In Paris kam es vermehrt zu Zusammenstößen mit der Polizei

Krawalle bei “Gelbwesten”-Demos in Frankreich und Belgien

Samstag, 08. Dezember 2018 | 22:31 Uhr

Bei Demonstrationen der “Gelbwesten” ist es in Paris erneut zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Am Samstag war ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften im Einsatz, um erneute gewalttätige Krawalle zu verhindern. Am Nachmittag spitzte sich die Lage jedoch zu. Wieder brannten Autos, Geschäfte wurden angegriffen, Demonstranten versuchten, Barrikaden zu errichten.

Bis zum Abend beteiligten sich in Frankreich rund 125.000 Menschen, sagte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner. Davon seien 10.000 in der Hauptstadt Paris gezählt worden. Im ganzen Land habe es knapp 1.400 Festnahmen gegeben, mehr als 970 Menschen seien in Gewahrsam genommen worden. 118 Demonstranten und 17 Sicherheitskräfte seien verletzt worden, sagte Castaner.

Auch in Belgien und den Niederlanden gingen Menschen in Warnwesten auf die Straße. In Frankreich nahmen die Proteste jedoch wieder das größte Ausmaß an. Es ist das vierte Wochenende in Folge, an dem die Bewegung der “Gelben Westen” in Frankreich massiv auf die Straße geht.

Dieses Mal griff die Polizei schon vor Beginn der Proteste in Paris durch: Bereits in der Früh wurden mehrere Hundert Menschen festgenommen. Grund sei in den meisten Fällen gewesen, dass die Menschen sich einer Gruppe angeschlossen hätten, die “Gewalt gegen Personen oder die Zerstörung von Gegenständen” vorbereitet habe, hieß es bei der Polizei.

Dennoch kam es ab dem Mittag in Paris vermehrt zu Spannungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Vielerorts lagen Rauch und Tränengas-Dunst über den Straßen. Demonstranten rissen auf dem Prachtboulevard der Champs-Elysees Holzbretter herunter, die Schaufenster von Geschäften schützen sollten, wie der Sender BFMTV berichtete. Einzelne Geschäfte wurden demnach geplündert. Im Zentrum der Stadt gingen wieder Autos in Flammen auf. Vereinzelt setzte die Polizei in der Innenstadt Wasserwerfer ein, um Demonstranten zurückzudrängen, die versuchten, Barrikaden zu errichten.

Premierminister Edouard Philippe sprach von einem “außergewöhnlichen” Sicherheitskonzept. In der Hauptstadt waren am Samstag nach früheren Angaben des Premiers 8.000 Polizisten und andere Ordnungskräfte im Einsatz. Die Polizei kontrollierte Taschen und Rucksäcke von Passanten und war mit Pferdestaffeln unterwegs. Auch gepanzerte Fahrzeuge der Gendarmerie waren erstmals im Zuge der “Gelbwesten”-Proteste im Einsatz.

Der Innenminister habe die Sicherheitskräfte angewiesen, nach den Krawallen der Vorwoche ihre Strategie anzupassen, sagte eine Sprecherin der Polizei im Sender France Inter. “Die Idee für uns ist wirklich, die friedlichen Demonstranten (…) von anderen, möglicherweise feindseligeren Demonstranten, Plünderern und Randalierern zu trennen.”

Der französische Premierminister Edouard Philippe setzt auf Dialog mit den Demonstranten. “Der Dialog hat begonnen und muss fortgesetzt werden”, sagte Philippe am Samstagabend nach den jüngsten Ausschreitungen in Paris und anderen Städten. Präsident Emmanuel Macron werde sich äußern “und Maßnahmen vorschlagen, die diesem Dialog Nahrung geben” sollen.

Bereits am vergangenen Wochenende war es in Paris und anderen Städten zu Krawallen gekommen. Geschäfte wurden geplündert, der Triumphbogen wurde stark beschädigt. Die Regierung legte wegen der Proteste der “Gelbwesten” die geplante Steuererhöhung für Benzin und Diesel bereits auf Eis. Die Wut der Protestbewegung hatte sich einst an diesem Vorhaben entzündet – mittlerweile reichen die Forderungen viel weiter: von mehr Steuergerechtigkeit über mehr Kaufkraft bis hin zum Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron.

Im Zentrum der Hauptstadt blieben am Samstag zahlreiche Metrostationen auf Geheiß der Polizei geschlossen – die Bahnen hielten nicht an, sondern fuhren durch. Etliche Geschäfte im Zentrum der Stadt öffneten mitten in der Vorweihnachtszeit nicht für ihre Kunden – darunter auch berühmte Kaufhäuser wie die Galerie Lafayette.

Auch viele Sehenswürdigkeiten in Paris blieben geschlossen, darunter zahlreiche Museen und das Wahrzeichen der Stadt, der Eiffelturm. In der Früh war es dort menschenleer – Touristen standen nicht wie üblich Schlange. Die Stimmung in der Innenstadt war angespannt – Hubschrauber kreisten über dem Zentrum. Teilweise irrten Touristen umher, die nicht mitbekommen hatten, dass die großen Kaufhäuser geschlossen haben.

In zahlreichen anderen Städten Frankreichs demonstrierten ebenfalls “Gelbe Westen”. In Städten wie Lyon, Bordeaux, Toulouse und Marseille kam es Berichten zufolge zu Ausschreitungen. In Lyon etwa attackierten Menschengruppen die Sicherheitskräfte mit Flaschen und Pyrotechnik, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Polizei reagierte mit Tränengas.

