Die irakischen Kurden sollen am Montag abstimmen

Kurdenführer hält trotz massivem Druck an Referendum fest

Freitag, 22. September 2017 | 19:37 Uhr

Trotz massiven Drucks von außen hat der irakische Kurdenführer Massoud Barzani erneut eine Absage des Unabhängigkeitsreferendums am Montag abgelehnt. “Das Referendum ist nicht länger in meinen Händen noch in jenen der Parteien – es ist in Euren Händen”, sagte Barzani am Freitag bei einem Auftritt in einem Stadion der Regionalhauptstadt Erbil.

Nach dem Referendum sei er bereit für einen “ernsthaften offenen Dialog” mit Bagdad, doch jetzt sei es “zu spät”. Es wird erwartet, dass sich Barzani auf einer Pressekonferenz am Samstag endgültig dazu äußern wird, ob das Referendum wie geplant am Montag stattfindet. In den vergangenen Tagen hat er bei Auftritten in Kirkuk, Suleimaniya und Dohuk immer wieder versichert, dass die Abstimmung abgehalten werde. Aus seinem Umfeld verlautete jedoch, es liefen weiter Verhandlungen.

“Nichts ist jetzt endgültig entschieden. Die Gespräche gehen weiter, um zu versuchen, ihm ernsthafte Garantien anzubieten, die ihn überzeugen, seine Meinung zu ändern”, sagte ein Beteiligter. Ein anderer Kurdenvertreter hatte zuvor gesagt, der iranische Kommandant Kassem Soleimani sei in der Region, um die kurdische Führung doch noch zum Einlenken zu bewegen.

Nicht nur die Zentralregierung in Bagdad, sondern auch der Iran und die Türkei warnen vor der Abhaltung des Referendums. Auch die UNO, die USA und diverse andere Staaten haben sich für dessen Absage ausgesprochen. Zwar unterstützen praktisch alle Kurden die Unabhängigkeit, doch halten viele den Zeitpunkt und die Umstände der jetzigen Abstimmung für falsch.

Von: APA/ag.