AUA fliegt wieder nach Moskau

Kreml: Europäische Airlines dürfen Moskau weiter anfliegen

Freitag, 28. Mai 2021 | 14:09 Uhr

Russland will nach Verwirrungen um einige nicht genehmigte Flüge aus der EU die Verbindungen nach Moskau weiter erlauben. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag, es handle sich um “technische Probleme”, die ausgelöst worden seien durch die Empfehlung der EU, den Luftraum über Belarus (Weißrussland) zu umfliegen. Die Austrian Airlines nahmen am Freitag ihre Moskau-Flüge unter Umgehung des belarussischen Luftraums wieder auf.

“Die Luftfahrtbehörden arbeiten in diesen Tagen angestrengt daran, sie (die Probleme) zu beseitigen”, erklärte Kreml-Sprecher Peskow. Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija teilte mit, die Genehmigung von Alternativrouten dauere derzeit aufgrund der vielen Anfragen länger. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden hätten aber insgesamt 53 Maschinen Russland auf neuen Routen anfliegen können.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, machte indes am Freitagvormittag die EU für die Probleme verantwortlich. “Das was die Westler da gemacht haben, Flüge durch den Luftraum von Weißrussland aus politischen Gründen zu verbieten, ist eine völlige Verantwortungslosigkeit, die die Sicherheit der Passagiere in Gefahr bringt”, schrieb sie auf Facebook.

Zuvor hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens in Lissabon gesagt, er wisse noch nicht, ob es sich um Einzelfallentscheidungen oder um eine allgemeine neue Regelung der russischen Behörden handle, um europäische Flugzeuge dazu zu zwingen, über Belarus zu fliegen.

Die russischen Behörden hatten erklärt, dass es sich bei einzelnen betroffenen Verbindungen um Sonderverbindungen handle. Deutschland, das mit Russland einen regulären Flugverkehr wieder aufgenommen hatte, war von den Problemen nicht betroffen.

Als Antwort auf die erzwungene Landung einer Passagiermaschine und die Festnahme des Regierungskritikers Roman Protassewitsch am Sonntag in Minsk hatte sich die Europäische Union am Dienstag auf neue Sanktionen gegen Belarus geeinigt. Darüber hinaus wurden Fluggesellschaften mit Sitz in der EU aufgefordert, den Luftraum über Belarus zu meiden. Sowohl die Austrian Airlines als auch die französische Air France mussten daraufhin einzelne Flüge nach Moskau absagen, weil sie von den russischen Behörden zunächst keine Genehmigung für ihre Alternativrouten erhielten.

Am Freitag erteilten die russischen Behörden Austrian Airlines die Genehmigung für eine alternative Flugroute von Wien nach Moskau, die nicht über belarussischen Luftraum führt. Für die weiteren geplanten Passagierflüge nach Moskau sowie die Frachtflüge nach Nanjing in China ist die Genehmigung für die Alternativroute noch ausständig. Austrian Airlines erwartet allerdings auch hier eine positive Rückmeldung der russischen Behörden.

Als “wichtiges und richtiges Signal” bewertet Luftfahrt-Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP), dass die AUA die Genehmigung für den Flug nach Moskau erhalten hat. “Es ist im österreichischen und russischen Interesse, dass alle Flüge nach und über Russland problemlos durchgeführt werden”, so Brunner in einer Aussendung. “Die gestrige russische Reaktion war für Österreich absolut nicht nachvollziehbar”, betonte Brunner.

Bei ihren Ermittlungen zur erzwungenen Landung eines Flugzeugs in Belarus befragten die litauischen Behörden fast alle Menschen, die mit an Bord waren. Die Besatzungsmitglieder und rund 90 Prozent der Passagiere seien angehört worden, sagte der Leiter der litauischen Kriminalpolizei, Rolandas Kiskis, der Agentur BNS zufolge am Freitag in Vilnius. Noch nicht vollständig abgeschlossen sei die Untersuchung des Flugzeugs, das sich weiterhin am Flughafen von Vilnius befinde, hieß es.

Litauen leitete Ermittlungen wegen Entführung eines Flugzeugs ein. Kiskis zufolge habe der Flughafen Vilnius eine Drohnachricht über eine angebliche Bombe an Bord des Flugzeugs erhalten. Wann genau diese eingegangen sei, werde noch überprüft. Die litauische Staatsanwaltschaft will wegen des Vorfalls ein gemeinsames Team mit polnischen Ermittlern bilden. Polens Justizminister Zbigniew Ziobro hatte bereits am Montag Ermittlungen angeordnet.

Von: APA/dpa