent (gegenüber nominellen 29 Prozent), am höchsten in Italien mit 30 Prozent (gegenüber nominell 31 Prozent).

Derzeit werden die Gewinne von multinationalen Konzernen in der EU in jedem Land getrennt besteuert. Das fördert auch Gewinnverschiebungen in Länder mit niedrigeren Steuerbelastungen. Am Mittwoch wollen auch die Sozialdemokraten im Europaparlament neue Daten zur Steuerlücke in der EU veröffentlichen.

Von: apa

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2 Kommentare auf "Konzerne zahlen in EU fast nirgendwo offiziellen Steuersatz"


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MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
27 Tage 12 h

Noch schlimmer in Deutschland,da haben  Schäuble und Merkel und Co. wissend jahrelang CUM EX Geschäfte zugelassen und Otto Normalbürger der brav seine vollen Steuern bezahlt hat VERARSCHT!😡😡😡

Tabernakel
27 Tage 10 h

Du hast sicher nie Steuern hinterzogen und schwarz arbeiten lassen?

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Die stärkste Abweichung wurde für Luxemburg ermittelt

Konzerne zahlen in EU fast nirgendwo offiziellen Steuersatz

Uhr

Multinationale Unternehmen zahlen nach einer Studie der Grünen im EU-Parlament fast nirgendwo in der EU den gesetzlich vorgeschriebenen Steuersatz. Dieser beträgt laut Studie in der EU durchschnittlich 23 Prozent, die Firmen zahlen aber im Schnitt nur 15 Prozent. In Österreich waren es für Multis demnach im Zeitraum 2011 bis 2015 offiziell 25 Prozent, effektiv 13 Prozent.

Es gebe deutliche Unterschiede zwischen den offiziell geltenden Steuern und der tatsächlich gezahlten Abgabenlast, teilten die Grünen am Dienstag mit. Kleinere Firmen würden “in den meisten Ländern spürbar benachteiligt werden gegenüber grenzüberschreitend tätigen Konzernen: Je größer das Unternehmen, desto geringer der effektive Steuersatz”. Die stärkste Abweichung zeige Luxemburg: Der offizielle Wert sei 2011 bis 2015 bei 29 Prozent gelegen, tatsächlich hätten Unternehmen durchschnittlich aber nur gut 2 Prozent gezahlt. In Deutschland liegt die Abgabenlast laut Studie eigentlich bei 29,5 Prozent; der Untersuchung zufolge führten Unternehmen aber tatsächlich nur 19,6 Prozent an den Fiskus ab. Lediglich in Bulgarien wurde keine Abweichung festgestellt.

Österreich zähle zu den günstigsten Staaten für die Wirtschaft, so der “Standard” (Dienstagsausgabe). Haken an der Untersuchung sei, dass die Datenlage nicht die beste sei. Die Studie greife auf die Datenbank Orbis zurück. Deren Zahlen seien zwar “die besten, die verfügbar sind, sie sind aber weit davon entfernt, perfekt zu sein, und wiesen eine Reihe von Mängeln auf”, schreibe der Studienautor Petr Jansky. Eines der Probleme sei, dass Orbis unkonsolidierte Bilanzzahlen erfasse.

Zudem würden Bilanzregeln von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt. So würden die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS in Österreich nur für Kapitalgesellschaften angewendet, in anderen Staaten für alle Unternehmen, so die Zeitung unter Berufung auf Roman Rohatschek vom Institut für Unternehmensrechnung der Uni Linz. Für gröbere Verwerfungen könnten auch Dividendenzahlungen sorgen.

Die teils große Lücke zwischen nominalem und effektivem Steuersatz entstehe einerseits durch “Sonderabsprachen einzelner EU-Mitgliedstaaten mit multinationalen Unternehmen”, erklärten die Grünen. Hinzu kämen Steuerschlupflöcher und “die doppelte Nichtbesteuerung von Gewinnen durch unvollkommene Doppelbesteuerungsabkommen”. Die Grünen fordern deshalb mehr Steuertransparenz in der EU. “Ein erster Schritt wären Berichte über die Steuerzahlungen globaler Konzerne in allen Mitgliedsländern wie Starbucks, Volkswagen und Apple”, erklärten sie.

