Trump: Waffenfreie Zonen seien die "gefährlichsten Orte"

Kritik an Polizei nach Schulmassaker, Trump will mehr Waffen

Samstag, 28. Mai 2022 | 16:53 Uhr

Nach dem Schulmassaker in Texas mit mehr als 20 Toten steht die Polizei wegen schwerer Versäumnisse stark in der Kritik. Nach offiziellen Angaben waren bereits zu einem frühen Zeitpunkt 19 Polizisten im Gang vor dem Klassenraum präsent, in dem sich der Amokläufer mit Lehrern und Schülern verschanzt hatte. Die Beamten unternahmen aber mehr als 45 Minuten lang keine Versuche, in den Raum einzudringen. Der frühere US-Präsident Donald Trump forderte indes mehr Waffen an Schulen.

Ein 18 Jahre alter Schütze hatte am Dienstag in der Volksschule in der texanischen Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet. Er hatte sich mit ihnen in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen eingeschlossen und dort das Blutbad angerichtet. Angehörige warfen der Polizei nun vor, sie hätten Leben retten können.

Der Direktor der Behörde für öffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, hatte am Freitag die erschütternden neuen Erkenntnisse vorgestellt, wonach die 19 Polizisten im Gang mehr als eine Dreiviertelstunde lang nicht eingeschritten waren, sondern auf Spezialkräfte zur Verstärkung gewartet hatten. Die Beamten an Ort und Stelle seien davon ausgegangen, dass der Schütze nicht mehr schieße, sondern sich lediglich verbarrikadiert habe. Dies habe sich im Nachhinein als Fehleinschätzung erwiesen. “Es war die falsche Entscheidung. Punkt”, sagte McCraw. “Dafür gibt es keine Entschuldigung.”

Er gab auch an, mehrere Kinder hätten aus dem Doppel-Klassenraum die Polizei angerufen. Eines der Kinder, das den Notruf gewählt hatte, ist eigenen Angaben nach die elfjährige Miah. Sie schilderte dem Sender CNN die schrecklichen Szenen, die sich in ihrer Klasse abspielten. Der Schütze sei in das Zimmer gekommen und habe zu einer Lehrerin “Gute Nacht” gesagt und die Frau erschossen. Er habe dann auf die andere Lehrerin und die Kinder geschossen. Als der Angreifer in den Nachbarraum gegangen sei, habe sie mit einer Freundin das Telefon der getöteten Lehrerin holen können und den Notruf angerufen. Das Mädchen habe sich schließlich mit dem Blut eines toten Klassenkameraden beschmiert, um sich tot zu stellen, berichtete CNN. Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass die Polizei bereits am Gang stand, sagte die Elfjährige.

Angehörige erhoben angesichts der neuen Erkenntnisse schwere Vorwürfe gegen die Polizei. “Sie hätten einige Leben retten können”, zitierte die “Washington Post” den Großvater einer getöteten Schülerin. “Sie hätten sie retten können”, sagte er mit Blick auf seine Enkelin.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte am Mittwoch mit der Aussage Aufsehen erregt, dass alles hätte noch viel schlimmer kommen können. “Der Grund, warum es nicht schlimmer war, ist, dass die Strafverfolgungsbehörden taten, was sie taten”, sagte er da. Angesichts der neuen Enthüllungen geriet Abbott am Freitag unter Druck und wurde von Reportern zu einer Stellungnahme gedrängt. “Ich wurde in die Irre geführt”, sagte der Republikaner. Er habe der Öffentlichkeit die Informationen weitergeben, die ihm Sicherheitskräfte nach dem Massaker in der Volksschule geschildert hätten. “Die Informationen, die mir gegeben wurden, erwiesen sich zum Teil als ungenau, und ich bin absolut wütend darüber.”

Mit Blick auf mögliche Konsequenzen für den örtlichen Polizeichef sagte der Gouverneur: “Was seinen Beschäftigungsstatus betrifft, so entzieht sich das meiner Kontrolle, und ich habe keine Kenntnis davon.” Er versprach Aufklärung, sah aber erneut das Problem nicht in den laxen Waffengesetzen in Texas. Viele prominente Republikaner argumentieren, nicht Waffen und mangelnde Regularien, sondern psychische Erkrankungen seien eine Hauptursache für derartige Taten.

