Eine Hotline zwischen den beiden Koreas wurde eingerichtet

Koreanische Gipfelvorbereitungen erhielten Auftrieb

Sonntag, 22. April 2018 | 14:35 Uhr

Nach der nordkoreanischen Ankündigung eines Atom- und Raketenteststopps werden in Südkorea die Vorbereitungen für den Gipfel am Freitag mit vorsichtigem Optimismus vorangetrieben. Nach Behördenangaben vom Sonntag verzichtet Präsident Moon Jae-in für die kommenden Tage auf alle auswärtigen Termine, um sich auf das Treffen mit Machthaber Kim Jong-un an der innerkoreanischen Grenze vorzubereiten.

Für Montag waren weitere Gespräche auf Arbeitsebene vorgesehen, um Fragen des Protokolls, der Sicherheit und des Umgangs mit den Medien zu besprechen. Moon hatte die nordkoreanische Ankündigung vom Samstag als großen Schritt zu einer Denuklearisierung der Halbinsel bezeichnet. Das abgeschottete Land will staatlichen Medien zufolge ab sofort seine Kernwaffen- und Raketentests aussetzen.

Die Atomtestanlage im Norden werde geschlossen, hieß es unter Berufung auf Kim: Man habe das Ziel erreicht, Atomwaffen zu entwickeln. Im Dialog mit der internationalen Gemeinschaft sollten nun Frieden und wirtschaftliches Wachstum erreicht werden. Kim sprach allerdings nicht davon, dass das bestehende Atom- und Raketenarsenal abgebaut werden soll. Die US-Regierung verlangt von Nordkorea eine komplette Aufgabe des Atomprogramms.

Ungeachtet dessen lobte Trump die Ankündigung wie mehrere andere Staaten auch. Darunter war auch China – der einzige große Verbündete Nordkoreas. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einem Schritt nach vorn. Allerdings sei wichtig, dass dieser zu einer überprüfbaren atomaren Entwaffnung führe. Verteidigungsminister Itsunori Onodera warnte davor, den Druck auf Nordkorea zu lockern.

Einige südkoreanische Experten zeigten sich skeptisch. Nordkorea habe wiederholt angekündigt, das Atomprogramm einzufrieren, sagte Nam Sung-wook von der Korea-Universität in Seoul. “Wir erinnern uns alle, wie es in den vergangenen Jahrzehnten mit diesen Versprechen und Zusagen weiterging.”

Nach jahrelangen Spannungen haben sich die Beziehungen des Landes zum Süden und zu den USA verbessert. Den Grundstein dafür legte Kim in einer Neujahrsansprache, als er erklärte, sein Land sei “eine friedliebende und verantwortungsbewusste Atommacht”. Nordkoreas Teilnahme an den Olympischen Winterspielen im Süden sorgte für eine weitere Entspannung. Nord- und Südkorea befinden sich formell im Kriegszustand. Der Konflikt von 1950 bis 1953 wurde mit einem Waffenstillstandsabkommen beendet.

Kim sagte laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA bei einer Sitzung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei, Nordkorea habe erfolgreich Atomwaffen entwickelt, auch die Verkleinerung von Sprengköpfen sei gelungen. Daher seien “keine Atomtests und Tests von Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen mehr nötig”. Die Atomtestanlage habe damit “ihre Aufgabe erfüllt”.

Laut KCNA galt der Verzicht auf Atom- und Raketentests bereits ab Samstag. Bei dem Testgelände handelt es sich um die unter einem Berg gelegene Anlage in Pyunggye-ri, die laut Experten durch die bisherigen Tests ohnehin schwer in Mitleidenschaft gezogen ist.

Zugleich bekräftigte Kim seinen Anspruch auf Nuklearwaffen: Die atomare Bewaffnung sei ein “wunderbarer Sieg”, sagte Kim laut KCNA. Der Besitz der Atomwaffen sei eine “beständige Garantie”, die den Nachfahren “das würdevollste und glücklichste Leben in der Welt” sichere.

Von: APA/ag.

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