Ukraine wird sukzessive zerstört

Kreml droht Kiew mit härteren Bedingungen für Frieden

Dienstag, 19. Juli 2022 | 09:36 Uhr

Russland hat der Ukraine im Fall einer Wiederaufnahme von Friedensgesprächen härtere Bedingungen als zuvor in Aussicht gestellt. Bei den Verhandlungen im März in der Türkei seien konkrete Resultate erzielt worden, ehe Kiew den Kontakt abgebrochen habe, klagte Juri Uschakow, ein Berater von Russlands Präsident Wladimir Putin, am Montag der Nachrichtenagentur RBK zufolge. “Wenn jetzt also die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, dann zu völlig anderen Bedingungen.”

Der Vize-Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, demonstrierte Siegesgewissheit. Russland werde alle seine Ziele in der Ukraine erreichen, schreibt der frühere russische Präsident auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. “Es wird Frieden geben – zu unseren Bedingungen.”

Einzelheiten nannte Uschakow keine. Russische Truppen hatten sich nach den Verhandlungen – auch angesichts des erbittertem militärischen Widerstands der Ukrainer – nördlich von Kiew zurückgezogen. Daraufhin wurden unter anderem in der Kleinstadt Butscha Massengräber von Zivilisten entdeckt. Danach kam es bisher zu keinen neuen Friedensgesprächen.

Als Ziele des in Moskau “militärische Spezialoperation” genannten Kriegs gegen die Ukraine hatte Putin bereits im Februar die “Entnazifizierung” und “Entmilitarisierung” der Ukraine, ihren neutralen Status, die Abtretung der Gebiete Donezk und Luhansk sowie die Anerkennung der seit 2014 annektierten Krim als russisch genannt. Mit diesen Forderungen ist Moskau auch in die Verhandlungen gegangen.

Russische Truppen haben aber auch Teile des Gebiets Saporischschja im Südosten der Ukraine und fast das gesamte Gebiet Cherson im Süden besetzt. Die dort eingesetzte prorussische Verwaltung spricht seit längerem von Plänen, Referenden über einen Beitritt zu Russland durchzuführen. Ein Befehlshaber der russischen Truppen hat zudem die Schaffung eines russischen Korridors entlang der Schwarzmeerküste bis hin zur Konfliktregion Transnistrien in der Nachbarrepublik Moldau als Kriegsziel genannt.

Unterdessen nahmen russische Truppen ihre Attacken bei der Stadt Awdijiwka nahe der Großstadt Donezk wieder auf. Die Angriffe seien aber zurückgeschlagen worden, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Die von Russland gestützten Donezker Separatisten behaupteten hingegen, das Dorf Kamjanka erobert zu haben. Awdijiwka liegt im Gebiet Donezk nur wenige Kilometer nördlich der gleichnamigen Großstadt. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben beider Kriegsparteien nicht.

Den neuen Angriffsbemühungen war ein Befehl des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu vorausgegangen. Der hatte gefordert, die Angriffe in der Ukraine zu verstärken, um den Beschuss der Infrastruktur im von Russland besetzten Donbass zu verringern. Donezk war zuletzt häufig das Ziel ukrainischer Artillerieangriffe. Es ist erklärtes Ziel Moskaus, die Region wie zuvor das benachbarte Gebiet Luhansk komplett der ukrainischen Kontrolle zu entreißen.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs gibt es zudem weiter harte Kämpfe entlang der Verteidigungslinie zwischen Siwersk und Bachmut im nördlichen Teil des Gebiets Donezk. Die russischen Truppen sollen auch hier keine Geländegewinne erzielt haben. Eine Meldung über eine Eroberung von Siwersk durch die Russen wurde zuerst von russischen Korrespondenten und später auch vom Chef der Militärverwaltung der Stadt, Olexij Worobjow, gegenüber dem Freien Radio dementiert.

Die Ukraine wehrt seit knapp fünf Monaten eine russische Invasion ab. Die Vereinten Nationen haben seitdem über 5.100 getötete Zivilisten registriert.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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19 Kommentare auf "Kreml droht Kiew mit härteren Bedingungen für Frieden"


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spitzname
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Grünschnabel
20 Tage 13 h

Vielleicht müsste wirklich eine, nur eine ! Russische Ortschaft dem Erdboden gleichgemacht werden, damit diese Barbaren aus ihrem Rausch erwachen . Erbärmlich sind unsere Putinisten hier im Forum !

