Politische Debatte um das Kopftuch

Kopftuch: Islamische Glaubensgemeinschaft rät zur Verhüllung

Montag, 06. März 2017 | 14:38 Uhr

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) rät erwachsenen weiblichen Muslimen zum Tragen eines Kopftuchs. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des theologischen Beratungsrats, über das die Tageszeitung “Österreich” berichtete. Kritik daran kam von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und SPÖ-Staatssekretärin Muna Duzdar.

“Für weibliche Muslime ab der Pubertät ist in der Öffentlichkeit die Bedeckung des Körpers, mit Ausnahme von Gesicht, Händen und nach manchen Rechtsgelehrten Füßen, ein religiöses Gebot und damit Teil der Glaubenspraxis”, heißt es in dem theologischen Gutachten durch Mufti Mustafa Mullaoglu. Bei der Vollverschleierung rät er, die “hiesige Tradition zu berücksichtigen und vom Tragen einer Gesichtsbedeckung abzulassen”. Die Entscheidung liege aber bei der Frau selbst.

Zudem betont der theologische Beratungsrat der IGGiÖ, dass es sich beim Kopftuch “und generell bei der Kleidung der muslimischen Frau” nicht um ein politisches oder religiöses “Symbol” (sondern um ein Gebot, Anm.) handle. Der Beschluss wurde bereits am 16. Februar verfasst und soll eine der ersten Stellungnahmen des Beratungsrats sein. Dieser wird aktiv, wenn mehrere Muslime innerhalb der Glaubensgemeinschaft Fragen zur Glaubenspraxis haben, eine solche Stellungnahme ist daher nicht verbindlich für die Mitglieder.

Dennoch hat eine politische Reaktion nicht lange auf sich warten lassen. Kurz lehnt eine Verpflichtung zum Kopftuch “klar ab”. “Ich fordere die IGGiÖ auf, offen zu sagen, wie sie zu der Empfehlung auf ihrer Website steht und ob sie dabei bleibt”, meinte er in der Tageszeitung “Österreich”. Duzdar meinte: “Eine solche Positionierung ist ein Angriff auf die Freiheit und Selbstbestimmung der Frauen.” Es sei nicht akzeptabel, dass Frauen und Mädchen in ihrer Freiheit eingeschränkt würden.

Zu einer Klarstellung sah sich IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun – er ist selbst Theologe – veranlasst, er kritisierte die Einmischung aus der Politik: Die Glaubensgemeinschaft sei eine staatlich anerkannte Religionsgesellschaft mit einem verfassungsrechtlich garantierten Bereich der inneren Angelegenheiten, meinte er auf der offiziellen Website. “Ob und allenfalls wie eine Kopfbedeckung zu tragen ist, fällt in das Zentrum dieser inneren Angelegenheiten.”

Die theologisch begründete Kopftuch-Empfehlung der IGGiÖ rief am Montag auch FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache auf den Plan. Er forderte vor allem Außenminister Kurz und Staatssekretärin Duzdar auf, das Islamgesetz neu zu verhandeln und das Integrationsgesetz “nachzuschärfen”.

“Sowohl das Islamgesetz als auch das geplante Integrationsgesetz sind zahnlos”, meinte Strache. Die aktuelle Debatte rund um das “Kopftuch-Gebot” der IGGiÖ zeige “vortrefflich die Bruchlinien zwischen den angeblichen Integrationsbestrebungen der Bundesregierung und den Intentionen der Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die sich der Integration verweigern”. Der “jämmerliche Schleiertanz” von Kurz und Duzdar müsse ein Ende haben.

Strache wünscht sich nun das Islamgesetz zurück an den Start und eine Nachschärfung des Integrationsgesetzes: “Das Kopftuch ist ein Symbol des politischen Islam, das Kopftuchverbot in allen Bildungseinrichtungen mit Öffentlichkeitsrecht – vom Kindergarten bis zu den Universitäten – muss die Stoßrichtung sein.”

Von: apa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Kopftuch: Islamische Glaubensgemeinschaft rät zur Verhüllung"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
ThunderAndr
Superredner
18 Tage 10 h

Jeder Mensch hat das Recht für sich selber zu entscheiden.
Allerdings hat er auch die Pflicht die Gesetze und Gepflogenheiten des Landes in dem er sich gerade aufhält zu befolgen !

ThunderAndr
Superredner
18 Tage 10 h

Jeder Mensch hat das Recht für sich selber zu entscheiden.
Allerdings hat er auch die Pflicht die Gesetze und Gepflogenheiten des Landes in dem er sich gerade aufhält zu befolgen !

ThunderAndr
Superredner
18 Tage 10 h

Jeder Mensch hat das Recht für sich selber zu entscheiden.
Allerdings hat er auch die Pflicht die Gesetze und Gepflogenheiten des Landes in dem er sich gerade aufhält zu befolgen !

zockl
Tratscher
18 Tage 8 h

soll sich jeder anziehen wie er will – in der Türkei laufe ich nicht in der Badehose in die Moschee – und in Europa sollte man seine Frau nicht unter Bettüchern verstecken – und vor allem seine hier aufgewachsenen Töchter nicht dazu zwingen – also jeder wie er will, aber da wo`s angesagt ist…keiner zwingt die Herrschaften nach Europa zu kommen….

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