Ähnlich äußerte sich am Freitag auch Trump bei der Jahrestagung der mächtigen Waffenlobby NRA (National Rifle Association) in Houston. Der frühere Präsident verteidigte das vielerorts laxe Waffenrecht in den USA und forderte stattdessen mehr Waffen an Schulen. “Die Existenz des Bösen ist einer der allerbesten Gründe, gesetzestreue Bürger zu bewaffnen”, sagte er. Bewaffnete Lehrer und bewaffnete Sicherheitskräfte könnten schreckliche Taten wie die in Uvalde verhindern, argumentierte der Republikaner. “Es gibt kein einladenderes Zeichen für einen Massenmörder als ein Schild, das eine waffenfreie Zone deklariert.” Dies seien die “gefährlichsten Orte”.

Die Jahrestagung der NRA (National Rifle Association) fand in Houston nur drei Tage nach dem Massaker statt, das sich rund 450 Kilometer entfernt in der Schule in Uvalde ereignet hatte. Einige Politiker und Musiker sagten ihre Teilnahme an der NRA-Veranstaltung ab, Trump aber nicht. Vor dem Veranstaltungsgelände protestierten Medienberichten zufolge Tausende Menschen gegen Waffengewalt und die NRA.

Zahlreiche Experten warnen davor, Lehrer zu bewaffnen. Sie sagen, dies würde Schulen nicht zu sicheren Orten machen. “Die Bewaffnung von Lehrern ist eine rundum schlechte Idee, weil sie zu zahlreichen Katastrophen und Problemen einlädt”, zitierte der Radiosender NPR den Wissenschafter Matthew Mayer, der an der Rutgers-Universität in New Jersey zu Gewalt an Schulen forscht. Die Chance, dass ein solches Vorgehen tatsächlich helfe, sei gering.

Von: APA/dpa

Kommentare

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28 Kommentare auf "Kritik an Polizei nach Schulmassaker, Trump will mehr Waffen"


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Zugspitze947
1 Monat 8 Tage

Gebe Gotte dass dieser verrückte TRUMPL nie mehr Präsident wird ,sonst ist der Weltfrieden noch mehr in Gefahr !😡👌😢

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 8 Tage

Wie üblich bekämpft Trump entgegen aller Ratschläge von Experten das Feuer mit Öl. Bei vielen scheint das noch dazu gut anzukommen. Um es mit Brecht zu sagen: wirklich, wir leben in finsteren Zeiten!

Hustinettenbaer
1 Monat 8 Tage

Ja. US-Messias, Corona, Klimawandel, Putin, China, Hunger, Massenfluchten…
Langsam werd ich wieder gläubig. Zumindest die 10 biblischen Plagen kommen mir recht plausibel vor.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 7 Tage

Ich würde es eher si sagen:”Nie gabs mehr Menschen auf der Welt, aber auch nie so viel Dumme”!

65Wendi
65Wendi
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Es wird sich nichts Ändern, traurig aber wahr ,die Waffenlobby ist zu hoch und das Geld für die meisten Menschen zu wichtig,deren Kinder, die am Meisten verdienen gehen auf perfekt gesicherten Privatschulen , die Eltern und Verwandten der erschossenen Kinder müssen durch die Hölle gehen,wenn Hausmeister und co bewaffnet werden wird es nicht sicherer,eher gefährlicher wenn wie im Krieg hin und her gefeuert wird .

Spencer
Spencer
Tratscher
1 Monat 8 Tage

das ist ein verlorener Krieg. Obama hat dagegen angekämpft. Und was geschah, die leute kauften noch mehr waffen und die waffenlobby verdiente so gut wie noch nie.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 7 Tage

@Spencer Und Obama warf man dann noch vor er wäre ein schwacher Präsident gewesen. Sogar die Kriege hat man ihm angelastet. Gegen Mehrheiten in den USA kommt niemand an und Verückte gibt es da genug , gerade in der Politik!

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Die Idee stammt nicht von Trump, das ist schon länger im Gespräch.

In den meisten Fällen begeht der Amokläufer beim ersten Zeichen vom bewaffneten Widerstand Flucht oder Selbstmord.

Natürlich drückt man nicht der älteren Lehrerin die kurz vor der Pensionierung steht eine Waffe in die Hand.
Es dürfte aber einige Lehrer/innen geben die um sich das Studium zu finanzieren bei den Streitkräften gedient haben, und somit eher geeignet sind.
Natürlich ist so ein unterfangen mit einem deutlichen finanziellen Aufwand (Training) verbunden.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 7 Tage

Dann bist du für Waffen? Trumps Idee?

