Russland setzt Vereinbarung für Getreideausfuhren aus Ukraine aus

Kritik an Moskau wegen Stopp von Getreide-Lieferungen

Sonntag, 30. Oktober 2022 | 20:13 Uhr

Mit der Aussetzung des internationalen Abkommens zum Export von Getreide aus der Ukraine übers Schwarze Meer hat Russland scharfe Kritik sich gezogen. Westliche Regierungen und die NATO appellierten am Sonntag an Präsident Wladimir Putin, die Verpflichtungen der im Sommer geschlossenen Übereinkunft einzuhalten. UN-Generalsekretär António Guterres und die Türkei bemühen sich unterdessen das Abkommen zu retten.

UNO-Generalsekretär Guterres sei “zutiefst besorgt” und führe intensive Kontakte mit dem Ziel, die Aussetzung des Abkommens wieder rückgängig zu machen, teilte UN-Sprecher Stepháne Dujarric am Sonntag in New York mit. Guterres verschob deshalb auch seine Abreise zu einem Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Algerien.

Auch die Türkei setzt ihre Verhandlungen mit den zuständigen Akteuren fort, teilte das türkische Verteidigungsministerium am Sonntagabend mit. Die russischen Vertreter seien weiter im gemeinsamen Koordinierungszentrum in Istanbul.

Nach Angaben des russischen Vizeaußenminister Andrej Rudenko erwartet Russland für die nächsten Tage Gespräche mit den Vereinten Nationen und der Türkei über das Getreideabkommen. Bevor aber an eine Rückkehr Russlands zu der Vereinbarung zu denken sei, müsse der Drohnenangriff auf die Schwarzmeerflotte aufgeklärt werden.

Nach ukrainischen Angaben ist wegen des russischen Ausstiegs aus dem Abkommen die Weiterfahrt von 218 Frachtschiffen blockiert. 22 Schiffe mit Agrargütern seien bereit zum Auslaufen aus ukrainischen Häfen, teilt das Infrastrukturministerium mit. 95 weitere Schiffe hätten die Häfen bereits verlassen und warteten auf die abschließende Freigabe zur Weiterfahrt zu ihren Zielen. 101 leere Schiffe warteten auf die Freigabe zum Einlaufen in ukrainische Häfen.

Russland hatte seine Zustimmung zu den Exporten am Samstag “auf unbestimmte Zeit” ausgesetzt. Moskau begründete dies mit ukrainischen Drohnenangriffen auf seine Schwarzmeerflotte auf der Halbinsel Krim, die Moskau seit 2014 völkerrechtswidrig annektiert hat. Den Angaben nach wurden bei dem Angriff in Sewastopol am Samstagmorgen das Minenräumboot “Iwan Golubez” und einige Hafenanlagen beschädigt. Videoaufnahmen, die angeblich den Angriff zeigen, legten aber nahe, dass noch mehr Schiffe getroffen worden sein könnten.

Wegen Drohnenangriffen auf russische Schiffe aus dem geschützten Korridor im Schwarzen Meer könne Russland “die Sicherheit von zivilen Schiffen, die im Rahmen der oben genannten Initiative reisen, nicht garantieren”, erklärte der russische UNO-Botschafter Wassili Nebensja. Kiew hält dies für einen Vorwand.

Das im Juli unter Vermittlung der Türkei und der UNO vereinbarte Abkommen hatte die monatelange Blockade der ukrainischen Getreideausfuhren infolge des russischen Angriffskriegs beendet. Laut türkischen Angaben sind seither 9,3 Millionen Tonnen Getreide verschifft worden. Es war verabredet worden, dass die Schiffe und ihre Fracht jeweils bei der Durchfahrt durch die türkische Meerenge Bosporus kontrolliert werden.

Nicht nur für die Ernährung in vielen anderen Ländern ist dies von Bedeutung – auch für den Haushalt der Ukraine. Aus den Milliardeneinnahmen sollten letztlich auch die ukrainischen Bauern wieder eine neue Saat ausbringen können.

Ursprünglich sollte das Abkommen am 19. November auslaufen – wäre aber, wenn keine Seite widersprochen hätte, automatisch verlängert werden. Moskau hatte das Abkommen zuletzt immer wieder kritisiert, weil es sich infolge der Sanktionen des Westens bei den eigenen Getreide- und Düngemittelexporten ausgebremst sieht.