Wieder wurden mehrere Autobahnen im Land bei dem Protest blockiert. Die Polizei kontrollierte bis zum frühen Nachmittag nach eigenen Angaben mehr als 5.000 Menschen auf den großen Verkehrsachsen und an Mautstellen.

In Brüssel im Nachbarland Belgien wurden bei “Gelbwesten”-Protesten nach Angaben der Polizei rund 400 Menschen festgenommen. Vor allem im Europaviertel der Hauptstadt kam es zu Zusammenstößen von Demonstranten mit der Polizei. Insgesamt hätten sich rund 1.000 Menschen an den Protesten beteiligt, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Rund 500 Menschen seien bis vor die EU-Gebäude in der Innenstadt gezogen, die von der Polizei abgeriegelt worden seien, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Einem kleinen Teil der Gruppe sei es gelungen, die Barrikade zu durchbrechen. Dabei seien Flaschen und ein Wegweiser auf Polizisten geworfen worden. Diese hätten mit Tränengas reagiert.

Zeitgleich besetzten mehrere Hundert “Gelbwesten” einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Brüsseler Europaviertel. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen die Straßenbesetzer vor. In kleinerem Umfang gab es auch in den Niederlanden Protestaktionen.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

29 Kommentare auf "Krawalle bei “Gelbwesten”-Demos in Frankreich und Belgien"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Septimus
Septimus
Superredner
5 Tage 22 h

Wenn das auf andere EU,-Länder übergreift..🤔🤔…zem sog i lei mehr..”Pfiata Nocht”..Erinnert mi andie Franz.Revolution 😱😱..das Volk begehrt auf…

Rechner
Rechner
Superredner
5 Tage 18 h

Haha gegen wen wollen sie denn in Italien auf die Straße gehen? Bei uns sind die Gelbwesten ja an der Macht und bringen NULL zu Stande.

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
5 Tage 17 h

@septimus…….auf ntv meldet man schon Proteste der Gelbwesten auch in Brüssel und den Niederlanden

Tabernakel
5 Tage 17 h

@Spitzpassauf

Blödsinn. Dein Wunsch ist Vater des Gedanken.

https://www.n-tv.de/politik/1000-Festnahmen-bei-Gelbwesten-Protest-article20762169.html

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 16 h

@Rechner
es hat sich einiges getan,nur versucht man ständig steine in den weg zu legen

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
5 Tage 16 h

@Tabernakel
Das ist kein Blödsinn. Kam heute in den Nachrichten.

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
5 Tage 15 h
Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
5 Tage 14 h

@tabi….von wegen Blödsinn…..wenn du deinen eigenen link ganz durchlesen würdest…oder jetzt wurde sogar hier der Bericht aktualisiert……

Tabernakel
5 Tage 12 h

Das ist der MOB nicht das Volk.

Tabernakel
5 Tage 12 h

@Rechner

der italienische MOB regiert und bringt nichts zu Stande.

Tabernakel
5 Tage 12 h

@Waltraud

Welchen Nachrichten vertraust Du? PI-News?

Tabernakel
5 Tage 18 h

Das ganze ist von Le Pen inszeniert.

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
5 Tage 17 h

@Tabi……willst du nicht auch noch Putin und Trump die Schuld geben….die sind doch sonst auch immer an allen schuld

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 16 h

oder salvini ist schuld

Tabernakel
5 Tage 14 h
denkbar
denkbar
Kinig
5 Tage 11 h

@typisch .Mamma mia was seid ihr blind!

JingJang
JingJang
Tratscher
5 Tage 21 h

Wenn jetzt nicht Europaweit eine Lösung kommt, wird es wohl bald überall krachen. Reagiert Frankreich nicht könnte es schnell zum Bürgerkrieg ausarten. Senkt Frankreich wirklich die Steuern und erhöht Löhne, werden Nachbarländer wohl auch anfangen zu Protestieren. Deswegen muss die Eu eine Lösung finden.

Rechner
Rechner
Superredner
5 Tage 18 h

@jingjang
Und wenn es kracht werden jene die wenig haben nichts mehr haben und jene die viel haben noch viel mehr. Das hat uns die Geschichte hundertfach bewiesen

JingJang
JingJang
Tratscher
5 Tage 17 h

@Rechner da gebe ich dir Recht, am schlimmsten trifft es die Mittelschicht, weil die Armen haben jetzt schon nichts. Ob das Volk aber immer so dumm bleibt und den Reichen alles wieder schön aufbaut?

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 16 h

@Rechner
glaubst du die reichen ziehen sich gelbwesten an?

Tabernakel
5 Tage 12 h

@typisch

Bei jeder Autopanne.

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 19 h

jetzt hat frankreichs präsident keine zeit mehr salvini zu kretisieren der sich gerade einen ablacht

Tabernakel
5 Tage 14 h

Krete? Ist in der Toscana.

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 14 h

@Tabernakel
schwachsinn, im kongo!

Kropfli
Kropfli
Tratscher
5 Tage 19 h

Gegen den Kapitalismus werden die Menschen noch über Frankreich hinaus protestieren. Die Spaltung zwischen Arm und Reich geht unaufhörsam weiter. Und sobald das Bargeld abgeschafft wird, werden die letzten Stimmen versummen, denn dann kann der Staat dem Bürger per Knopfdruck das Leben zur Hölle machen. Und das nimmt dann keiner mehr in Kauf und der Bürger resigniert.

Paul
Paul
Universalgelehrter
5 Tage 38 Min

die Polizei ist damit beschäftigt Politiker vor dem aufgebrachten Volk zu schützen , soviel zur demokratischen EU

Paul
Paul
Universalgelehrter
3 Tage 6 h

weg mit den Lobbypolitikern , die sind das wahre Übel in der EU

wpDiscuz