Kurdische Truppen greiffen die Assad-Armee an

Kurden starten Großangriff – Assad droht massiver Rückschlag

Montag, 22. August 2016 | 19:48 Uhr

Die Kurden-Miliz YPG hat einen Großangriff in Nordsyrien gestartet und bringt damit die in dem Bürgerkriegsland engagierten internationalen Mächte in Zugzwang. Die kurdischen Kämpfer griffen am Montag die letzten von Truppen des Präsidenten Bashar al-Assad gehaltenen Teile der Stadt Hassaka an, berichteten die Miliz sowie Bewohner. Die Türkei setzte in der Region indes Artillerie ein.

Der YPG-Vorstoß stellt für Russland, das mit Assad verbündet ist und dessen Truppen es mit seiner Luftwaffe unterstützt, eine Herausforderung dar. Am Freitag hatten die USA der Luftwaffe Assads mit Abschüssen ihrer Kampfflugzeuge gedroht, sollte die Stadt wieder bombardiert werden. Die Gebietsgewinne der Kurden sind wiederum der Türkei ein Dorn im Auge, denn sie fürchtet, dass die Autonomiebestrebungen der kurdischen Minderheit im eigenen Land angefacht werden.

Die türkische Armee hat indessen nach Fernsehberichten Stellungen der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und der Kurdenpartei PYD im Norden Syriens mit Artillerie beschossen. Bei den Angriffen am Montag seien IS-Ziele in der Stadt Jarablus und PYD-Ziele nahe Manbij unter Haubitzen-Feuer genommen worden, berichteten die Sender CNN-Türk und NTV. Zuvor hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärt, Ankara wolle die Grenzregion zu Syrien vollständig vom IS “säubern”.

Vor dem Angriff riefen die Kurden-Milizen die Assad-Soldaten per Lautsprecher und auf Flugblättern auf, sich zu ergeben. “Diese Schlacht ist entschieden, und wir werden nicht zurückweichen”, hieß es auf den Flugblättern. “Wir fordern euch auf, die Waffen abzugeben oder betrachtet euch als tot.” Hassaka ist bisher in eine kurdische und eine von Regierungstruppen gehaltene Zone aufgeteilt. Den Berichten nach sollen es die schwersten Kämpfe zwischen den Kurden-Milizen und Regierungstruppen seit fünf Jahren sein. Der Kampf um Hassaka ist ein entscheidender Schritt im Ringen im die Vorherrschaft im Grenzgebiet zur Türkei.

Die YPG ist Teil der von den USA unterstützten Syrisch Demokratischen Streitkräfte (SDF), die unlängst die Islamisten-Miliz IS aus der Stadt Manbij in der Region vertrieben hatten. Die YPG kontrolliert große Gebiete im Nordosten Syriens, in denen kurdische Gruppen seit Beginn des Bürgerkrieges eine autonome Verwaltung errichtet haben. Die Kurden-Milizen sind die schlagkräftigsten Verbündeten der USA am Boden. Zusammen mit internationalen Partnern bekämpfen die USA den IS aus der Luft. Die russische Luftwaffe bekämpft zwar auch den IS, jedoch unterstützt sie die Truppen Assads.

Ende vergangene Woche drohten die USA der Luftwaffe Assads mit Abschüssen, sollten kurdische Teile Hassakas weiter bombardiert werden. In der Gegend sind US-Spezialkräfte im Einsatz. Die US-geführte Koalition ließ nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums Abfangjäger aufsteigen, um syrische Bomber zu vertreiben. Am Montag waren nach Berichten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wieder Kampfflugzeuge am Himmel über Hassaka zu sehen, allerdings wurden keine Bomben abgeworfen.

Mit dem Großangriff haben die Kurden offenbar eine stillschweigende Abmachung mit der syrischen Armee gebrochen, sich nicht anzugreifen. Der Gouverneur von Hassaka sagte staatlichen Medien, die Armee habe die YPG für den Kampf gegen Jihadisten mit Waffen und Panzern ausgerüstet und nicht damit gerechnet, dass diese Waffen gegen sie selbst eingesetzt würden.

In Kurden-Kreisen hieß es, die YPG wolle der syrischen Regierung offenbar den Verbleib einer nominalen Vertretung in einer Sicherheitszone in Zentrum Hassakas gestatten. Die vollständige Aufgabe der Stadt würde einen schweren Rückschlag für Präsident Assad und auch für Russland darstellen. Die russische Beteiligung in dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg hat ausdrücklich zum Ziel, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Von: APA/ag.

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