Putin weist Vorwürfe von Kreml-Kritiker zurück

Kreml-Chef Putin dementiert Nawalnys Palast-Vorwürfe

Montag, 25. Januar 2021 | 18:11 Uhr

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Recherchen zu seinem angeblichen Luxus-Palast an der Schwarzmeer-Küste zurückgewiesen. “Nichts von dem, was hier als mein Besitz aufgeführt wird, gehört mir oder meinen engen Verwandten, und das hat es auch niemals”, sagte Putin am Montag während eines Video-Gesprächs mit Studenten. Die Recherchen über das Anwesen hatte das Team des inhaftieren Kreml-Kritikers Alexej Nawalny veröffentlicht. Am Sonntag soll es neue Proteste geben.

Verbündete Nawalnys riefen nach den landesweiten Oppositionsprotesten zu erneuten Demonstrationen auf. “31. Jänner, 12.00 Uhr. Alle Städte Russlands. Für Nawalnys Freilassung. Für die Freiheit aller. Für die Gerechtigkeit”, twitterte der Nawalny-Vertraute Lenoid Wolkow am Montag. Nawalny ist der prominenteste Kritiker von Russlands Staatschef Wladimir Putin.

Die russische Regierung wies unterdessen Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Anhänger Nawalnys zurück. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow wandte sich am Montag gegen unterstützende Äußerungen des US-Gesandten John Sullivan für die Proteste, wie die Nachrichtenagentur RIA berichtete. Die Proteste wurden demnach von Rjabkow als illegal bezeichnet. Vor den landesweiten Demonstrationen am Samstag hatte die US-Botschaft in Moskau einen Warnhinweis veröffentlicht. US-Bürger sollten sich demnach von den Protesten fernhalten, hieß es in dem Hinweis, in dem dann die Orte aufgelistet wurden, an denen es zu Demonstrationen kommen sollte.

Das russische Außenministerium kritisierte unterdessen Facebook und andere soziale Medien. Sie seien nicht entschieden genug gegen falsche Beiträge bezüglich der nicht genehmigten Proteste vorgegangen, erklärte das Ministerium laut RIA. Man werde sich dieser Frage weiter annehmen. Am Samstag hatten in ganz Russland Zehntausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Wladimir Putin und für die Freilassung des inhaftierten Oppositionspolitikers Nawalny demonstriert. Allein in Moskau versammelten sich nach Schätzungen von Reuters-Reportern rund 40.000 Menschen zu einer der größten Protestkundgebungen seit Jahren. Nach Angaben der Beobachtergruppe OVD-Info nahm die Polizei mehr als 3.400 Menschen fest.

Am Montag berieten auch die Außenminister der EU-Staaten in Brüssel über mögliche Reaktionen auf das Vorgehen der russischen Regierung gegen Nawalny und dessen Anhänger. Diplomaten zufolge will die EU allerdings erst im Februar entscheiden, ob sie weitere Sanktionen gegen Russland verhängt. Demnach soll ein für Anfang Februar geplanter Moskau-Besuch des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell abgewartet werden.

Er wolle die seit längerem bestehende Einladung des russischen Außenministers Sergej Lawrow annehmen, sagte Borrell am Montag in Brüssel. Der Besuch werde in der ersten Februar-Woche stattfinden und sei eine gute Gelegenheit, klare Botschaften der EU zur aktuellen Lage zu übermitteln. Die Außenminister der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen hatten Borrell zuvor schriftlich gebeten, aus Protest gegen die Inhaftierung Nawalnys eine Verschiebung des Moskau-Besuchs zu erwägen. Sie fordern zudem zusätzliche EU-Sanktionen gegen Russland.

Borrell erklärte am Montag, er halte es für wichtig, mit Moskau zu reden, bevor es im März beim nächsten EU-Gipfel eine strategische Diskussion über die Beziehungen der EU zu Russland gebe. Er werde mit der russischen Regierung auch über Nawalny reden.

“Es wird sehr viel davon abhängen, wie dieses Gerichtsurteil ausfällt – ob Alexej Nawalny nach 30 Tagen wieder freikommt oder eben nicht”, sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas nach den Beratungen der EU-Chefdiplomaten in Brüssel. Über die Sanktionsfrage werde man reden, wenn man wisse, wie es weitergehe. Das nächste Gerichtsverfahren gegen Nawalny ist für den 2. Februar angesetzt.

