Kurz fühlt sich beschmutzt

Kurz in Graz: “Massive Aktionen, um uns anzupatzen”

Samstag, 07. Oktober 2017 | 14:22 Uhr

ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz hat am Samstag den steirischen ÖVP-Landesparteitag in Graz für eine Attacke auf die SPÖ genutzt: “Es gibt seit einiger Zeit massive Aktionen, um uns anzupatzen und uns schlechtzumachen.” Dahinter steckten die SPÖ und Tal Silberstein und das werde man sich nicht länger gefallen lassen, sagte Kurz.

Man habe noch eine Woche bis zur Wahl und er habe trotz der Fragen vieler Menschen an ihn nie ein Wort über den Mitbewerber verloren, sondern nur über “unser Programm”, sagte Kurz: “Aber heute sage ich ein paar Worte, was die SPÖ mit Tal Silberstein nach Österreich gebracht hat.” Man habe schon seit einiger Zeit geahnt, “was sich zusammenbraut und dass SPÖ und Tal Silberstein dahinter stecken, und er ist der Weltmeister des Dirty Campaigning”. Seitens der SPÖ sei abgewiegelt worden. “Aber nun wissen wir, es hat massive Aktionen gegeben, um uns anzupatzen und schlechtzumachen. Es ist bekannt, dass die SPÖ Silberstein beauftragt und bezahlt hat. Das Maß ist endgültig voll, wir werden uns zur Wehr setzen, wird werden uns das nicht gefallen lassen.”

Kurz sagte weiters, es werde mit allen Mitteln versucht zu verhindern, dass “wir als neue Kraft die Führung im Lande übernehmen. Sie können uns bekämpfen, sie können uns beschmutzen, aber sie können uns nicht aufhalten, das verspreche ich euch”, so Kurz. Am 15. Oktober sei nicht nur die Nationalratswahl, sondern auch eine Volksabstimmung darüber, ob “wir die Silbersteins in Österreich wollen”. Der 15. Oktober sei die Chance auf Veränderung im Land, so Kurz.

Kurz musste am Samstag mehrmals um Ruhe bitten, so heftig war der Applaus und der Jubel bei seiner Ankunft in einer Halle der Grazer Messe. “Ich bin euch dankbar für all den Rückenwind und die Stärke, die ich hier bei euch erlebt habe.” Hermann Schützenhöfer habe ihm zu seiner Obmannschaft eine kleine steirische Eiche geschenkt mit den Worten: “Du wirst einiges aushalten müssen.” Kurz weiter: “Und ich glaube nicht, dass man mit so einem Ausmaß an Dirty Campaigning gerechnet hat. Da brauche ich tausend steirische Eichen – und euch alle.”

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer wurde beim Landesparteitag in Graz mit 99,5 Prozent (2013: 93,3 Prozent) bei 413 wahlberechtigten Delegierten als Parteiobmann der steirischen ÖVP eindrucksvoll bestätigt. Es gab keinen Gegenkandidaten. Von 413 Delegierten votierten 411 für Schützenhöfer.

“Die noch nicht gestellte Frage, ob ich die Wahl annehme, beantworte ich mit Ja”, sagte Schützenhöfer wie schon 2013. “Das ist für alle eine Ermutigung und ich hoffe auch Rückenwind für die Wahl. Wir haben eine unbestrittene Führungspersönlichkeit und wir haben die Themenführerschaft und den absoluten Willen zum Erfolg. Und wir haben reichlich Gegner, alle haben sich verschworen, gegen Sebastian Kurz anzutreten. Wir werden am Sonntag ein Ergebnis haben, das signalisiert, wir wollen, dass Sebastian Kurz führt”, sagte Schützenhöfer.

2006 hatte Schützenhöfer als Nachfolger von Waltraud Klasnic 98,6 Prozent eingefahren, im Jahr 2009 waren es 98,8 Prozent gewesen. Das bisher schwächste Ergebnis war im März 2013 mit 93,3 Prozent erzielt worden.

Zu Stellvertretern wurden die Grazer Gemeinderätin Daniela Gmeinbauer mit 99,0 Prozent, Landtagsklubchef Karl Lackner (99,7 Prozent), Nationalratsklubchef Reinhold Lopatka (94,2 Prozent) und Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner (98,8 Prozent) gewählt.

Schützenhöfer sagte in seiner Rede, dass es in der Politik vor allem um Überzeugungen und Vorbildwirkung gehe. Von der Steiermark zeichnete er ein Bild von Aufbruch und Innovation. Schützenhöfer gab sich zuversichtlich, dass die ÖVP den Kanzler stellen werde.