Hustinettenbaer
1 Monat 7 Tage

Laut u.g. Quelle war der Schulpolizist “zu dem betreffenden Zeitpunkt” nicht da. D.h. es gibt dort schon (bewaffnetes ?) Sicherheitspersonal.
Bewaffnete Ex-Soldaten im Klassenzimmer ? Amokläufer-(Ex-)Soldaten 26 tote Kirchenbesucher, 13 Tote auf Militärbasis…

https://taz.de/Nach-dem-Schulmassaker-von-Texas/!5857351/
https://www.stern.de/panorama/stern-crime/us-luftwaffe-muss-nach-amoklauf-in-kirche-230-millionen-dollar-zahlen-31609052.html

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
1 Monat 7 Tage

0679….
Vielleicht funktioniert es am besten wenn keiner ausser der Staatsgewalt Waffen hat!!!

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

@N. G.

Es ist nicht Trumps Idee, da dies schon lange vor ihm vorgeschlagen wurde.
Ob das ganze funktioniert / funktionieren kann ? Ich weis es nicht !

Ehemalige Soldaten mit PTSD wären ein weiterer Risikofaktor.

Genauso wäre zu sehen ob schärfere Waffengesetze überhaupt möglich sind (es ist ja nicht nur die Lobby sondern ein Grossteil der Bevölkerung die dagegen sind) und was sie dann bringen.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

…der orange Dodel will bewaffneten Bürgerkrieg…

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 7 Tage

Doolin aber Waffen in die Ukraine zu schicken ist erwünscht!!!!Dei dei dei…

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
1 Monat 7 Tage

@Sag mal
Die Ukraine wurde von Putin überfallen und sie wehrt sich nur.

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 6 Tage

@OrtlerNord wenn eine Schule überfallen wird kann Sich ohne Waffen niemand wehren!!

Spencer
Spencer
Tratscher
1 Monat 8 Tage

USA = Dumbfuckistan

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 8 Tage

…ab sofort wird zurück geschossen, dank oranger Dodel…

falschauer
1 Monat 7 Tage

würde er in die ukraine auch mehr waffen liefern um seinen spezi putin zu bekämpfen? trump ist ein einziger widerspruch und nicht zu ertragen, schlimm dass so ein land wie die usa nicht imstande ist einen wählbaren kandidaten aufzustellen

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
1 Monat 7 Tage

Die Selbstverliebtheit und Dummheit von Trump sprengt alle Ketten.

Lara
Lara
Neuling
1 Monat 8 Tage

Drücke jedem Bürger eine Waffe in die Hand. Dann wird es sicher keine Tote mehr geben.
Ironie aus

Boxer the workhorse
Boxer the workhorse
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Ein weiterer furchtbarer Amoklauf und trotzdem hinterfragt keiner das System im “Wilden Westen”. Im Gegenteil: Man fordert mehr Waffen und natürlich mehr Psychologen- das ist Symptombekämpfung! Besser wäre, das Übel an der Wurzel packen: Präventionsarbeit, gesündere Ernährung, mehr Geld für Bildung und Jugendarbeit, Ausgleich sozialer Unterschiede… Aber das bringt ja die Waffenlobby nicht weiter und damit keine Mehrheit im Senat 😭

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 7 Tage

Und die selbe Strategie für Migranten, Migranten Kinder und andere unterpriviligierte Schichten in Südtirol und auch hier gäbe es weniger Kriminalität.
Trump will das Problem mit Waffen lösen. Wer sich die Vorschläge für unser Südtiroler Problem, gerade auch hier, durchliest, findet genau das gleiche Schema, mehr Polizei, härtere Strafen… Anderes kennen die nicht.
Südtirol ist voll von kleinen Trumps!!!

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Jaaa, ab dem Kindergarten sollte jedes Kind eine halbautomatische Handfeuerwaffe haben dürfen und damit jeden über den Haufen schießen, der bewaffnet ins Klassenzimmer kommt. Moment… dann würden sie sich ja alle gegenseitig killen… Trump ist immer noch total daneben.

Spencer
Spencer
Tratscher
1 Monat 7 Tage

in vielen Orten in der Usa schon der fall. Man kann waffen online bestellen sogar farbauswahl z. b. in pink uns es dem kleinen kind zum geburtatag schenken

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 7 Tage

Mehr Waffen machen’s garantiert besser! Dann können sich die Amokläufer gleich vor Ort bewaffnen und müssen vorher nicht den Umweg über’s Einkaufszentrum fahren.

pfaelzerwald
1 Monat 7 Tage

Trump ist zwar. Wäre wieder eine Katastrophe für die Welt. 

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 7 Tage

immer wieder kommen Verrückte an Waffen.Und die Opfer Solcher sollen Sich nicht verteidigen dürfen????

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