Doolin
Doolin
Kinig
20 Tage 2 h

…brauchts da immer noch Drohungen?…Realität ist schon schlimm genug…

Neumi
Neumi
Kinig
20 Tage 1 h

Dann würden alle Russen sehen, dass ihnen die Regierung die ganze Zeit über die Wahrheit erzählt hat.

N. G.
N. G.
Kinig
19 Tage 19 h

Damit würde man genau das tun was Putin will. Könntest davon ausgehen, dass er mobil machen würde und dann Millionen Soldaten kämen die mit Freude kämpfen würden!

Gredner
Gredner
Kinig
20 Tage 3 h

Den Russen geht die Munition sicher nicht aus: sie haben jahrzehntelang auf Vorrat produziert. Eher gehen ihnen die Soldaten aus.

Realist 2.0
Realist 2.0
Grünschnabel
20 Tage 28 Min

Wäre gleich was ihnen ausgeht, hauptsache es geht ihnen was aus

Philingus
Philingus
Superredner
20 Tage 16 Min

@Realist 2.0 Gut geschrieben. Noch besser: Putin geht endlich ein Licht auf …

Philingus
Philingus
Superredner
19 Tage 23 h

Putin weiss doch gar nicht was Frieden bedeutet. Er lebt doch abgeschottet in seiner Stalin-Revival-Blase. Insofern sind seine Drohungen nicht ernst zu nehmen. Er selbst ist die Bedrohung schlechthin. Ohne Putin gibt’s Frieden. Mit Putin Krieg, Zerstörung und Unterdrückung. Schlimm, so kleine, mit Minderwertigkeitskomplexen gespickte, Ausdünstungen der Weltgeschichte …

N. G.
N. G.
Kinig
19 Tage 19 h

Eun Traum oder ein Märchen das du hier erzählst? Darüber hat man in jeder Zeitung gelesen und in jedem TV Bericht gesehen, dass dem nicht so ist und hinter Putin noch einige Hardliner stehen die nur zu gerne an die Macht kämen und gern weiter führen würden was er begann.
Das ist Bullshit!

Philingus
Philingus
Superredner
19 Tage 16 h

@N. G. Weshalb Traum oder Märchen? Sie schreiben doch immer von „Realität“ und Gegenteiliges bzw. ihre Beurteilung Unterstützendes haben sie hier nicht geliefert. Außer dem „Bullshit“. (Es sei denn, sie wollen damit die Realität beschreiben, die seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine existiert. Dann haben sie recht.) Ansonsten kann ich nur Binsenweisheiten erkennen, den Hardliner – auch Gegner von Putin’s Politik – in den eigenen Reihen kann man wohl als selbstverständlich existent voraussetzen. Und eindeutig: die Bedrohung auch unseres Friedens lässt sich beim Namen nennen: Vladimir Putin.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
20 Tage 2 h

Was will man mit noch härteren Friedensbedingungen drohen, wenn doch defacto (Regimewechsel hin zu einer Marionettenregierung) eine bedingungslose Kapitulation verlangt wird. Putin ist bis heute nicht davon abgekommen und wird es auch nicht, solange er die Erreichung dieses Zieles als machbar hält.

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
19 Tage 23 h

Härtere Bedingungen?
Was denn den Todestod,zweimal sterben?
Es muss Schluss gemacht werden mit dem Krieg-es frisst uns alle auf!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
19 Tage 19 h

Frieden
Frieden kommt, wenn eine Seite nicht mehr kann.
Einen Krieg anzufangen, ist leicht, ihn zu beenden kann verdammt schwer sein. Das wird auch Putin noch lernen.
Ich hoffe für die Ukraine, dass sie ihr Land und ihre Freiheit weiterhin erfolgreich verteidigen können.

Unioner
Unioner
Tratscher
19 Tage 18 h

Das bedeutet Stalinismus für die Ukraine mit Deportation von 10000en Menschen nach Sibirien und nördlich des Polarkreises.Weil die Ukrainischen Menschen das wissen werden sie entweder kämpfen bis zum Ende oder flüchten. Alles furchtbar und leider wird spätestens wenn es Winter wird in Europa die Solidarität mit dem ukrainischen Volk nachlassen.

Kinig
19 Tage 17 h

Wie hat kürzlich eine ältere Frau vor iremmo zerstörten Haus gesagt ( russische Militär haben in Eilverfahren russische Pässe ausgestellt)
Mir egal welcher Pass, Hauptsache ich bekomme meine Rente ……

OH
OH
Superredner
19 Tage 13 h

Wer etwas anderes erwartet hat, ist ein Schelm !!!

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