“Wer hätte sich beim letzten Parteitag 2013 gedacht, dass in den USA jemand wie Donald Trump regiert, dass die Briten aus der EU austreten werden”, oder dass bei der Bundespräsidentenwahl kein Vertreter der traditionellen Parteien zur Wahl stehe, stellte Schützenhöfer in den Raum, und kam auch auf die Flüchtlingskrise 2015/16 und die Integrationsbemühungen zu sprechen.

Zur steirischen Lage sagte der steirische ÖVP-Obmann: “Wir sind wieder LH-Partei und wir haben die Absicht, dies 2020 deutlich zu verbessern. Und würden wir unseren Parteitag in zwei Wochen abhalten, könnten wir sagen: Wir werden den Bundeskanzler stellen”, kündigte Schützenhöfer an: “Mit Sebastian Kurz können und werden wir es packen.”

Schützenhöfer überließ die Kritik an der Bundes-SPÖ weitestgehend seinem Vorredner Sebastian Kurz. Er selbst sagte, in der Steiermark halte man es anders, zum Regieren brauche es Ideen und Haltung. “Wir arbeiten in der Landesregierung vertrauensvoll zusammen, weil es in der Steiermark keinen Platz gibt für ausländische Spindoktoren, die nur Streit und Hader bringen. Solche Methoden hat es ja selten gegeben, dass man jemand anstellt, um den Schmutzkübel herauszuholen. Das beantworten wir nicht mit den selben Methoden, aber so, dass sie den Strippenziehern einen Strich durch die Rechnung machen, am nächsten Sonntag.”

In die Gesellschaft habe sich zu viel Beliebigkeit eingenistet und die eigene Befundlichkeit sei das Maß aller Dinge, beklagte der ÖVP-Landeschef u.a. Es habe jedenfalls mit Gerechtigkeit zu tun, wenn man sage, man könne nicht alles Leid der Welt schultern. Er sei u.a. auch dagegen, dass sich jemand in die Mindestsicherung quasi einschleiche und diejenigen belächle, die arbeiten gingen: “Ich muss doch von jemanden, der gerade Glieder hat, verlangen können, dass er etwas leistet.”

Landesgeschäftsführer Eisel-Eiselsberg sprach von der ÖVP als der Partei, die von den Menschen als die Nummer eins im Land empfunden werde (stimmenstärkste ist die SPÖ, die LH-Funktion hatte der damalige SPÖ-Chef Franz Voves aber nach der Landtagswahl 2015 an die ÖVP und seinen Freund Hermann Schützenhöfer übergeben, Anm.). Zum aktuellen Wahlkampf meinte Eisel-Eiselsberg, die ÖVP habe niemanden diffamiert. “Wir sind ohne Dirty Campaigning und falsche Facebook-Profile ausgekommen” Und man habe mit Kurz einen Bundesparteiobmann, “mit dem einen Nationalratswahl wieder Spaß macht”.

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl sagte, es gebe keinen, der sich besser auskenne in der Partei und der die Menschen im Land besser kenne als Schützenhöfer. Und mit Sebastian Kurz habe man nun einen jungen Mann, der ebenfalls etwas für Österreich weiterbringen wolle. “Was SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern und die Sozialdemokraten an Schaden angerichtet haben, das halten die Menschen nicht mehr aus”. Dass man dann so niederträchtig sei und im Zubodensinken andere mitreißen wolle, das schlage dem Fass den Boden aus, sagte Nagl. “Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, und ich hoffe, dass das am nächsten Sonntag passiert. Der Streit, den sie anzetteln, der könnte letztlich anderen nutzen, und dass wir Blau-Rot haben, und das wünscht sich keiner”, sagte Nagl.

Von: apa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Kurz in Graz: “Massive Aktionen, um uns anzupatzen”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
brunner
brunner
Superredner
16 Tage 4 h

Bravo ÖVP!Zeigt Haltung gegen die linke Weltverschwörung!!

geronimo
geronimo
Tratscher
16 Tage 1 h

Hat Kurz auch ein Programm? Mit der fpö?🤔🤔🤔

Waltraud
Waltraud
Grünschnabel
16 Tage 3 h

Was manche alles machen, um einen Gegner auszuschalten. Da tun sich Abgründe auf. Demokratie hoch zehn.

Staenkerer
15 Tage 22 h

sorry wollte 👍 drücken! du hosch recht! do konn man lernen wos man unter demokratie zu verstien hot!
do konn lei vertrauen aufkemmen 😈😠

witschi
witschi
Universalgelehrter
16 Tage 3 h

gut so, aber die gscheiten leute wissen das alles schon

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