Für eine schnelle und deutliche Reaktion gegenüber Russland warben in der EU vor allem östliche Mitgliedstaaten wie Polen, Estland, Litauen und Lettland. Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis schlug vor, ein neues, im vergangenen Jahr geschaffenes EU-Sanktionsinstrument zu nutzen, um den Druck auf die Führung in Moskau zu erhöhen. “Ich denke, dass es eine klare und entschiedene Botschaft braucht”, sagte er. Die EU müsse klarmachen, dass sie Menschenrechtsverletzungen nicht toleriert – egal ob sie in Minsk, Hongkong oder Moskau verübt werden.

Auch Österreich kritisierte die Vorgehensweise gegen den russischen Oppositionellen scharf. Andere sind allerdings zurückhaltender und wollen erst einmal abwarten, ob Nawalny länger in Haft gehalten wird.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

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27 Kommentare auf "Kreml-Chef Putin dementiert Nawalnys Palast-Vorwürfe"


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quilombo
quilombo
Grünschnabel
1 Monat 19 h
Navalnj wurde zu 30 Tagen Haft verurteilt, weil er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hat. Die Usa heben den Zeigefinger und Europa, gehorsam wie immer, erwägen Sanktionen gegen Rußland. Julian Assan sitzt seit fast 2 Jahren in London in einem Hochsicherheitsgefängnis für Schwerverbrecher, weil er eine Gerichtstermin nicht eingehalten hat. Nils Melzer, Sonderberichterstatter der UNO, hat festgestellt, daß Assange seither schwerer psychischer Folter ausgesetzt ist. Außerdem wird seine Zelle nicht geheizt, es sind dort maximal 10 Grad, und man verweigert ihm eine zusätzliche Decke. Den Usa ist es recht, Julian Assange hätte nicht die Kriegsverbrechen aufdecken sollen, welche sie geheimhalten wollten.… Weiterlesen »
Zugspitze947
1 Monat 11 h

quilombo : glaubst du den Käse selber auch ? einfach lächerlich deine Behauptungen 🙁

quilombo
quilombo
Grünschnabel
1 Monat 10 h

@Zugspitze947, immer brav Scheuklappen aufbehalten, gell! Und vergiß die Ohrenstöpsel nicht, damit du ja nichts mitbekommst von der Welt.

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
1 Monat 9 h

@Zugspitze947 : Assange ist ein skandalöses Opfer der US-Weltpolizei-Politik. “Die Überbringer der schlechten Nachrichten werden gehenkt”

DontbealooserbeaSchmuser
1 Monat 1 Tag

Sanktioniert fleißig weiter, liebe EU-Politiker.
Eure Doppelmoral und Scheinheiligkeit ist nicht mehr zu überbieten 😆

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
1 Monat 9 h

Dieser angeprangerte Palast steht wohl nicht erst seit gestern. Nawalny spielt ein billiges Spielchen. Es gibt beispielsweise eine Sitzung, wo Putin lauter Oligarchen eingeladen hatte, wo er denen die Hosen ordentlich stramm zog! In Russland stehen gerade die älteren Generationen mehrheitlich hinter Putin, weil sie die leeren Supermärkte unter Gorbatschow erlebt hatten. Die Reichen, und dazu gehört ja Nawalny selber, sind Anti-Putin.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 8 h

@Piefke-NRW
Putin ist aus meiner Perspektive Ying. Yang = Trump, chinesische, brasilianische… Machthaber. Glorifizierung der Vergangenheit, militaristischer Pomp und Sündenbock-Bashing. Die Beute wird an die Alpha-Beta-etc.-Rudelmitglieder verteilt. Erinnert an das deutsche Muster vor 7x Jahren.

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
1 Monat 7 h

@Hustinettenbaer : Sie finden dafür Leute wie den Bundesverkehrsminister Scheuer toll, oder? Verjubelt Hunderte von Millionen unserer Steuergelder, behindert die Ermittlungen und hockt immer noch auf seinem Posten! Waren Sie schon mal in RUS, oder worauf basieren Ihre klischeehaften Erkenntnisse?

quilombo
quilombo
Grünschnabel
1 Monat 23 h

hatte, dafür 2 Jahre lang als Schwerverbrecher behandelt und gefoltert wird.
In Europa werden keine Sanktionen gegen England erwägt.

DontbealooserbeaSchmuser
1 Monat 20 h

@quilimbo wer, Assange?

quilombo
quilombo
Grünschnabel
1 Monat 19 h

dieser Kommentar ist unvollständig. Es fehlt der 1. Teil, es geht um Julian Assange

magari
magari
Grünschnabel
1 Monat 8 h

Im Artikel gehts um Nawalny, nicht um Assange.