Der österreichische grüne Europaabgeordnete Michel Reimon erklärte heute in einer Pressemitteilung: “Je größer und internationaler der Konzern, desto weniger Steuern zahlen diese in Österreich. Die von Schwarzblau geplante Steuerreform wird diese Politik weiter verschärfen und Großkonzerne noch mehr bevorzugen.”

Andreas Schieder, SPÖ-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl, betonte, dass man nach vielen Jahrzehnten der Steuersenkungen für Großkonzerne feststelle, dass die Konzerne auch diese Mini-Steuersätze nicht bezahlten. “Wir brauchen dringend Lösungen in der EU für dieses Problem und Österreichs Regierung muss endlich damit aufhören, diese zu blockieren”, so Schieder in einer Pressemitteilung.

Von: APA/ag.

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18 Kommentare auf "Konzerne zahlen in EU fast nirgendwo offiziellen Steuersatz"


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real1st
real1st
Tratscher
27 Tage 21 h

Wissen die Grünen das unsere intelligenten Linken diese Möglichkeiten geschaffen haben?

honsi
honsi
Grünschnabel
27 Tage 21 h

Rechte im linken Kleid, denn Kapital ist rechts.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
27 Tage 21 h

welchen schwachsinn schreibst du da zusammen, um was geht es dir eigentlich um objektive information oder um fake news???

typisch
typisch
Universalgelehrter
27 Tage 20 h
denkbar
denkbar
Kinig
27 Tage 22 h

Steuerflüchtlinge sind die teuersten Flüchtlinge!

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
27 Tage 19 h

sag’s der Lega!

Spamblocker
Spamblocker
Tratscher
27 Tage 21 h

die Europawahl im Mai wird den Lobbyisten Paradies ein Ende setzen !!

ivo815
ivo815
Kinig
27 Tage 21 h

😂😂😂 du arbeitest als Clown?

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

träum weiter

m69
m69
Kinig
27 Tage 23 h

Italienfreund “Juncker” muss anscheinend bei sich zu Hause nachfragen, wieso große Konzerne nur 2% An Steuern zahlen.

the hace
the hace
Grünschnabel
27 Tage 22 h

höchste Zeit, dass Global Player zur Rechenschaft gezogen werden!! Es darf nicht sein, dass diese durch Tochtergesellschaften Steuerschlupflöcher finden …

honsi
honsi
Grünschnabel
27 Tage 21 h

Solange die Völker nicht zusammenstehen wird man dagegen nicht ankommen. Teile und herrsche

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
27 Tage 22 h

Ein Grund mehr, dass dieser Junker endlich auf ein Nimmerwiedersehen verschwindet.

JingJang
JingJang
Tratscher
27 Tage 21 h

Ja die großen den Firmensitz in Luxemburg 2% Steuern zahlen und Kleinbetriebe gehen Kaputt. Für den kleinen hat die EU mehr Nachteile als Vorteile.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
27 Tage 23 h

na super!!!…..und uns pressen sie aus wie zitronen!!!….und diese infos müssen wir von den grünen erhalten..

BrixnSchaugn
BrixnSchaugn
Neuling
27 Tage 22 h

jaja aber das gleichen ja die bürger aus indem sie hinten und vor ausgenommen werden. dann passts ja

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
27 Tage 21 h

Wer war vor einiger Zeit in Luxenburg Finanzminister ? und was macht dieser feine Herr jetzt ?

Parteikartl
Parteikartl
Grünschnabel
27 Tage 20 h

De Eu Führung Junker und Asselborn – Luxemburger – ihr Interesse das 700.000 Einwohner Land lebt ausschließlich von Konzernensteuern, ein Widerspruch zur Union.
Do muaß i in Salvini & DiMaio recht gebn, wenn sie dogegn Schiaßn!

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