Das westliche Militärbündnis NATO rief Russland am Sonntag dringend auf, das Getreide-Abkommen wieder in Kraft zu setzen. Präsident Wladimir Putin müsse aufhören, Lebensmittel als Waffe einzusetzen, und er müsse den illegalen Krieg in der Ukraine beenden, sagt Sprecherin Oana Lungescu.

Auch die EU forderte Moskau dringend dazu auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. Das verlangte auch das österreichische Außenministerium. Russland missbrauche erneut auf zynische Art und Weise Nahrungsmittel als Waffe, hieß es am Sonntag in einer Stellungnahme. Russland spiele erneut leichtfertig mit dem Leben und den Lebensgrundlagen von Millionen besonders verwundbarer Menschen. “Wir fordern Russland dringend auf, die getroffenen Vereinbarungen zu respektieren und seiner internationalen Verantwortung nachzukommen.”

Auch US-Präsident Joe Biden warnte, dass das russische Vorgehen für noch mehr Hunger auf der Welt sorgen werde. Außenminister Antony Blinken erklärte: “Russland setzt Nahrungsmittel erneut als Waffe ein.”

Moskau verschärfe mit seinem Handeln den Hunger in Welt, sagte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Schon seit September verzögere Russland die gemeinsamen Kontrollen von Schiffen vor der Durchfahrt durch den Bosporus.

Es gebe überhaupt keine Anhaltspunkte, dass die Explosionen auf der besetzen Krim am 29. Oktober Grund für Russlands Ausstieg aus dem Getreide-Abkommen seien, sagte der ukrainische Botschafter in Österreich, Wassyl Chymynez, in einer schriftlichen Erklärung gegenüber der APA. Die lange Warteschlange von Frachtschiffen zeige, dass der Kreml bereits im September den Entschluss gefasst habe, den ukrainischen Export zu blockieren. Der Diplomat warnte in diesem Zusammenhang vor einer drohenden sozialen und politischen Destabilisierung in zahlreichen Staaten in Afrika und Asien. Chymynez brachte gleichzeitig die Erwartung zum Ausdruck, dass Partner der Ukraine den Druck auf Russland erhöhten, um eine Wiederaufnahme des Getreide-Korridors zu ermöglichen.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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28 Kommentare auf "Kritik an Moskau wegen Stopp von Getreide-Lieferungen"


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sophie
sophie
Kinig
1 Monat 6 Tage

Wie kann man eigentlich mit so einem verlogenen Diktator ein Abkommen abschliessen…???
Der einem im eigenen Mund das Wort umdreht…

So ist das
1 Monat 5 Tage

Das konnte ja nicht lange gutgehen 😳

himmelblau
himmelblau
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Sophie, das hat uns Frau Merkel und HerrSöder eingebrockt😢😢

Superredner
1 Monat 5 Tage

@himmelblau Nicht ganz, denn letztendlich ist der russische-rassistische Putin dafür verantwortlich. Und, welche Charakterzüge er hat, konnte man in Tschetschenien, Syrien und kann sie aktuell in der Ukraine sehen. Neben den Zündeleien in Afrika und weiteren Staaten Europas. Aber: in gewisser Weise waren frühere Staatschefs in Europa blind und hätten anders mit dem Kriegstreiber Putin verfahren müssen.

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 5 Tage

@himmelblau
dummes oberflächliches Gelaber

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage
Zuerst gabs Blockade von Russland, nach längerem hin und her trotzdem ne Vereinbarung und bis jetzt konnte Getreide ausgeführt werden. War das dann nicht besser als NICHTS? Also haben Vereinbarungen für einige Monate geholfen. Würde man deiner Logik folgen wollen und man hätte die letzten Monate darauf verzichtet, verzichtet mit Putin zu reden, würden weltweit viele hungern. Was war dann besser? Verhandeln oder gar nicht anfangen weil Putin nur macht was er will? Nicht besser tausende Tonnen haben Getreide als gar nichts? Selbst im Bericht steht, man ist mit Putin im Gespräch… Warum denn? Weil Politiker nicht so dumm sind… Weiterlesen »
Herrbert
Herrbert
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Merkel, Steinmaier und Gabriel, net Söder.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Herrbert..”Wer soll dein Herzblatt sein ? Jetzt musst Du dich entscheiden”:
1. Franz Josef Strauß
2. Mickey Mouse
3. Pippi Langstrumpf

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 6 Tage

…es ist ja sinnlos, mit Russen irgendein Abkommen zu schliessen…
😆

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

… und das für die nächsten Jahrzehnte, oder zumindest solange diese Diktatur besteht…..und nicht Reparationszahlungen an die Ukraine erfolgen….

