Von polnischer Seite wurden Wasserwerfer eingesetzt

Lage um Migranten an Grenze Belarus-Polen beruhigt sich

Dienstag, 16. November 2021 | 17:52 Uhr

In der Krise um die Migranten an der belarussisch-polnischen Grenze ist weiterhin keine Lösung in Sicht. Russlands Präsident Wladimir Putin telefonierte am Dienstag erneut mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Dieser ordnete am Abend an, Frauen und Kinder unter den Flüchtlingen in einem Logistikzentrum bei Grodno unterzubringen. Am Vormittag war es an der polnisch-belarussischen Grenze zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.

Am Abend meldete der polnische Grenzschutz, die Lage bei dem Übergang Kuznica-Brusgi habe sich wieder beruhigt. “Momentan kehren die Ausländer vom Grenzübergang Kuznica-Brusgi auf das Gelände des früheren Zeltlagers zurück, das sich ein paar hundert Meter weiter an der Grenzlinie befindet”, teilten die Grenzschützer am Dienstag via Twitter mit. Dazu posteten sie ein Video, das Menschen am Waldrand hinter der Grenzbefestigung zeigt, die sich an Lagerfeuern wärmen.

Bei dem Telefonat Putins mit Lukaschenko sei es um die Lage im Grenzgebiet gegangen, teilte der Kreml am Dienstag in Moskau mit. Zudem hätten die beiden Staatschefs darüber gesprochen, wie die Grenzen des gemeinsamen Unionsstaates geschützt werden könnten, meldete die belarussische Staatsagentur Belta. Details wurden zunächst nicht genannt. Beide Präsidenten hatten bereits vergangene Woche telefoniert.

Lukaschenko informierte Putin demnach auch über sein Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Vortag. Es war Merkels erstes Gespräch mit dem Machthaber seit der umstrittenen Präsidentenwahl im August vergangenen Jahres in Belarus. Die EU erkennt Lukaschenko wegen des Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten nicht mehr als Präsidenten an.

Lukaschenko wird beschuldigt, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Vermutet wird, dass er sich damit für Sanktionen rächen will, die die EU wegen der Unterdrückung der Zivilgesellschaft und der Opposition in Belarus erlassen hat.

An dem Grenzübergang Kuznica-Brusgi, wo sich seit Montag auf der belarussischen Seite der Grenze eine große Flüchtlingsgruppe aufhält, war die Situation am Dienstagvormittag zeitweilig eskaliert. Polnische Sicherheitskräfte setzten nach übereinstimmenden Berichten aus Polen und Belarus Wasserwerfer gegen die Flüchtlinge ein. Das Verteidigungsministerium in Warschau sprach von einem “Angriff der Migranten” am Grenzübergang Kuznica. “Die Angreifer waren vor allem junge, aggressive Männer”, schrieb die Behörde auf Twitter.

Die Menschen seien von der belarussischen Seite mit Knallgranaten und Tränengas ausgestattet worden, sagte ein Sprecher der polnischen Polizei. Sie hätten die Beamten auch mit Steinen beworfen. Eine Grenzschutzbeamtin, ein Soldat und ein Polizist wurden demnach verletzt. Die Auseinandersetzungen waren polnischen Angaben zufolge nach zwei Stunden beendet. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen, da Polen keine Medien für eine Berichterstattung aus der Grenzregion zulässt.

Unterdessen ordnete Lukaschenko die Errichtung eines Nachtlagers für einen Teil der Migranten nahe der polnischen Grenze an. In der Region Grodno werde ein Logistikzentrum so umfunktioniert, dass Frauen und Kinder dort übernachten könnten, meldete die Staatsagentur Belta am Dienstagabend. Auf beigefügten Fotos ist zu sehen, wie Menschen in einer Halle Matten und Decken ausbreiten.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Lage um Migranten an Grenze Belarus-Polen beruhigt sich"