Look_at_Yourself
1 Monat 20 h

Es wäre besser, wenn die EU sich mit dem selbst verschuldeten Desaster bei der Bestellung der Impfstoffen und beim Impfen befassen würde!

magari
magari
Grünschnabel
1 Monat 5 h

Als wenn sich die EU immer nur seriell um 1 Sache kümmern könnte. Die EU ist ein Verbund einzelner Staaten, deren Außenminister kümmern sich um Außenpolitik, nicht um Gesundheit. Wieder Mal total am Thema vorbeigeschossen. Leute bleibt beim Thema.

quilombo
quilombo
Grünschnabel
1 Monat 23 h
Nawalnj wurde wegen Vertoß gegen die Bewährungsauflagen zu 30 Tagen Haft verurteilt. Die Usa erheben den Zeigefinger und Europa erwägt gehorsam weitere Sanktionen gegen Rußland. Julian Assange wurde wegen Verstoßes gegen die Kautionsauflagen in ein Londoner Hochsicherheitsgefängnis für Schwerverbrecher gebracht. Im April wird es zwei Jahre sein, daß er dort sitzt. (Nicht 30 Tage !!). Der Uno-Sonderberichtserstatter Nils Melzer hat festgestellt, daß Assange schwerer phsychischer Folter ausgesetzt wird. Zudem wird seine Zelle absichtlich nicht geheizt und man verweigert ihm eine zusätzliche Decke, obwohl die Temperatur 10 Grad nie überschreitet und er ununterbrochen friert. Aber es passiert nichts. Die Usa sagen… Weiterlesen »
magari
magari
Grünschnabel
1 Monat 8 h

Er hat gegen Bewährungsauflagen verstoßen, weil ein Mordanschlag auf ihn ausgeübt wurde. Kleines Detail am Rande.

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
1 Monat 7 h

@magari : was für ein Unsinn!

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 19 h

Das wird Russland aber sehr beeindrucken!

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
1 Monat 11 h

Schon mal den Palast von Erdogan gesehen? Der steht dem von Putin (wenn er denn ihm gehört) in nichts nach.
Da spricht keiner darüber. Aber den darf man ja nicht verärgern.

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
1 Monat 9 h

Richtig. Und Holland wird ja auch nicht kritisiert, dass dort massenhaft Anti-Corona-Maßnahmen Demonstranten eingebuchtet wurden!
Auch in Deutschland wird gegen verbotene Demonstrationen hart vorgegangen. In RUS gibt es Bilder, wo Minderjährige von Müttern an den Ohrwascheln von der Demonstration weg nach Hause geschleift wurden. Auf VKontakte, eine Art Facebook, wimmelt es von Videos, wo Teenager damit protzen, dass bei diesen Demos schön Action ist, und sie an Putin und Nawalny gar nicht interessiert sind! Es wird bei und so viel Mist über RUS propagiert! Und umgekehrt in RUS über den Westen ebenso. Über 200 TV Kanäle…

Jo73
Jo73
Superredner
30 Tage 20 h

@Piefke: Das ist jetzt aber nicht ihr Ernst oder? Wie kann man für solch einen Patriarchen wie Putin nur auch ein Fünkchen Sympathie übrig haben? Ein Führer, der über Leichen geht, der Menschenrechte mit den Füssen tritt? Und so jemanden verteidigen Sie? Bin sprachlos….

quilombo
quilombo
Grünschnabel
1 Monat 10 h

diese angebliche Residenz Putins, hat sich mittlerweile schon als Fake entpuppt.

eisern
eisern
Tratscher
1 Monat 8 h

Mal sehen ob jemals die Wahrheit rauskommt. Wer hat denn wirklich verlässliche Informationen. Russland ist ein großes stolzes Land welches sich nicht von außen beeinflussen lässt. Genau wie China, die USA usw.

magari
magari
Grünschnabel
1 Monat 5 h

Sind doch alles korrupte Länder. Schauen Sie sich Mal den Korruptionsindex an.

Jo73
Jo73
Superredner
30 Tage 18 h

@eisern: und deswegen weil sie ein stolzes Land sind dürfen sie die Menschenrechte mit Füssen treten? Leute, was ist mit euch los, wollt ihr bei euch auch solche Verhältnisse, dass ihr dafür überhaupt ein gutes Wort übrig habt…..unfassbar!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 11 h

Dr Vladi woass holt wos schian isch. A so a tam tam wegn a Woldhittl

magari
magari
Grünschnabel
30 Tage 11 h

Das ist keine Waldhütte. Das ist ein Palast im Wert von 1 Milliarde Euro.
Das Vermögen von Putin wird auf 200 Milliarden Euro geschätzt. Damit wäre er doppelt so reich wie die beiden reichsten Männer zusammen.

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