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

Demnach war das Abkommen bis jetzt sinnlos? Wer hat dann vom Getreide gegessen was deiner Meinung nach nie ausgeführt werden hätte sollen!?
Daran erkennt man deine Oberflächlichkeit!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

@Oracle Dich hätte ich offen gestanden, nach all den gelesenen Kommentaren von dir, für intelligenter gehalten. Reperationen wirds, sofern es nicht politisch drastische Veränderungen in Russland gibt und die sind nicht absehbar, keine geben! Die Forderungen sind einfach naiv!

gamer6401
gamer6401
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Aktuell hält sich da wohl niemand an Vereinbarungen.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@gamer6401
Eigentlich nur die Russen nicht.
Wer hält sich denn sonst noch, nicht an Vereinbarungen?

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

                                                                                 
So viel zu “Verhandlungen” mit Russland.
Mit Russland kann man erst wieder seriös verhandeln, wenn Putin Geschichte ist und sich die russische Armee hinter die eigenen Grenzen zurück gezogen hat.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

Besser 5 Monate Getreide oder gar keines? Was ist besser? Frag die Hungernden! Wenns jetzt keines mehr gibt, ja, Scheisse aber du sagst Verhandlungen waren nie sinnvoll. DOCH, das waren sie!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@N. G.
1. Es waren nur 3 Monate.
2. Die UN hat beschlossen, dass trotzdem Getreide geliefert werden kann und hat Russland über den Beschluss informiert.

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Unserem Italien werden 1,2 Millionen Tonnen Weizen fehlen. Die Pasta und Brot werden unerschwinglich werden.

Hustinettenbaer
1 Monat 5 Tage

Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Genau der weizen muss nach afrika und nicht für deine pasta

Hustinettenbaer
1 Monat 4 Tage

@sarkasmus
Wie wäre es damit, weniger Brot… wegzuschmeißen ?
Dass ich da mir da auch an die eigene Nase packe, erkennst Du in der Statistik:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1125854/umfrage/verschwendung-von-lebensmitteln-in-ausgewaehlten-laendern-weltweit/

TKirk
TKirk
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Hallo Faktenchecker

Selbst wenn die Ukraine alles liefert könnte was sie haben (der Anteil am Weltmarkt ist ca. 9%), fehlt auf dem Weltmarkt am Ende ca. 20%

Anteil der weltweiten Weizen Exportmengen:
Ukraine 8,84%
Russland 19,67%
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1293852/umfrage/groesste-weizenexporteure-weltweit-marktanteil/

Die Fehlmenge von 20% ist wahrscheinlich der größere Preistreiber.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 5 Tage

Eine Kriegserklärung gegen die hungernden Menschen….und das alles nur, um der Ukraine möglichst großen Schaden zuzufügen, ähnlich wie durch Bombardierung der Infrastruktur und Wohngebäuden. Als gewollten Nebeneffekt (oder Haupteffekt?) werden vermehrt Flüchtlingsströme auf uns zukommen, was bei uns wieder zu großem Zoff führt, innerhalb eines Landes und zwischen den Staaten. Wir sind längst Ziel russischer Angriffe!

doco
doco
Tratscher
1 Monat 5 Tage

man sollte Putin für ein paar Tage ohne Essen irgendwo einsperren damit er.am eigenen Leib erfärt was Hunger heißt.

fritzol
fritzol
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

alle schimpfen und verurteilen putin aber denkt nach was so ein krieg mit sich bringt ,er nutzt nur seine macht aus,im krieg ist alles erlaubt auch Sanktionen

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Sie denken nicht, das ist das problem

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Putin denkt einfach, aber “logisch”😡. Wenn sich schon die eigenen Soldaten für ihr täglich Brot in den “eroberten”, kriegswichtigen😉 Supermärkten “bedienen müssen, damit sie nicht Hunger leiden und jetzt, auf dem RÜCKZUG !!, nur noch leere Regale vorfinden, braucht auch “der Rest der Welt” nichts zum Essen…..

Buffalo
Buffalo
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Jetzt wird Putin Angst bekommen

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