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Tina1
Tina1
Tratscher
21 Tage 5 h
Wann wird die EU an ihre Geduldgrenze stoßen und aufhören, sich mit bereits zum Spott gewordenen Äußerungen von „Sorgen“ und „tiefer Besorgnis“ zu erniedrigen? (…) Die neue EU-Position muss klar und eindeutig definiert sein: An den Grenzen der EU wird es Mauern, Absperrungen und Stacheldraht geben. Es muss klar gesagt werden, dass sie mit der Zeit nur höher und schwerer zu überwinden werden, weil Europa nicht all die Milliarden Menschen aus Afrika und Asien auf der Suche nach einem besseren Leben aufnehmen kann. Die von westlichen Intellektuellen so geschätzte Idee einer offenen, vernetzten Welt ohne Grenzen muss vergessen werden. „Neue… Weiterlesen »
Entrjoechar
Entrjoechar
Grünschnabel
20 Tage 9 h
Unbedingt! Jetzt haben wir Afrika, Asien und alles dazwischen, jahrzehnte lang ausgebeutet, zugesehen wie Menschen massakriert wurden, und uns nebenbei die Taschen gefüllt. Wir leben auf deren Kosten im Wohlstand und ohne Sorgen. Aber wenn jetzt deren Kinder zu uns kommen wollen, nur um in Sicherheit leben zu können, dann ist genug! Habe keine Lust den Gürtel enger zu schnallen. Lieber sollen deren Kinder ohne Heimat und Bildung aufwachsen. Dann verstehen sie hoffentlich, dass wir sie hier nicht wollen… und wenn wir sie dann doch mal brauchen, melden wir uns. …und jetzt noch ein Satz, frei von Sarkasmus: Ich schäme… Weiterlesen »
pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 7 h

@Entrjoechar
Ja, kann man so sehen. Aber: Die derzeitigen “Machthaber” in Afrika sind fast alle “dick und fett und reich”! Schon komisch, oder?

Entrjoechar
Entrjoechar
Grünschnabel
20 Tage 2 h

Du findest das komisch? Genau diese dicken Machthaber werden von uns unterstützt, und sind der Grund für die anhaltenden Flüchtlingswellen.
Die in Armut lebende Bevölkerung führt aussichtslose Bürgerkriege für ihre Rechte, aber haben keine Chance gegen die reichen Diktatoren, welche von uns unterstützt werden. Und dann macht man hier wieder auf scheinheillig, und meint, das ginge uns nichts an?!?!
Dante: die heißesten Stellen der Hölle sind für jene reserviert, die sich während einer moralischen Krise neutral verhalten.
Ich bete dafür, dass es so ist.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
21 Tage 3 h

An der dramatische Lage der Menschen am Grenzzaun ist in erster Linie nicht Polen und auch nicht die EU schuld.

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
20 Tage 19 h

…wohl derjenige, der mit diesen Menschen spielt und sie aus fernen Ländern mit seinen Fliegern herholt…

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
21 Tage 3 h

Polen schützt seine Grenzen. Dazu hat es jedes Recht und auch die Pflicht. Gleichzeitig schützt Polen die EU-Grenze.
Wann kommt eigentlich ein europäischer Politiker mal auf die Idee, die Polen dafür zu loben, oder zumindest anzuerkennen, was Polen leistet.?

olter
olter
Tratscher
20 Tage 7 h

@pfaelzerwald
Alle selbsternannten ‘Anti-Trumpler’ zusammen:
‘Build the Wall!’.
😀 😀

inni
inni
Universalgelehrter
21 Tage 3 h

Wo bleibt die humanitäre Hilfe, wie Italien sie immerzu leistet, bei den Flüchtlingen die über das Meer kommen? Von Italien erwartet die EU das … von Polen hingegen nicht – dort möchte der EU Ratspräsident sogar Hilfsgelder für die Errichtung von Stacheldrahtzäunen an der Grenze zu Belarus bereitstellen.

inni
inni
Universalgelehrter
20 Tage 17 h

Das Flüchtlingsproblem, das Italien seit vielen Jahren zu tragen hat, lässt die meisten Eu-Staaten völlig gleichgültig. Vielleicht mal ganz gut so, dass das Problem nun einen der Gleichgültigsten trifft. Unvorstellbar und riesengroß der Aufschrei, wenn Italien eine ähnliche Abwehr wie Polen wagen sollte, gegen all jene, die illegal ins Staatsgebiet einzudringen versuchen … 😶

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