Sebastian Kurz und Shinzo Abe beim Zusammentreffen in Tokio

Kurz in Japan – Wirtschaftsbeziehung im Mittelpunkt

Freitag, 15. Februar 2019 | 15:27 Uhr

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Freitag seine Ostasien-Reise in Japan fortgesetzt. In Tokio empfing ihn Premierminister Shinzo Abe. Beide waren sich nach ihrem Gespräch einig, dass das am 1. Februar in Kraft getretene Handelsabkommen der EU mit Japan (JEFTA) neue Impulse zur Stärkung der bilateralen Handelsbeziehungen geben sollte.

Wie schon Kurz’ Besuch am Donnerstag in Südkorea steht auch die Visite in Japan vor allem im Zeichen der Wirtschaftsbeziehungen sowie des Austausches im Wissenschafts- und Technologiebereich. Kurz wird von Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Technologieminister Norbert Hofer (FPÖ) begleitet. Hinter China ist Japan der zweitgrößte Markt für Exportgüter und -dienstleistungen österreichischer Firmen in Asien. Die Außenhandelsbilanz mit Japan ist aus österreichischer Sicht negativ. Österreich exportierte laut Wirtschaftskammer 2017 in einem Ausmaß von 767 Millionen Euro weniger nach Japan als es von dort importierte. Durch JEFTA wurden die Zölle und andere Handelshemmnisse zwischen den EU-Staaten und Japan nahezu vollständig abgebaut.

Thema zwischen Abe und Kurz waren auch die Europa- sowie die Weltpolitik. Abe ersuchte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Kurz vor der Presse, bei dem keine Fragen zugelassen waren, die Auswirkungen des Brexit zu minimieren. Mit der Aussage “Ein No-Deal-Brexit sollte vermieden werden”, unterstützte der japanische Premier die Linie des Bundeskanzlers. Entlang des Kurses Österreichs sprach sich Abe auch dafür aus, die Integration der Westbalkan-Staaten in die EU voranzutreiben.

Beide Regierungschefs unterstrichen ferner ihren Willen, sich für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. Mit Blick auf das zweite Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un Ende des Monats waren sich beide einig, dass die internationale Staatengemeinschaft die Bemühungen zur Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm unterstützen sollte.

Zuvor war Kurz von Kronprinz Naruhito (58), der in zweieinhalb Monaten den Kaiserthron besteigen soll, in Audienz empfangen worden. Nach 30 Jahren auf dem Chrysanthementhron dankt sein Vater Akihito (85) als Monarch am 30. April ab. Akihito ist zugleich der erste Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimacht. Am Tag nach der Abdankung (1. Mai) folgt Naruhito als Tenno nach.

Naruhito und Kurz besprachen einerseits die Verantwortung, die auf den Kronprinzen zukommt, sowie das 150-Jahr-Jubiläum der Beziehungen zwischen Österreich und Japan. 1869 liefen die österreichisch-ungarische Fregatte “Donau” und der Dampfer “Erzherzog Friedrich” unter Konteradmiral Anton Freiherr von Petz in Yokohama ein. Petz hatte den Auftrag, einen Freundschafts- und Handelsvertrag abzuschließen. Nach nur zehntägigen Verhandlungen war der Vertrag unterschriftsreif. Als Gastgeschenke, die bei Vertragsabschluss dem damaligen Tenno Mutsuhito (Meiji) übergeben wurden, brachte der Emissär aus Österreich neben einer Porzellanstatue Kaiser Franz Josephs einen Konzertflügel der Wiener Firma Bösendorfer mit. Ein junger österreichischer Diplomat durfte dem jungen Kaiser in seinem Palast auf dem Flügel vorspielen. Der hinter einer Schiebetür verborgene Tenno hörte so erstmals westliche Musik. Wie populär die klassische Musik bei seinen Landsleuten werden sollte, ahnte er wohl nicht.

Gefeiert wird das Jubiläum am Samstag mit einem Konzert des Streichquartetts der Wiener Philharmoniker in Tokio. Japan richtet laut Premier Abe zudem heuer eine Gustav-Klimt-Ausstellung aus, und auch die Wiener Sängerknaben treten in Japan auf. In Österreich ist demnach aus Anlass des Jubiläums u.a. ein Japan-Festival an der Wiener Staatsoper geplant.

Laut diplomatischen Kreisen wird Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) noch im Frühjahr, Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Herbst nach Japan reisen. Nach der Inthronisation von Naruhito am 1. Mai, wird der neue Monarch nämlich am 22. Oktober offiziell als neuer Kaiser proklamiert. An diesem Tag nimmt er auch die Glückwünsche ausländischer Staatsoberhäupter entgegen, die eingeladen werden.

Kanzler Kurz stattete in Tokio außerdem dem Honda-Konzern einen Besuch ab. Honda ist nicht nur der größte Motorenhersteller der Welt, Honda ist auch in der Robotertechnologie tätig. So machten Kurz und Technologieminister Norbert Hofer (FPÖ) mit dem Roboter Asimo Bekanntschaft, der nicht nur hüpfen und sprechen kann, sondern auch die Gebärdensprache beherrscht. In Zukunft arbeitet Honda Robotics mit Blick auf die überalterte Bevölkerung darauf hin, Roboter etwa in der Altenbetreuung einzusetzen. So könnten Asimos alten Menschen beim Gehen helfen. Trotz Überalterung setzt Japan zumindest nicht auf Zuwanderung im großen Stil oder unbefristet, um an Pflegekräfte zu kommen.

Kurz probierte im Beisein von Honda-Boss Takahiro Hachigo auch eine Art “fahrenden Elektro-Hocker”, genannt Unicub aus, der sich mit Gewichtsverlagerung steuern lässt und posierte vor einem Formel-1-Boliden von Honda Red Bull. Erstmals fährt Red Bull heuer statt mit Renault mit Honda-Motoren.

Von: apa

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