Rechtsextreme verbrannten vor türkischen Botschaft den Koran

Koran-Verbrennung in Schweden sorgt für Protest der Türkei

Samstag, 21. Januar 2023 | 18:44 Uhr

Wegen einer in Schweden von den Behörden genehmigten Demonstration von Rechtsextremisten vor der türkischen Botschaft hat Ankara einen Ministerbesuch aus dem skandinavischen Land abgesagt. Die für 27. Jänner geplante Visite von Verteidigungsminister Pal Jonson habe nun ihre “Wichtigkeit und Bedeutung verloren” und sei deshalb gestrichen worden, erklärte am Samstag dessen türkischer Amtskollege Hulusi Akar. Das Präsidentenamt sprach von einer “Ermutigung zu Hassverbrechen”.

Jonson bestätigte die Entscheidung, seinen Türkei-Besuch zu verschieben, welche er zusammen mit Akar am Freitag bei einem Treffen im deutschen Ramstein getroffen hatte. Die Beziehungen zur Türkei seien “für Schweden sehr wichtig, und wir freuen uns darauf, den Dialog über gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungsfragen zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen”, erklärte er im Onlinedienst Twitter.

Jonson hatte sich während des Besuchs dafür einsetzen wollen, dass die Türkei ihren Widerstand gegen einen NATOo-Beitritt Schwedens aufgibt. Ankara ist jedoch erzürnt darüber, dass der Rechtsextremist Rasmus Paludan am Samstag vor der türkischen Botschaft in Stockholm demonstrieren durfte. Paludan verbrannte, wie zuvor angekündigt, während des Protests einen Koran.

Der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Demonstration trotz “all unserer Warnungen” zu erlauben, entspreche einer “Ermutigung zu Hassverbrechen und Islamophobie”. Der “Angriff auf heilige Werte” sei “keine Freiheit, sondern moderne Barbarei”.

Die NATO-Mitgliedschaft Schwedens könne unter diesen Umständen nicht gebilligt werden, schrieb der Vorsitzende der nationalistischen Partei MHP, die mit der Regierungspartei AKP koaliert, Devlet Bahceli, im Onlinedienst Twitter.

Nach Angaben eines AFP-Journalisten fand der Protest am Samstag wie geplant und unter großem Polizeischutz statt. Rund hundert Menschen, darunter zahlreiche Journalisten, versammelten sich in der Nähe der türkischen Botschaft in Stockholm.

Paludan, Chef der islam- und einwanderungsfeindlichen Partei Stram Kurs (Strammer Kurs), hielt eine knapp einstündige Rede und zündete im Anschluss eine Ausgabe des Koran mit einem Feuerzeug an. Seine Ansprache richtete sich gegen den Islam und gegen Migranten. “Wenn Sie gegen Meinungsfreiheit sind, müssen Sie woanders leben”, sagte er. Auf der anderen Seite der türkischen Botschaft fand indes eine kleine pro-türkische Demonstration statt.

Paludan hat bereits mehrfach bei Versammlungen in schwedischen Städten den Koran verbrennen lassen. Dies löste auch wiederholt Zusammenstöße zwischen Gegendemonstranten und der Polizei aus.

Bereits am Freitag hatte die Türkei den schwedischen Botschafter ins Außenministerium in Ankara zitiert, um die “provokative Aktion zu verurteilen, die eindeutig ein Hassverbrechen darstellt – in den stärksten Worten”, wie aus diplomatischen Kreisen verlautete. Es war bereits die zweite Einberufung des schwedischen Botschafters in Ankara innerhalb weniger Tage.

Zuletzt hatte die türkische Regierung den Schritt veranlasst, nachdem ein Video mit einer kopfüber hängenden Puppe Erdogans veröffentlicht worden war. Zu der Aktion hatte sich das Kurdische Rojava-Komitee Schwedens bekannt – eine Gruppe von Unterstützern der von den Kurden als Rojava bezeichneten Region im Norden Syriens. Am Samstag fand neben der rechtsextremen Demonstration in Stockholm auch eine Protestveranstaltung kurdischer Aktivisten statt. Daran beteiligten sich mehrere hundert Menschen.

Die Türkei und Ungarn sind die einzigen beiden NATO-Staaten, die bisher nicht den Weg für Schwedens Beitritt zur NATO freigemacht haben. Als Voraussetzung für seine Zustimmung zum schwedischen Beitrittsantrag verlangt Ankara von Stockholm unter anderem eine härtere Gangart gegen kurdische Aktivisten, welche die türkische Regierung als “Terroristen” betrachtet.

Von: APA/AFP

Kommentare

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7 Kommentare auf "Koran-Verbrennung in Schweden sorgt für Protest der Türkei"


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brunner
brunner
Universalgelehrter
6 Tage 15 h

Ja ja….bei diesem Thema versteht Diktator und Muslimbruder Erdogan keinen Spass…..will er doch die Islamisierung des Abendlandes….lächerlich

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
6 Tage 14 h

man verbrennt keine Bücher. PUNKT. Sonst ist man Nazi.

pfaelzerwald
5 Tage 20 h

@bon jour
Einfache Frage: Wieviele Kirchen (und damit wohl auch Bibeln, Messbücher etc) brannten schon in muslimischen Ländern?

Sara Lea
Sara Lea
Tratscher
6 Tage 12 h

Bücherverbrennung gab es in D bereits von 03 – 10/1933 von NSDAP, SA, HJ und dt. Studentenschaft. Die Welt/Fascisti haben nichts dazu gelernt.
Zum Abschluß ein Zitat von Heinrich Heine: “Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Doolin
Doolin
Kinig
6 Tage 4 h

…in Südtirol sind die Fascios hoffähig geworden…

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
5 Tage 21 h

Die Genehmigung der Veranstaltung durch die schwedischen Behörden halte ich angesichts der Lage in Europa für mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar instinktlos und unnötig wie ein Kropf….

Trina1
Trina1
Kinig
6 Tage 2 h

Es gibt so viele Unruhen auf der Welt, solche Provokationen müssen wirklich nicht sein!

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